Chronik

Die Chronik der Stadt Jena wurde von Mitarbeitern des Stadtarchivs angelegt. Für die aufgeführten Ereignisse bis 1900 konnten Belege aus den Beständen des Archivs und der Literatur herangezogen werden. Zur neueren Zeit basieren die Einträge vor allem auf Meldungen der regionalen Presse. Die Chronik wurde als Internetversion redaktionell angepasst und im Umfang wesentlich gekürzt. Für Informationen zu den Chronikeinträgen steht Ihnen das Stadtarchiv gern zur Verfügung. Hinweise, Ergänzungen oder Korrekturen nehmen wir dankbar entgegen.

Hinweis

Die Chronik steht als Kurzüberblick und als ausführliche Fassung je Jahrhundert zur Verfügung.

Kurzchronik

896/899

In einem Verzeichnis der dem hessischen Kloster Hersfeld zinspflichtigen Orte erscheint die Ortsbezeichnung „Iani“. Diese lässt sich – wenn auch nicht mit eindeutiger Sicherheit – auf Jena beziehen.

1145

Die Nennung eines Folmarus de Gene ("Volmar von Jena") als Zeuge in einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs stellt eine zweite Erwähnung Jenas dar.

1182

Landgraf Ludwig III. von Thüringen bestätigt den Verkauf eines Waldes in Zwätzen, gelegen an der Saale zwischen Jena und Dornburg.

um 1236

In einer zeitlich nicht genau fixierbaren Urkunde des Hermann von Lobdeburg werden erstmals „cives“ (Bürger) erwähnt. Die Urkunde gilt daher als Erstnennung Jenas als Stadt.

1275

Die urkundliche Nennung von acht „consules“ (Ratsmannen) ist der erste greifbare Hinweis auf einen städtischen Rat.

um 1380

Baubeginn am Neubau der Stadtkirche St.Michael. Auf einem romanischen Vorgängerbau entsteht über einen längeren Zeitraum (bis Mitte 16. Jahrhundert) eine der größten gotischen thüringischen Stadtkirchen. Etwa zur gleichen Zeit beginnt der Bau des Rathauses, der bis zum Ende des 14. Jahrhunderts fertig gestellt wird.

1429

Die Landesherren verkaufen der Stadt die Ober- und Niedergerichte und den Zoll zu Jena.

1471

Als Nebenresidenz der wettinischen Stadtherren entsteht  das Jenaer Stadtschloss.

1523/25

Jena wird zu einem Zentrum der Reformation. Bei Michel Buchführer in Jena werden reformatorische Schriften gedruckt. Luther disputiert mit Karlstadt in Jena. Im April/Mai 1525 kommt es zu Bauernunruhen. Die beiden Mönchsklöster der Dominikaner und Karmeliten werden geplündert.

1548 / 1558

In Jena wird im Gebäudekomplex des ehemaligen Dominikanerklosters ein „Akademisches Gymnasium“ als Vorstufe einer neuen Universität gegründet. Am 2. Februar 1558 findet die Eröffnung der Universität statt.

1570

Es ergeht ein landesherrliches Privileg für das Universitätsschankhaus "Zur Rosen" zum steuerfreien Ausschank von Wein und Bier an Universitätsangehörige.

1637

Jena erlebt während des 30-jährigen Krieges große Verwüstungen: die Stadt wird geplündert und die Camsdorfer Brücke schwer beschädigt. Nach Beendigung des Krieges wird 1650 ein großes Friedensfest gefeiert.

1672 - 1690

Nach einer Landesteilung entsteht unter Herzog Bernhard das selbstständige Herzogtum Sachsen-Jena. Jena wird Residenz- und Landeshauptstadt.

1674

Die erste Nummer der „Jenaischen Wöchentlichen Anzeigen“ des Verlegers Johann Ludwig Neuenhahn erscheint. Jena nimmt im 17. und 18. Jahrhundert unter den Standorten des deutschen Buchdrucks nach Leipzig den zweiten Platz ein.

1717

Mit 778 neu eingeschriebenen Studenten gehört Jena zu den am stärksten besuchten Universitäten im protestantischen Deutschland.

1744

Joachim Georg Darjes wird zum Professor der Moral und Politik berufen und hält auch kameralistische Vorlesungen.

1784

In Zusammenarbeit mit dem Anatom Johann Justus Loder entdeckt Johann Wolfgang von Goethe den Zwischenkieferknochen beim Menschen.

1789

Friedrich Schiller hält seine Antrittsvorlesung als außerordentlicher Professor für Geschichte.

um 1800

Jena und seine Universität bilden ein geistiges und kulturelles Zentrum: Goethe, Schiller, Fichte, Hegel, Feuerbach, Schelling, Hufeland und der Kreis der Frühromantiker mit Tieck, den Gebrüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Caroline Schlegel und Dorothea Veit wirken hier.

1806

In der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt fügen die Franzosen der preußischen Armee und deren Verbündeten am 14. Oktober eine vernichtende Niederlage zu. Jena hat unmittelbar vor und nach der Schlacht unter den französischen Einquartierungen schwer zu leiden.

1815

Im Gasthaus „Zur grünen Tanne“ wird die Jenaische Burschenschaft („Urburschenschaft“) gegründet. 1817 wird auf Initiative Jenaer Burschenschafter und unter Beteiligung der Jenaer Professoren Oken, Kieser und Fries das „Wartburgfest“ gefeiert.

1846

Carl Zeiss aus Weimar eröffnet in Jena ein „Mechanisches Atelier“, das Geräte, insbesondere Mikroskope, für naturwissenschaftliche und medizinische Forschungen der Universität konstruiert und repariert.

1866

Der Mathematiker und Physiker Ernst Abbe wird wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Carl Zeiss und legt die wissenschaftlichen Grundlagen für den Mikroskopbau.

1874 / 1876

Jena erhält mit der Saalbahn und der Weimar-Geraer Bahn Anschluss an das Eisenbahnnetz.

1884

Der Glastechniker Otto Schott gründet zusammen mit Carl Zeiss und Ernst Abbe das „Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen“.

1889

Nach dem Tode von Carl Zeiss wird der bisherige Privatbetrieb durch Ernst Abbe in einen Stiftungsbetrieb umgewandelt. Das Ergänzungsstatut der „Carl Zeiss-Stiftung“ (1900) erweitert die jährliche finanzielle Dotierung der Universität in großzügiger Weise.

1903

Unter dem Vorsitz des Juristen Eduard Rosenthal gründet sich der Jenaer Kunstverein.

1908

Aus Anlass des 350jährigen Gründungsjubiläums der Universität wird das neue Universitätshauptgebäude (Architekt Theodor Fischer) übergeben.

1911

Das Ernst Abbe-Denkmals von Henry van de Velde mit Werken Max Klingers und Constantin Meuniers wird eingeweiht.

1914

Nach Ausbruch des I. Weltkrieges übertönt die Welle der Kriegsbegeisterung zuvor vorhandene Proteste und Zweifel. Vor allem Gymnasiasten und Studenten melden sich freiwillig zum Kriegseinsatz.

1918

Mit Friedensschluss sind in Jena 1.459 Tote zu beklagen, die im Weltkrieg ihr Leben verloren. Im November bildet sich ein revolutionärer Arbeiter-und-Soldatenrat.

1919

Unter dem in Jena gegründeten Dachverein „Volkshochschule Thüringen“ entsteht die Volkshochschule Jena.

1922

Nachdem vor dem I. Weltkrieg bereits Wenigenjena, Lichtenhain und Ziegenhain eingemeindet worden waren, kommen nunmehr die Orte Ammerbach, Löbstedt, Zwätzen, Winzerla und Burgau zur Stadt Jena.

1933

Dem am neugewählten Gemeinderat gehören 13 Mitglieder der NSDAP als stärkste Fraktion an. Oberbürgermeister Dr. Alexander Elsner wird abgesetzt. An seine Stille tritt Armin Schmidt (NSDAP).

Aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ kommt es zur Entlassung bzw. Beurlaubung von jüdischen Hochschullehrern an der Universität.

1934

Anlässlich des 175. Geburtstages Friedrich Schillers erhält die Universität seinen Namen.

1936

Auf der Grundlage einer nicht genau datierbaren Urkunde begeht die Stadt mit einer Festwoche das 700jährige Jubiläum der Stadt-Erhebung.

1938

Nach dem Novemberpogrom werden die noch bestehenden jüdischen Geschäfte geschlossen.

1942

In einem ersten Transport werden 342 Juden aus Mitteldeutschland, darunter 9 Personen aus Jena, in das Ghetto Bełżyce (Distrikt Lublin) deportiert. Insgesamt wurden mehr als 100 mit Jena verbundene jüdische Menschen Opfer der NS-Gewaltherrschaft.

1945

Im Februar/März erfolgen schwere Bombenangriffe auf die Stadt, bei denen über 700 Menschen den Tod finden. 15% der Gebäudesubstanz der Stadt werden zerstört. Am 13. April besetzen amerikanische Truppen die Stadt. Seit Anfang Juli übernehmen sowjetische Militärbehörden Besatzungsrechte. Im Oktober 1945 nimmt die Universität ihren Lehrbetrieb wieder auf.

1946

Auf Befehl der Besatzungsmacht beginnt die fast vollständige Demontage der Firmen Zeiss und Schott.

1949

Die Enttrümmerung des Stadtzentrums ist weitgehend abgeschlossen.

1953

Am 17. Juni kommt es in Jena zu massiven Protesten gegen Maßnahmen der DDR-Regierung. Etwa 20.000 Einwohner sind an den Demonstrationen beteiligt. Der Ausnahmezustand wird verhängt und etwa 500 Personen verhaftet.

1955

Die im Krieg stark zerstörte Stadtkirche St. Michael wird nach Restaurierungsarbeiten wieder eingeweiht.

1964

Nach Abschluss der Projektierungsarbeiten und dem Beginn erster Erschließungsarbeiten wird der erste Spatenstich zum Bau der Großwohnsiedlung Lobeda-West vollzogen. Bis 1975 entstehen rund 5600 Wohnungseinheiten in Plattenbauweise.

1969

Im Rahmen der Umgestaltung des Jenaer Stadtzentrums erfolgt der Baubeginn des Universitätshochhauses (geplant als Zeiss- Forschungshochhaus). Größere Teile der historischen Innenstadt zwischen Eichplatz und Kollegiengasse werden dafür abgerissen.

1970 Der erste Block im Neubaugebiet Jena-Winzerla wird errichtet.
1971

Baubeginn für das Neubaugebiet Lobeda-Ost. Bis 1983 entstehen hier über 8500 Wohnungen.

1975

Jena zählt 100.000 Einwohner und erhält damit den Großstadt-Status.

1980

Baubeginn im Neubaugebiet Jena-Winzerla. Bis Ende des Jahrzehnts entstehen hier ca. 5500 Wohnungen.
1982

Jena wird Ausgangspunkt einer Friedensbewegung, die sich unter der Losung „Schwerter zu Pflugscharen“ für eine Ächtung von Waffen in Ost und West einsetzt.

1989/90

Ende September/Anfang Oktober gründen sich oppositionelle Parteien und Bewegungen. Fürbittgottesdienste und Demonstrationen finden seit Oktober statt. Am 4. November beteiligen sich ca. 40.000 Jenaer an der größten Kundgebung. Am 1. Dezember tagt der erste „Runde Tisch“. Bei der ersten freien Kommunalwahl im Mai 1990 wird die CDU stärkste Fraktion im Stadtrat.

1991/92 Mit dem wirtschaftlichen Umbruch entfallen zahlreiche Arbeitsplätze, über 16.000 Beschäftigte der Zeiss-Werke werden entlassen. Aus dem Jenaer Stammbetrieb werden die Jenoptik GmbH und Carl Zeiss Jena GmbH gebildet.
1994

Durch Gebietsreform wächst die Flächen- und Einwohnerzahl der Stadt Jena erheblich. Zu Jena gehören fortan u.a. Cospeda, Closewitz, Drackendorf, Isserstedt, Jenaprießnitz, Krippendorf, Kunitz, Laasan, Maua, Münchenroda und Vierzehnheiligen.

1996

Auf dem Areal des ehemaligen Zeiss-Hauptwerkes entstehen die Einkaufspassage „Goethe Galerie“ und der neue Campus der Friedrich- Schiller-Universität.

1999

Grundsteinlegung für das Klinikum 2000 in Lobeda-Ost, das 2004 offiziell eingeweiht wird.

2000

Die originalgetreu rekonstruierte Renaissancehaube (1945 zerstört) wird auf den Turm der Stadtkirche St.Michael aufgesetzt.

2001

In Jena studieren mit Semesterbeginn rund 20.000 Studenten, davon rund 3.000 an der Fachhochschule.

2002

Das Freizeitbad GalaxSea in Jena-Winzerla wird eröffnet.

2008 Die Universität feiert ihr 450. Jubiläum. Höhepunkt ist der Akademische Festumzug anlässlich der Jahrestagung der Coimbra Group. Jena trägt den Titel "Stadt der Wissenschaft 2008".
2014 In einer Bürgervollbefragung stimmt eine Mehrheit der Jenaer gegen das geplante Eichplatzkonzept. Der 2013 gefasste Beschluss "Grundstücksverkauf mit Bauverpflichtung Eichplatz" wird vom Stadtrat wieder aufgehoben.
   

vor 1200

spätes 7. / frühes 8. Jahrhundert

Funde von menschlichen Knochen belegen die Nutzung des Areals um die heutige Stadtkirche St. Michael als Begräbnisplatz.

zwischen 780 und 802

Isserstedt findet als erste heute zur Stadt gehörende Siedlung in einem Verzeichnis von Schenkungen an das Kloster Fulda Erwähnung.

zwischen 896 und 899

In einem Zehntregister des Klosters Hersfeld ist der Ortsname „Iani“ genannt. Die aus indogermanisch/germanischer Wurzel herleitbare Ortsbezeichnung (etwa: „Gebiet am Flussübergang“) bezieht sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf das an einer Saalefurt liegende, von Verkehrswegen aus dem Erfurter Raum berührte heutige Jena.

937

20. Dezember: Die königliche Burg „Chirihberg“ („Kirchberg“) auf dem Hausberg östlich von Jena wird erwähnt. Die namensgebende Kirche stellt die früheste Nennung eines Gotteshauses im Jenaer Raum dar.

974

20. Juni: Kaiser Otto II. weilt auf Kirchberg, was auf das Vorhandensein einer königlichen bzw. kaiserlichen Pfalz schließen lässt.

vor 1100

Ein erster Vorgängerbaus von St. Michael entsteht als kleine romanische Saalkirche.

um 1100

Der Bau einer zweiten Burg auf dem Hausberg (Kirchberg II), Besitz der wettinischen Markgrafen von Meißen, beginnt. Mit dem Bergfried zählt ein erhaltener baulicher Überrest als "Fuchsturm" zu den „sieben Wundern“ Jenas.

1145

15. August: Die Nennung eines Folmarus de Gene ("Volmar von Jena") als Zeuge in einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs stellt eine zweite Erwähnung Jenas dar.

1149

30. November: Das Adelsgeschlecht der Burggrafen von Kirchberg wird als Verwalter des Reichsbesitzes auf Kirchberg erstmals genannt.

um 1150

Der Bau der in ihren ältesten Teilen romanischen Johanniskirche beginnt (in der späteren Vorstadt Leutra).

1156

Das 1257 erloschene Adelsgeschlecht der Greif(en)berger ist erstmals genannt. Eine Burg auf dem Hausberg an dessen westlicher Spitze bildet den Mittelpunkt ihres Herrschaftsbezirks.

Der Ort Lobeda wird erstmals erwähnt (unsicher).

1158

1. Januar: In einer Urkunde Friedrich Barbarossas tauchen der Jenzig ("montem genzege") und der Gleissberg ("montem Glizberch") auf.

1166

Die urkundliche Erwähnung der Brüder Hartmann und Otto von Lobdeburg (Lofdeburch) weist auf das Bestehen der Lobdeburg als neuem Stammsitz des aus Franken an die mittlere Saale gekommenen Adelsgeschlechts (der „Lobdeburger“) hin. (Möglich ist auch eine frühere Nennung um 1150). Das Geschlecht prägt die Geschichte Jenas in den folgenden rund 150 Jahren maßgeblich.

zwischen 1175 und 1200

Fünf in Jena durch die Herren von Lobdeburg geprägte Brakteaten sind überliefert, damit sind die Lobdeburger als Herren über Jena ausgewiesen. 

1182

16. September: Zwätzen (erste Ortsnennung) wird als zwischen Dornburg und Jena gelegener Ort genannt. Die Verwendung Jenas als Bezugsort deutet auf eine herausgehobene Stellung gegenüber anderen Siedlungen hin. Die Urkunde enthält den ersten sicheren Beleg auf den bei Jena betriebenen Weinanbau.

1185

Markgraf Otto von Meißen verleiht dem Kloster Altzelle u.a. den Zehnten von einem Weinberg am Jenzig.

um 1200

Nach einem Gründungsplan erfolgt eine (Neu-)Bebauung des Siedlungsgebietes von Jena. Es entsteht ein – innerstädtisch heute noch zum Teil nachvollziehbares – regelmäßiges System von Längs- und Quergassen. Treibende und organisierende Kraft sind die Herren von Lobdeburg. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts wird die entstehende Stadt zwischen verschiedenen Teillinien der Lobdeburger aufgeteilt, zuletzt (1290) nach den vier Stadtvierteln.

13. Jahrhundert

nach 1200

Der zweite romanische Vorgängerbau von St. Michael entsteht, seine Fertigstellung ist auf das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts zu datieren.

1216

Angehörige einer sich nach dem Dorf Wöllnitz nennenden Adelsfamilie werden erwähnt.

1218

Das Dorf Löbstedt wird erstmals urkundlich genannt.

1223

29. September: Das Dorf Lichtenhain findet seine erste sichere Erwähnung.

zwischen 1225 und 1240

In einer nicht datierten, durch spätere Abschrift überlieferten Urkunde ist von "cives" (Bürgern) Jenas die Rede, was die Erhebung zur Stadt belegt.

1227

Die Ersterwähnung von Kunitz liegt vor.

1228

28. November: Die Peterskirche in Lobeda wird als Pfarrkirche mit eigenem Pfarrbezirk genannt. Ihr sind Kapellen in Ammerbach (erste Nennung des Ortes), Jägersdorf, Schlöben und (Schön-)Gleina sowie auf Kirchberg als Filialen zugeordnet.

1235

Zwätzen ist als Sitz des Landkomturs des Deutschen Ordens der Ballei Thüringen und Sachsen ausgewiesen.

um 1237

Die Holzskulptur des Hl. Michael, des Kirchen- und Stadtpatrons von Jena, wird von einem Schnitzer der Bamberger Dombau-Werkstatt gefertigt.

1252

20. März: Die Nennung eines in Jena tätigen Vikars (Hilfsgeistlichen) ist Beleg für das Bestehen einer Jenaer Pfarrei.

1254

15. Juli: Ein städtischer Schulmeister ist urkundlich bezeugt. Die Schule befindet sich im Untergeschoss des West-Turmes der Stadtkirche. Sie wechselt in der Folgezeit ihren Standort mehrfach.

1255

13. Mai: Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Münchenroda liegt vor.

1257

1. Juni: Wenigenjena („parvo geine“) wird erstmals in einer Urkunde genannt.

31. Oktober: Die erste sichere Erwähnung von Burgau (an der Saale) liegt vor.

1259

14. Juli: Das Dorf Maua taucht erstmals urkundlich auf.

24. Juli: Ziegenhain wird erstmals in einer Urkunde genannt.

24. Juli: Mit Albus und Martinus Pistor (Bäcker) werden zum ersten Male Jenaer Handwerker namentlich erwähnt.

vor 1274

Das Amt des Münzmeisters wird durch die Lobdeburger Stadtherren an einen Vertreter der Jenaer Bürgerschaft übertragen.

1275

24. September: Ein erster Hinweis auf das Vorhandensein eines Stadtrats, bestehend aus acht "consules Genenses", liegt vor.

1278

Ein urkundlich belegter Rechtsakt legt nahe, dass im Herrschaftsbereich der Lodeburger fränkisches Recht herrscht.

1279

Die Burg "Wind(t)berg" findet als Sitz der Burggrafen von Kirchberg urkundliche Erwähnung. Mit dieser, wahrscheinlich kurz nach 1200 entstandenen Burg, den beiden Burgen Kirchberg sowie Burg Greifberg trägt der Hausberg im 13. Jahrhundert vier Burgen.

1280

29. September: Das Dorf Drackendorf wird erstmals urkundlich erwähnt.

1282

31. Dezember: Zum ersten Mal wird ein Jenaer Pfarrer (Ridgerus = Rüdiger) namentlich genannt.

1284

25. Juli: Lobeda erscheint zum ersten Male urkundlich als Stadt ("civitas").

1286

Die Gründung des Dominikaner-Klosters – Standort an der Nordwestecke der Stadt – erfolgt.

1288

Das älteste überlieferte Exemplar des Stadtsiegels hängt an einer Urkunde aus diesem Jahr.

1298

Die Papiermühle am Eingang des Mühltales wird erwähnt (als "Nasenmühle").

zwischen 1290 und 1300

Die Wettiner erwerben durch Heirat ein Viertel Jenas aus den Händen der lobdeburgischen Linie Arnshaugk.

14. Jahrhundert

nach 1300

Die bisherige Stadtbefestigung, bestehend aus palisadengekrönten Wällen und Gräben, wird durch eine durchgängige, 3 bis 4 Meter hohe Steinmauer ersetzt.

1301

Der Gründungsprozess des Zisterzienserinnen-Klosters ist abgeschlossen. Die Jenaer Pfarrei und die Kirche St. Michael – die damit eine Doppelfunktion als Stadt- und Klosterkirche erfüllt – werden durch die Lobdeburger Stadtherren dem Kloster übertragen.

1304

Die Burgen der Kirchberger Burggrafen auf dem Hausberg werden durch ein landgräfliches Landfriedensaufgebot (unter der Beteiligung eines Jenaer Aufgebotes) erstürmt und zerstört. Die Kirchberger büßen in der Folgezeit ihre Funktion als territoriale Macht ein.

Eine Bauinschrift gibt einen ersten Hinweis auf das Johannistor als steinernen Torbau. Bei seinem heutigen Erscheinungsbild handelt es sich um einen Neubau des 15. Jahrhunderts.

1305

Schloss Burgau – bis dahin Sitz einer Nebenlinie der Lobdeburger – ist als Besitz der Wettiner ausgewiesen.

1307

23. Mai: Der Johannisfriedhof wird als Begräbnisplatz außerhalb der Stadtmauer erstmals erwähnt. Ein weiterer Friedhof bei der Kirche St. Michael innerhalb der Stadtmauern wird bis zum 16. Jahrhundert genutzt.

21. Juni: Für Wenigenjena ist erstmals ein Pfarrer genannt.

1315

11. April: Das lobdeburgisch-elsterbergische Viertel von Jena fällt an die Wettiner.

16. August: Die urkundliche Erwähnung der Saalmühle belegt das Vorhandensein der „Lache“ als künstlich angelegtem Arm der Saale vor dem Saaltor. Ursprünglich Bestandteil der Stadtbefestigung, dient er nunmehr vor allem zum Betreiben von Mühlen.

1316

19. November: Die am Johannistor innerhalb der Stadt gelegene, später wegen ihres Standortes in der Jüdengasse als „Jüdenmühle“ bezeichnete Mühle wird erstmals erwähnt.

1317

Ein Stadtrat, dem zwei Ratsmeister (Bürgermeister) vorstehen, findet urkundliche Erwähnung.

1319

26. / 27. Mai: Stadtrat und Michaeliskloster einigen sich über die Errichtung des „Spitals zum heiligen Geist und zu allen Heiligen“ vor dem Johannistor.

1. Juni: Das Löbdertor, die Marktmühle sowie die Teufelslöcher bei Wöllnitz („foramen diaboli“) werden erstmals erwähnt.

1320

22. Juli: Eine erste urkundliche Nachricht über die Verwendung von Steinen beim Bau der Saalebrücke im Bereich der heutigen Camsdorfer Brücke liegt vor. Zu Bau und Unterhaltung der Brücke entsteht die Brückenhofsstiftung. Sie wird im Laufe der Zeit mit zahlreichen Grundstücken und Zinsen ausgestattet und erhält darüber hinaus Einkünfte aus dem Ratsdorf Jenalöbnitz sowie als Gerichtsherr in den Dörfern Ossmaritz und Vollradisroda. Die Verwaltung des Brückenhofs obliegt dem Brückenmeister unter Aufsicht des Stadtrates.

1321

7. September: Die Nennung von Güntherus Gewantsnyder in einer Urkunde weist auf das Tuchmachergewerbe in der Stadt hin.

1328

6. Januar: Leutra wird als vorstädtische Siedlung vor dem Johannistor erstmals sicher genannt. Der Ort (mit Johanniskirche und Johannisfriedhof) ist wahrscheinlich nicht identisch mit dem Ende des 9. Jahrhunderts im Hersfelder Zehntverzeichnis genannten „Liutdraha“.

28. März: Ein erster Hinweis auf das System der drei „rotierenden“ Räte ist dokumentiert. Danach agiert einer der drei Räte im dreijährigen Wechsel als amtierender („sitzender“) Rat, während die Mitglieder der beiden anderen Räte beratende Funktionen ausüben.

1331

6. Februar: Durch den Verkauf der zweiten Hälfte von Jena durch die Herren von Lobdeburg-Leuchtenburg fällt die ganze Stadt an die thüringischen Landgrafen aus dem Hause Wettin.

1332

24. April: Die Landgräfin Elisabeth, zu deren Witwengut die Stadt gehört, erteilt Jena das Stadtrecht von Gotha. Damit setzt sich für Jena sächsisches Recht endgültig durch. Das neue Stadtrecht enthält einen ersten Hinweis auf das städtische Braurecht.

1333

11. April: Eine Erwähnung der Bibliothek des Dominikanerklosters weist auf das Vorhandensein einer Klosterschule in Jena hin.

1337

Die Rasenmühle wird erstmals erwähnt. Damit ist auch die Existenz der von Saale und Mühlgraben umgebenen künstlichen Rasenmühleninsel belegt.

1338

25. Juli: Mit Heinrich Cerdo (= Lohgerber) ist das Gewerbe der Gerber erstmals für Jena urkundlich nachgewiesen.

1344

18. November: Zweifelbach ist als südliche, vor dem Löbdertor gelegene Vorstadt erstmals genannt.

1346

21. November: Nollendorf wird als nördliche Jenaer Vorstadt erstmals erwähnt.

1350

19. März: Landgräfin Elisabeth übergibt ihrem Enkel Friedrich dem Strengen die Herrschaft über Jena.

nach 1350

An der Außenmauer der Kirche St. Nicolai in Lichtenhain entsteht ein erzählender Bilderzyklus von 78 Bildern mit biblischen Themen. Die namentlich unbekannten Künstler sind durch Vorbilder aus dem südwestdeutschen Raum inspiriert.

1352

29. Januar: Jena bekommt für einen gewährten Kredit vom Landgrafen zeitweilig das Schultheißenamt, die Münze und den Zoll übertragen.

1353

6. Januar: Ein landgräflicher Erlass erteilt die Erlaubnis, die Stadt nach der Saale hin zu erweitern und zu befestigen. Es entsteht die "Vorstadt auf dem Sande" vor dem Saaltor (auch: "Hodelsdorf"). Das Spital wird vom Johannistor hierher verlegt und dem hl. Nikolaus geweiht. Das Spitalsvermögen wird mit der Brückenhofsstiftung verbunden und vom Brückenmeister mitverwaltet.

1354

22. Juli: Michaeliskloster und Stadtrat teilen die Opfergaben der zu erbauenden Nikolaus-Kapelle im Nikolaushospitals. Der entsprechende Vertrag erwähnt erstmals das Saaltor sowie drei in Jena abgehaltene Jahrmärkte.

1355

12. April: Der städtische Rat besteht aus zehn Ratsleuten und zwei Ratsmeistern (Bürgermeistern ). Diese Zusammensetzung des Rates bleibt bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Norm.

1358

Die kirchbergische Pflege Windberg (mit Wenigenjena/Camsdorf, Ziegenhain, Jenaprießnitz, Wogau) sowie die Lobdeburg und die Stadt Lobeda fallen an die Wettiner.

1364

1. März: An einem Vertrag zwischen dem Michaeliskloster und dem Stadtrat, der die Beteiligung des Stadtrates bei der Besetzung der Schulmeisterstelle festschreibt, ist erstmals die in Innungen organisierte Handwerkerschaft vertragsschließend beteiligt.

1365

8. Februar: Die Landgrafen verpfänden dem Stadtrat Zoll und Stadtgericht mit Ausnahme des Gerichts über Hals und Hand. Der Stadtrat erhält bei der Besetzung des Richteramtes, die bisher allein dem Landesherrn oblag, ein Mitspracherecht. In der Folge wird der Richter stets aus den Reihen des Stadtrates bestimmt.

1367

1. Januar: Die dem Landesherrn als städtische Abgabe seit 1332 zu entrichtende Jahrrente ist von 100 Mark auf 120 Mark erhöht worden.

1368

12. Juni: Ein Rathaus – ein Vorgängerbau des kurze Zeit später erbauten gotischen Rathauses – findet erstmals Erwähnung.

1377

10. März: Die Verkaufsstände der Fleischer (Fleischbänke) im Erdgeschoss des Rathauses werden erstmals erwähnt.

1378

11. Juni: Das Michaeliskloster erteilt die Erlaubnis zur Errichtung eines Altars mit einer ewigen Messe im Rathaus.

1379

24. April: Juden sind als Einwohner Jenas sicher bezeugt.

um 1380

Der Neubau der gotischen Jenaer Stadtkirche – in ihrem heutigen Erscheinungsbild – beginnt.

Die Dominikaner legen ein Totenbuch an, in dem Personen mit Todesdatum (und teilweise mit zusätzlichen Informationen) verzeichnet sind, die mit dem Kloster in Verbindung standen. Es ist bis zu Aufhebung der Klosters 1525 geführt.

1380

30. Januar: Die Funktion des Stadtschreibers wird erstmals erwähnt.

1383

Ein quellenmäßig erstmals fassbarer „districtus Burgow“ bildet den Ausgangspunkt für die Herausbildung eines Amtes Burgau und damit für die Etablierung der Amtsverwaltung im Gebiet um Jena.

zwischen 1385 und 1390

Entstehungszeit der so genannten Jenaer Pietà, eines Vesperbildes im Schönen Stil aus Prag (heute im Stadtmuseum).

1391

30. November: Ein Backhaus bei der Stadtkirche St. Michael ist urkundlich nachgewiesen.

1393

Die Nonnen des Michaelisklosters verfügen über ein eigenes Brauhaus.

Die Saaleflößerei bei Jena findet urkundliche Erwähnung.

1395

17. Mai: Die Handwerksmeister erhalten ein Kontrollrecht über die Rechnungslegungen der städtischen Beamten.

1399

März-Mai: Überregionaler Handel mit Jenaer Wein ist bezeugt. Weinanbau und -handel sowie damit verbundene Handwerks- und Dienstleistungszweige bilden den Haupterwerb der Jenaer Bevölkerung.

15. Jahrhundert

zwischen 1404 und 1409

Nach längeren Auseinandersetzungen zwischen dem städtischen Patriziat einerseits und den Handwerker-Innungen und Vorstädtern anderseits erhalten letztere größere Mitspracherechte im Rat. Die Handwerker können künftig einige städtische Ämter aus ihren Reihen besetzen. Das Bestehen von 14 Innungen/Zünften ist nachweisbar.

1406

An der Saale sind zwischen Rasenmühle und Kunitz vier Fischwasser belegt, die vom Amt an Institutionen und Privatpersonen verpachtet sind. Der Fischreichtum der Saale bildet eine wichtige Erwerbsquelle.

Ein „keulichter (von „Keule“) Turm“ findet Erwähnung (Eckturm an der nordöstlichen Ecke der Stadtbefestigung). Er dient ab 1514 zur Lagerung von Schießpulver („Pulverturm“).

5. Juni: Die Landesherren verleihen der Stadt das "Geschossprivileg". Alle bisher den Landesherren zustehenden Lehngelder gehen an die Stadt über, die damit weitgehende Finanzhoheit erlangt. Das "Geschossbuch" wird angelegt, das eine erste Schätzung der Einwohnerzahl ermöglicht (etwa 2.600).

1407

Erste städtische (nicht überlieferte) Satzungen werden für Lobeda bestätigt.

1408

7. Dezember: Michaeliskloster und Stadtrat einigen sich über den Bau der Hl. Kreuzkapelle vor dem Löbdertor.

1409

Das Marktmeisteramt findet erstmals Erwähnung.

1413

Der Bau des Rathauses in seiner heutigen gotischen Form wird abgeschlossen. Als Hauptbauzeit des Gebäudes sind die Jahre zwischen 1377 und 1380 anzusetzen. Es besaß einen Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert, der in einzelnen Bauteilen in den Neubau verbaut wurde.

1414

29. Mai: Die Thüringer Landgrafen stellen dem Karmeliterorden ein Grundstück vor dem Löbdertor zum Bau eines Klosters zur Verfügung.

1416

29. März: Das Jakobsspital (Siechenhaus) für so genannte Sondersiechen, schwer oder unheilbar Kranken, von denen eine Infektionsgefahr ausgeht, in der Nordvorstadt Nollendorf wird erwähnt.

1418

Der Gründungsprozess des neuen Klosters der Karmeliten ist abgeschlossen. Damit gibt es drei Klöster in der Stadt: die Mönchsklöster der Dominikaner und Karmeliten sowie das Zisterziensernonnenkloster.

1419

12. März: Der Zusammenschluss einer Gruppe von Personen, die sich für einen Steuernachlass zur Löschung von Bränden verpflichten, kann als erste „freiwillige Feuerwehr“ in Jena gelten.

21. April: Die Existenz eines „Frauenhauses“ (Bordells) vor dem Saaltor ist sicher belegt, die „Frauengasse“ erscheint bereits im Geschoßbuch von 1406.

1424

Der Chor der Marienkirche in Ziegenhain als Wallfahrtsort für ein wundertätiges Marienbild wird geweiht.

1429

20. Juni: Die Landesherren verkaufen der Stadt die Ober- und Niedergerichte und den Zoll zu Jena.

1430

1. April: Ein Haus in der Jenergasse erscheint urkundlich als „alde schule“.

1430/31

Aus Furcht vor Hussiten-Angriffen wird die Stadtbefestigung umfangreich instandgesetzt und erweitert bzw. teilweise neugebaut (Errichtung von Eckbastionen, Ausbau der Grabenwerke, Neuerrichtung von Tortürmen mit vorgelagerten Außenwerken).

1431

19. Juni: Die urkundliche Erwähnung einer Synagoge in der Leutragase stellt die letzte sichere Nachricht über eine jüdische Gemeinde in Jena dar.

1442

Ein erster Bauabschnitt beim Bau der neuen gotischen Jenaer Stadtkirche ist abgeschlossen. Fertiggestellt sind unter anderem Chor mit öffentlichem Durchgang unter diesem sowie das Brautportal.

1446

20. Juni: In Jena findet die Hochzeit Landgraf Wilhelm III. von Thüringen mit Anna von Österreich, der ältesten Tochter König Albrechts II., statt.

Der bis Anfang 1451 andauernde "Sächsische Bruderkrieg" beginnt, der auch im Gebiet um Jena zu schweren Verwüstungen führt.

1448

14. Mai: Der Rat zu Jena erhält das Recht, Pfennige mit dem Zeichen zweier Weintrauben schlagen zu lassen.

1450

August: Die Stadt Lobeda wird im Sächsischen Bruderkrieg nach 1446 ein zweites Mal fast völlig zerstört. Auch Schloss und Dorf Burgau und die Lobdeburg fallen der Zerstörung anheim.

1452

5.-9. September: Der berühmte franziskanische Bußprediger Johannes Capistran weilt in Jena und predigt vor einer großen Menschenmenge.

1457

16. Mai: Ein zweiter Wochenmarkt in Jena wird erwähnt.

1462

Ein Jenaer Scharfrichter findet erstmals sicher urkundliche Erwähnung. Einen Verweis auf eine Hochgerichtsstätte („Galgenberg“) enthält bereits das Geschoßbuch von 1406.

1464

In Lutzendorf wird die Wallfahrtskirche "Zu den 14 Nothelfern" geweiht. Der Name des Dorfes ändert sich bis spätestens 1482 in Vierzehnheiligen .

nach 1470

Beginn des Baus einer zweiten, einige Meter vor der älteren Anlage errichteten Stadtmauer von ca. 2 Meter Dicke und 4 bis 6 Meter Höhe, die vor allem auf die Verwendung von Handfeuerwaffen ausgerichtet ist.

1471

Der Bau des Jenaer Stadtschlosses als Nebenresidenz der wettinischen Stadtherren wird begonnen (nach einer nicht mehr vorhandenen Bauinschrift).

1474

Das Baugeschehen an der Stadtkirche St. Michael wird unter der Leitung des Steinmetzen, Bildhauers und Werkmeisters Peter Heierliß (bis zu seinem Tode 1507) wieder aufgenommen.

Die Amtsmühle in Burgau ist fertiggestellt. Auf ihr liegt bis 1628 der Mahlzwang für die Bauern der zum Amt Burgau gehörenden Orte.

zwischen 1477 und 1480

Friedrich von Lunderstedt lässt in Lobeda eine spätgotische Schlossanlage – als „Altes Schloss“ oder „Haus Lobeda“ bezeichnet – als Mittelpunkt einer Gutsherrschaft errichten.

nach 1477

Die Ämter Jena und Burgau werden zu einem rund 50 Dörfer umfassenden Doppelamt zusammengefasst und von einem Amtmann gemeinsam verwaltet. Er wird in seiner Amtstätigkeit von einem Amtsschösser (Steuereinnehmer) unterstützt.

1478

31. August: Erstmals werden „Brotbänke“ zum Anbieten von Backwaren in den Rathausarkaden erwähnt.

1480

6. Juni: Die Übertragung der Gerichtsbarkeit innerhalb ihres Weichbildes an die Stadt führt zu einer ersten exakten Weichbild-Beschreibung. Dabei wird eine "neue Brücke aus Steinen" über die Saale erwähnt (heutige „Camsdorfer Brücke“).

1482

Der Ratsherr Nikolaus Theuerkauf stiftet die St. Jakobskapelle vor der Zwätzener Pforte beim „Siechenhaus“.

1484

Eine von Peter Heierliß geschaffene Doppelstationstafel trägt die Jahreszahl 1484 (ursprünglicher Standort: vor der Johanniskirche; heutiger Standort: Johannisfriedhof, vor der Friedenskirche).

1486

16. Mai: Für den neuen Turm von St. Michael wird der Grundstein gelegt.

1488

1. November: Eine landesherrliche Anordnung („Stadtordnung“) bestätigt die Beteiligung von Vertretern der Gemeinde, der Handwerkerzünfte und der Vorstädter an der städtischen Verwaltung, insbesondere in Rechnungssachen

1490

Jena hat etwa 3.800 Einwohner.

1491

2. November: Der Baubeginn für die steinerne Saalebrücke zwischen Burgau und Lobeda ist belegt.

1492

10. Dezember: Eine landesherrliche Erlaubnis für einen vierten Jahrmarkt an Aegidi (1. September) für den Handel mit Pferden und Vieh ergeht.

1498

Ein erster Hinweis auf die Existenz des Gasthauses „Zum Bären“ liegt vor.

1499

Eine Rechnung belegt die Existenz des Gasthauses „Zur Sonne(n) (auch „Zur goldenen [güldenen] Sonne“) in dem in seinen ältesten Teilen aus dem 13. Jahrhundert stammenden Gebäude am Markt.

 

16. Jahrhundert

1504

19. Dezember: Konrad Stein aus Jena, Domherr zu Erfurt, stiftet die Maria-Magdalenen-Kapelle vor der Tonnenmühle in der Nähe des Hospitals zur Beherbergung von Pilgern.

1506

Mit Abschluss der Wölbarbeiten am Langhaus sind die Bauarbeiten an der Stadtkirche St. Michael mit Ausnahme des Turmbaues im Wesentlichen beendet.

1509

30. Juli: Der Gasthof "vor dem Lobderthore", Vorgänger des "Roten Hirsches" („Zum Roten Hirsch“), wird erwähnt.

1511

Die Ordnung des Michaeliskloster nennt in der Kirche St. Michael insgesamt 16 Altäre.

1518

Ein auswärtiger Mönch repariert die Orgel in der Stadtkirche.

1521

15. Juni: Thomas Müntzer schreibt an den Jenaer Stadtrichter und Ratsmeister Michael Ganßau, was auf eine Beeinflussung der frühen Reformationsbewegung in Jena durch Müntzer hindeutet.

24./25. Dezember: Martin Reinhart, Prediger an der Stadtkirche, reicht zu Weihnachten drei Bürgern das Abendmahl in beiderlei Gestalt, was als erster Hinweis auf die in Gang gekommene Reformation zu werten ist.

1522

4./5. März: Martin Luther übernachtet als Junker Jörg auf seiner Reise von der Wartburg nach Wittenberg im Gasthof zum "Schwarzen Bären".

August: Reinhart dringt mit seinen Anhängern in das Dominikanerkloster ein. Weitere gewalttätige Aktionen gegen die Jenaer Klöster folgen.

1523

Die Reformation in Jena wird durch die von dem als Pfarrer in Orlamünde tätigen Andreas Karlstadt vertretene radikale Richtung geprägt, vor allem durch seinen Schüler Reinhart. Der 1523/24 in Jena wirkende Michael Buchführer druckt unter Umgehung der Zensur Schriften Karlstadts und seiner Anhänger.

1524

20. August: Der Rat beschlagnahmt den Besitz der Karmelitermönche und lässt diesen aufs Rathaus überführen.

22. August: Luther predigt in St. Michael gegen Karlstadt und seine Anhänger und disputiert anschließend mit Karlstadt im "Schwarzen Bären".

September/Oktober: Karlstadt und Reinhart werden des Landes verwiesen. Als neuberufener Prediger in Jena führt Anton Musa die Reformation in Lutherischem Sinne weiter.

1525

30. April: Aufständische Bauern und Städtebewohner plündern die Gutsherrschaften bei Drackendorf und Lobeda.

3. Mai: In Jena wird das Kloster der Karmeliten, wenige Tage später das der Dominikaner, gestürmt, ausgeraubt und teilweise zerstört. Beide Klöster bleiben nach Beendigung des Aufstandes geschlossen. Das von den Aufständischen verschonte Zisterzienserinnen-Kloster dient wenigen verbliebenen Nonnen bis zum Tod der letzten von ihnen 1564 als Refugium, darf aber keine neuen Nonnen mehr aufnehmen.

22. Juni: Beim Strafzug des Kurfürsten Johann gegen die aufständischen Bauern sollen auf dem Jenaer Markt zwanzig Aufrührer aus Jena und Umgebung durch das Schwert hingerichtet worden sein.

Dezember: Stadtrat und Michaeliskloster schließen eine Vereinbarung ab, nach der Pfarrbestellung und die äußere Organisation der Seelsorge zur Sache der Stadt werden.

1526

Der Aufbau eines "Gemeinen Kastens" zur Besoldung der Geistlichen und zur allgemeinen Finanzierung des neuen Kirchen- und Schulwesens sowie der Armenfürsorge nimmt seinen Anfang. In der Folgezeit werden ihm Teile der bisherigen Klostereinkünfte bzw. von veräußertem Klosterbesitz zugeschlagen.

1527

Durch die vom Landesherrn angeordneten Visitationen des Kirchenwesens wird die Reformation auch in den Dörfern um Jena endgültig durchgesetzt.

17. August: Anton Musa wird offiziell zum Jenaer Stadtpfarrer bestellt, er hat das Amt bis 1536 inne. Gleichzeitig bekommt er die Funktion des Superintendenten für Jena, Bürgel und Eisenberg übertragen.

ab 1529

Das Schulwesen wird neu organisiert und das Schulhaus im ehemaligen Nonnenhaus hinter der Stadtkirche eingerichtet. Eine Mädchenschule, in der elementare Kenntnisse im Schreiben, in Religion und „weiblichen Handwerksarbeiten“ vermittelt werden, ist erstmals nachzuweisen.

1534

Der Bau des "Fürstenkeller" beginnt. Der entstehende riesige Gewölbekeller dient zunächst der Lagerung des der Landesherrschaft als Abgabe zustehenden Weines.

24. Mai: Auf der Landfeste findet das erste öffentliche Vogelschießen statt.

1535

25. Juli: Wegen der in Wittenberg wütenden Pest zieht die Wittenberger Universität für ein dreiviertel Jahr nach Jena um und nimmt im leerstehenden ehemaligen Dominikanerkloster Quartier.

1536

26. Januar: Drei Wiedertäufer aus der Gegend um Orlamünde werden auf der Landfeste hingerichtet.

Mai: Zur Sicherung  der städtischen Privilegien beim Bierbrauen und -ausschank werden im Dorfe Löbstedt Fässer mit widerrechtlich gebrautem Bier zerschlagen ("Bierkriege").

1540

Kurfürst Johann Friedrich erlässt eine neue Stadtordnung, die neben allgemeinen Bestimmungen zum Stadtregiment zahlreiche Verordnungen zivil-, polizei- und strafrechtlicher Natur enthält.

1542

Nach dem Türkensteuerregister hat Jena etwa 4.300 Einwohner.

1546

17. Dezember: Im Schmalkaldischen Krieg huldigt Jena aus Angst vor Angriffen dem albertinischen Herzog Moritz, einem der Gegner Kurfürsts Johann Friedrich.

1547

19. Mai: Aufgrund der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg verliert Johann Friedrich in der „Wittenberger Kapitulation“ die Kurwürde und etwa zwei Drittel seines Territoriums, einschließlich der Universitätsstadt Wittenberg.

24. Juni: Auf dem Weg in die kaiserliche Gefangenschaft trifft Johann Friedrich bei Jena seinen ältesten Sohn, um die nächsten Schritte zur Sicherung der ernestinischen Herrschaft abzusprechen. Dazu gehört die Gründung einer neuen Universität für das verlorene Wittenberg.

10. Juli: Philipp Melanchthon verfasst im Auftrag der ernestinischen Landesherrschaft ein Gutachten für die Gründung einer neuen Landesuniversität. Er spricht sich für Jena als Standort aus.

um 1548

Der Burgkeller, ein städtisches Repräsentationsgebäude im Renaissancestil am östlichen Ende der Johannisstraße unmittelbar neben der Stadtkirche St. Michael, wird fertiggestellt. Das mitunter auch als „Ratskeller“ bezeichnete Gasthaus avanciert nach 1815 zu einem bevorzugten Kommershaus der Burschenschaft(en) und wird 1945 zerstört.

1548

19. März: In Jena wird im Gebäudekomplex des ehemaligen Dominikanerklosters ein „Akademisches Gymnasium“ als Vorstufe einer neuen Universität eröffnet. Erster Rektor wird der Rhetoriker und Poet Johann Stigel. Neben diesem lehrt der Theologe und Philosoph Victorin Strigel, wie Stigel Schüler Melanchthons, an der neuen Bildungseinrichtung.

19. Juni: Für das Akademische Gymnasium in Jena werden erste Statuten erlassen.

1549

September: Nach einer Zwischenlagerung in Weimar wird der größte Teil der Privatbibliothek der Ernestiner  unter der Leitung des Bibliothekars Anton Heuglin nach Jena verbracht und bildet als "Bibliotheca electoralis" den Grundstein der Universitätsbibliothek. Zu ihren wertvollsten Titeln gehört die „Jenaer Liederhandschrift“, eine Sammlung mittelhochdeutscher Sangspruchdichtung, entstanden im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts im nördlichen Mittel- oder in Norddeutschland.

1552

24. September: Der aus kaiserlicher Gefangenschaft entlassene ehemalige Kurfürst Johann Friedrich lässt sich in Jena huldigen. Die ernestinische Geschichtsschreibung verlegt den Ort des Zusammentreffens Johann Friedrichs mit den Vertretern der Jenaer Bürgerschaft sehr bald an die Quelle des Pennickenbaches („Fürstenbrunnen“) und kreiert so für Jahrhunderte einen dynastie- und reformationsgeschichtlichen Erinnerungsort.

1553

30. November: Nachdem die Ernestiner beschlossen haben, in Jena unter der Leitung des Luther-Vertrauten Georg Rörer in Konkurrenz zur Wittenberger Ausgabe die Werke des Reformators drucken zu lassen, wird im ehemaligen Karmeliten-Kloster eine Druckerei eingerichtet und Christian Rödinger das Druckerprivileg erteilt.

1554

22. Juli: Für ein städtisches Schlachthaus der Jenaer Fleischerinnung am Löbdergraben wird der Grundstein gelegt.

16. August: Ein landesherrliches Privileg zum Betreiben der Stadtapotheke ergeht.

Herbst: Die Berufung von Basilius Monner (Rechtswissenschaften) und Johann Schröter (Medizin) legt den Grundstein für eine juristische und eine medizinische Fakultät an Jenas Hoher Schule.

1555

Der erste Band der Jenaer Lutherausgabe erscheint, bis 1558 liegen acht deutsche und vier lateinische Bände vor.

1556

27. August: Mit dem Aufsetzen des Turmknopfes findet der Bau des Turmes der Stadtkirche St. Michael seinen weitgehenden Abschluss.

1557

Der Drucker der Jenaer Luther-Ausgabe, Christian Rödinger, bringt mit dem „Magnifikat octo tonorum“ Johann Walters den ersten Notendruck in Jena heraus. Die Stadt bildet bis Ende des 17. Jahrhunderts einen der Hauptstandorte des Notendrucks im deutschsprachigen Raum.

27. April: Die Berufung des wegen seiner rüden Angriffe auf seine Gegner berüchtigten Matthias Flacius Illyricus zum Professor für Theologie an Jenas Hoher Schule festigt deren Ruf als Stätte des „strengen (reinen) Luthertums“.

15. (31.) August: Kaiser Ferdinand I. unterzeichnet die Privilegien für die Universität Jena.

1558

2. Februar: Die Jenaer Universität wird im Beisein der ernestinischen Herzöge mit einem feierlichen Akt eröffnet. Erster Rektor wird der Mediziner Johann Schröter.

Schröter richtet in seinem Wohnhaus in der Löbdergasse („Schroetersburg“) eine zweite Apotheke ein.

1561

Die Universität erwirbt das "Rosenhainsche Anwesen" in der Johannisgasse. Es entsteht der "Rosen-Komplex" zwischen Johannisgasse und Fürstengraben als zweiter universitärer Standort neben dem zum „Collegium Jenense“ umgewidmeten ehemaligen Dominikanerkloster.

Philipp von Herden, einer der vermögendsten Bürger Jenas, ist als Wirt des Gasthauses "Zur Sonne" am Markt belegt.

10. Dezember: Mit der Amtsenthebung von Matthias Flacius und seiner Anhänger und ihrer anschließenden Landesverweisung enden heftigste theologische Auseinandersetzungen an der Universität. Diese hatten 1559/60 mit der zeitweiligen Inhaftierung Victorin Strigels, des Hauptgegners Flacius‘, ihren Höhepunkt erreicht.

1564

Die Kapelle des Nikolai-Spitals wird als Studentenspital eingerichtet (1784 abgerissen).

14. April: Stadt und Universität vergleichen sich wegen des Geschosses. Danach sind nur die Häuser der Professoren steuerfrei, die sie selbst bewohnen. Insgesamt bleiben die meisten Privilegien der Akademischen Bürger unangetastet.

1565

Eine Musiziergemeinschaft von Bürgern und Studenten, die "Societas musicalis", ab 1595 unter der Bezeichnung „Collegium musicum", entsteht.

1566

1. September: Das Hofgericht als oberstes Gericht der Ernestiner bezieht seinen neuen Sitz in Jena und tritt hier erstmals zusammen. Daneben existiert der „Jenaer Schöppenstuhl“ als juristisches Gutachtergremium, der sich aus Angehörigen der Juristischen Fakultät der Universität rekrutiert. Das Privileg der gutachterlichen Spruchtätigkeit ihrer Juristischen Fakultät war der Universität in der kaiserlichen Stiftungsurkunde von 1558 verliehen worden.

1569

7. März: Das ernestinische Konsistorium als geistliche Oberbehörde des Landes wird nach Jena verlegt und hat hier ihren Sitz bis 1612.

1570

21. Mai: Es ergeht ein landesherrliches Privileg für das Universitätsschankhaus "Zur Rosen" zum steuerfreien Ausschank von Wein und Bier ("Rosenprivileg") an Universitätsangehörige.

1571

Die 1548/49 wahrscheinlich nach einem Entwurf Lukas Cranach d. Ä. gegossene Bronzegrabplatte für Martin Luther wird in der Stadtkirche St. Michael aufgestellt.

Eine erste Stadtansicht Jenas, ein Kupferstich Johann Mellingers (seit 1569 Rektor der Lateinschule in Jena), wird publiziert.

1586

Es erfolgt die Einrichtung eines Botanischen Gartens im Collegium Jenense zur Unterweisung der Medizinstudenten (zweitältester wissenschaftlicher Botanischer Garten Deutschlands).

1587

Herbst: Mit der Berufung Wolfgang Heiders zum Professor Dialektik und Ethik (später für Moral und Politik) entwickelt sich die Philosophie an der Jenaer Universität zu einer eigenständigen Wissenschaftsdisziplin.

1590

27. August: Eine Innungsordnung der Bäcker ist überliefert, die an die Stelle nicht überlieferter Bestimmungen vom Beginn des 15. bzw. 16 Jahrhunderts tritt. Sie verzeichnet 23 Backhäuser in Jena.

1594

Die 1525 verwüstete Kirche des Dominikanerklosters ist als Collegienkirche (Universitätskirche) wiederhergestellt.

Der aus Lobeda stammende Bildhauer und Baumeister Nikolaus Theiner (d. Ä.) gestaltet das Renaissance-Grabmal für Andreas und Katharina Schrot auf dem Johannisfriedhof.

1596

Das "Haus im Sack" entsteht als Wohn- und Handwerkshaus eines Gerbers in der Oberlauengasse.

 

17. Jahrhundert

1606

In der Unterlauengasse wird das „Platanenhaus“ das Wohn- und Handwerkerhaus eines Gerbers erbaut.

1610

23. Dezember: Erstmals ergeht an der Universität ein Mandat gegen den so genannten Pennalismus. Die mit demütigenden Prozeduren durchgesetzte Unterordnung der Studienanfänger gegenüber den älteren Studentenjahrgängen bzw. der Kampf der universitären und staatlichen Obrigkeiten dagegen stellt ein prägendes Merkmal der Universitätsgeschichte im 17. Jahrhundert dar.

1613

29./30. Mai: Die „Thüringer Sintflut“, ein überaus ortsfestes, von Starkregen begleitetes Gewitter, richtet in Jena und Umgebung schwere Schäden an.

1616

 Johann Gerhard, einer der bedeutendsten Vertreter der lutherischen Orthodoxie, wird Professor an der Theologischen Fakultät der Universität Jena und bestimmt deren Entwicklung bis zu seinem Tod 1637.

1619

Wilhelm Kreußler, Begründer einer weitverzweigten Fechtmeister-Dynastie, die das studentische Fechten in Deutschland bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts prägt, kommt als Fechtmeister nach Jena.

1620

2. März: Der Weimarer Herzog stellt sich offen an die Seite des zum böhmischen König gewählten pfälzischen Kurfürsten und stürzt damit sein Land in den beginnenden Dreißigjährigen Krieg.

1621

Kreuzerstücke aus einer in Burgau betriebenen Kippermünze der Weimarer Herzöge sind überliefert. 1623 werden die minderwertigen kupferhaltigen Münzen landesweit verrufen.

1623

Die "Großmannsche Sammlung", eine durch den Jenaer Amtsschösser Burckhard Großmann angeregte und finanziell geförderte Vertonung des 116. Bibel-Psalms durch 16 namhafte mitteldeutsche Komponisten, erscheint im Druck.

1625

Die Weimarer Herzöge verfügen die Ausbesserung der Stadtmauern und verlegen Soldaten nach Jena.

1626

Herbst: In Jena wütet die Pest.

1628

Der Reformpädagoge Wolfgang Ratke (Ratichius), der sich unter anderem für die Verwendung der deutschen Sprache im schulischen und universitären Unterricht einsetzt, hält sich bis 1631 mehrmals in Jena auf und wirbt für seine Reformvorschläge ohne größeren Anklang zu finden.

3. September: Der Jenaer Stadtrat beklagt sich bei der Landesregierung wegen der aufgrund der Kriegsereignisse extrem hohen Steuerlast sowie über die finanziellen Belastungen durch ständige Einquartierungen.

1629

Februar: Werner Rolfinck folgt einem Ruf an die Medizinische Fakultät der Jenaer Universität, wo er die Fächer Chirurgie, Anatomie, Botanik und (später) Iatrochemie vertritt. Bekannt wird er durch öffentliche Sektionen von Leichen Hingerichteter in dem von ihm eingerichteten Theatrum anatomicum (Anatomieturm). Unter seiner Leitung wird der Botanische Garten beim Anatomieturm wesentlich vergrößert.

1632

Oktober: Erstmals kommt es während des 30jährigen Krieges in Jena zu Einquartierungen einer größeren Anzahl von Soldaten.

1633

März: Die Übertragung von zwei weltlichen Lehngütern, der Gutsherrschaft Remda und des Rittergutes Apolda, an die Universität verbessert deren finanzielle Ausstattung wesentlich.

1636

ab August: Etwa 500 Pestopfer sind in Jena zu beklagen.

1637

3. Februar: Schwedische Einheiten fliehen vor kaiserlichen Truppen durch Jena. Zur Sicherung des Rückzuges brechen sie den letzten Bogen der Saale-Brücke nach Camsdorf ab, dabei finden 36 Menschen – vor allem für die Abbrucharbeiten herangezogene Zivilisten – den Tod.

5./6. Februar: Es kommt zur Generalplünderung durch kaiserliche Truppen. Die meisten städtischen und Privatgebäude werden beschädigt, die Ratsakten fast vollständig vernichtet.

24. Februar: Der bekannte Rechtsgelehrte und Reichspublizist Dominicus Arumaeus verstirbt an den ihm durch Soldaten zugefügten Misshandlungen.

1639

Die Chroniken berichten von schwerer Hungersnot („Viele sind auf denen Straßen und in Häusern vor Hunger gestorben.“)

März: Schwedische Truppen brandschatzen die Stadt.

1640

März/Dezember: Erneut kommt es zu Einquartierungen schwedischer und französischer Truppen, verbunden mit schweren Verwüstungen und Plünderungen in der Stadt und ihrer Umgebung.

1641

Die Zahl der Studenten hat mit etwa 250 einen Tiefststand erreicht.

1643

Januar: Johannes Musäus wird zum Professor für Geschichte und Poesie an der Universität berufen. Als Professor der Theologie (ab 1646) gehört er zu den Wegbereitern der Frühaufklärung in Jena.

17. September: Durch die Einführung einer Akzise steigen die Verbrauchssteuern auf Getränke und Getreide rapide an.

ab 1644

Die Belastungen durch Einquartierungen und Truppendurchzüge lassen nach, die Stadt beginnt sich langsam zu erholen.

1646

Dezember: Adam Struve wird zum Professor der Rechtswissenschaft in Jena berufen. Seine bis zu seinem Tode 1692 andauernde Lehr- und Forschungstätigkeit, die durch Tätigkeiten für die ernestinischen Höfe – so leitet er von 1680 bis 1690 die Vormundschaftsgeschäfte in Sachsen-Jena – unterbrochen wird, führt zum Anschluss der Jenaer Juristischen Fakultät an die moderne Rechtsentwicklung in Deutschland.

1650

Ein „Teutscher Schreib- und Rechenmeister“, der in einer der Ratsschule vorgeschalteten Klasse Schülern Elementarkenntnisse im deutschen Schreiben und im Rechnen vermittelt, ist erstmals belegt.

6. Februar: Ein herzogliches Patent gewährt allen, die ihre im Krieg zerstörten oder verlassenen Häuser und Höfe wieder in Besitz nehmen und wieder aufbauen einen Steuererlass.

19./20. August: Mit einem großen Friedensfest wird – nach Abzug der schwedischen Besatzung aus Erfurt – das Ende des Dreißigjährigen Krieges gefeiert.

1653

16. Juli: Erhard Weigel, neuberufener Professor für Mathematik an der Alma mater, hält seine Antrittsvorlesung. Weigel – der bis zu seinem Tode 1699 in Jena lehrt – leistet auch als Astronom, Philosoph und Didaktiker Bedeutendes. Als einer der populärsten akademischen Lehrer Deutschlands hat er entscheidenden Anteil an den in den folgenden Jahren rapide ansteigenden Studentenzahlen in Jena mit teilweise über 1.000 Studenten.

1655

13. Oktober: Die während des Dreißigjährigen Krieges mehrfach schwer beschädigte Saale-Brücke bei Camsdorf ist unter Leitung des Weimarer Landbaumeisters Johann Moritz Richter vollständig wieder aufgebaut. Die Saaleüberquerung war bis dahin nur über Holzprovisorien möglich.

1656

5. Januar: Johann Andreas Bose wird in Jena auf eine Professur berufen, die erstmals ausschließlich für Geschichte ausgewiesen ist.

1657

28. November: Der Papiermacher Joachim Heinrich Schmidt erhält als neuer Besitzer der "Nasenmühle" im Mühltal ein Privileg zum Betreiben einer Papiermühle.

1659

31. Januar: Der Um- und weitere Ausbau des Jenaer Schlosses wird auf Befehl des Weimarer Herzogs Wilhelm IV. in Angriff genommen. Er ist bis 1661 unter der Leitung von Erhard Weigel im Wesentlichen abgeschlossen.

1660

August: Aufgrund der Inhaftierung von drei Studenten wegen Übertretung von Mandaten gegen den Pennalismus kommt es zu Krawallen, die vier Tote fordern. Die Regierung in Weimar legt Militär nach Jena.

1662

17. Mai: Nach dem Tod des Weimarer Herzogs Wilhelm IV. teilen seine vier Söhne die Einkünfte des Landes und bestimmte Hoheitsrechte unter sich auf. Der jüngste Herzog, Bernhard (geb. 1638), bekommt unter anderem Schloss, Stadt und Amt Jena mit Burgau und Lobeda zugesprochen. Bernhard, verheiratet mit der aus einer angesehenen französischen calvinistischen Adelsfamilie stammenden Maria de la Trémouille, bezieht im Dezember das Jenaer Schloss und richtet einen eigenen Hofstaat ein.

1663

10. Juni: Der spätere Universalgelehrte und einer der wichtigsten Vordenker der Aufklärung, Gottfried Wilhelm Leibniz, trägt sich als 15-Jähriger in die Matrikel der Jenaer Universität ein, um hier im folgenden Herbstsemester zu studieren.

1664

Am Jenaer Hof entsteht eine Hofkapelle unter dem von Weimar nach Jena gekommenen Adam Drese als Hofkapellmeister.

1665

 

Johann Bielcke beginnt seine Tätigkeit als Verleger in Jena. Er und sein Sohn Johann Felix Bielcke begründen Jenas Ruhm als zweitwichtigsten deutschen Verlagsort nach Leipzig.

1666

3. Juli: Herzog Bernhard löst gegen den Willen des Stadtrats Gerichtsbarkeit und Geleit (seit 1480 in städtischem Besitz) ein. Die Gerichte werden bereits 1675 wieder zurückgegeben, da die Einnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben.

1668

Eine „Innung der Feuerknechte“, bestehend aus etwa 40 Personen, bildet sich zur Bekämpfung von Bränden.

1669

An der Stelle des 1642 endgültig abgebrochenen Karmeliten-Klosters – das durch den Stadtchronisten Adrian Beier in seinem 1672 erschienenen „Architectus Jenensis“ noch eingehend beschrieben wirderöffnet das Gasthaus zum "Engel" (auch „Zum goldenen (oder gelben) Engel“).

Bartholomäus Paulßen – Stammvater der später höchst angesehenen Kaufmannsfamilie Paulßen – ist erstmals als Hofmaler in Jena nachzuweisen.

An der Stadt- und Collegienkirche werden Behältnisse zur Lagerung von Feuerspritzen angebracht.

1670

Gegenüber dem Schloss (heute: Fürstengraben) entsteht das über eine Brücke über den Stadtgraben zu erreichende "Ballhaus".

In der Leutragasse wird das neue städtische Brauhaus fertiggestellt.

Die Erhöhung der Zahl der Wasserzuflussröhren in die Stadt und neue Laufbrunnen in der Löbdergasse bzw. Jenergasse verbessern die Trinkwasserversorgung.

Die Bauarbeiten für das "Weigelsche Haus" in der Johannisgasse werden abgeschlossen. Das von Weigel wahrscheinlich als technisches Museum zur Demonstration seiner Erfindungen konzipierte Haus gehört zu den "sieben Wundern" Jenas.

1672

25. Juli: Die Weimarer Herzöge teilen ihr Territorium unter sich auf. Jena wird Haupt- und Residenzstadt eines formal eigenständigen Herzogtums Sachsen-Jena unter Herzog Bernhard. Er richtet in Jena ein Konsistorium als geistliche Oberbehörde für sein Herzogtum ein, ansonsten verbleiben wichtige Hoheitsrechte bei Sachsen-Weimar.

1674

In der Stadtkirche wird der "Fürstenstuhl" für den Herzog und seine Familie eingerichtet.

20. April: Herzog Bernhard erteilt dem Verleger und Buchhändler Johann Ludwig Neuenhahn das Privileg zur Herausgabe der "Jenaischen Wöchentlichen Anzeigen", deren Nachfolgeblätter (zuletzt: "Jenaische Zeitung") bis 1945 erscheinen.

Herbst: Ein kurzer Aufenthalt des atheistischen Religionskritikers Matthias Knutzen in Jena ist nachgewiesen. Nach seinen eigenen Angaben soll die von ihm gegründete Sekte der Gewissener in der Stadt zahlreiche Anhänger gefunden haben.

1675

Juli: Der „Nationalismus“ – studentische landsmannschaftliche Verbindungen - tritt an der Jenaer Universität offen hervor und wird sogleich verboten (herzoglicher Verbotserlass vom 22. Juli).

1678

23. April: Der Archidiakon, Stadtchronist und -geschichtsschreiber Adrian Beier verstirbt (geb. 1600). Aus seiner Feder stammen die noch heute stadt- und universitätsgeschichtlich wichtigen Quellenwerke "Syllabus rectorum et professorum Jenensium", "Geographus Jenensis" und "Architectus Jenensis".

3. Mai: Herzog Bernhard von Sachsen-Jena verstirbt. Sein minderjähriger Sohn und Nachfolger Johann Wilhelm steht abwechselnd unter Vormundschaft der Herzogshäuser von Eisenach bzw. Weimar. Der Hof in Jena wird weitgehend aufgelöst.

1683

Caspar Sagittarius (jr.), Professor für Geschichte, lässt die "Rose" renovieren und "zur Zierde der Universität" den heute (in Kopie) noch vorhandenen steinernen Rosenstock als Gedenkzeichen anbringen.

1686

Der Advokat Matthias Bieler erhält ein herzogliches Privileg als „Gesamtpostmeister“ in Jena.

18. August: Es erfolgt die Grundsteinlegung für eine neue Friedhofskirche, die unter der Leitung des später an allen ernestinischen Höfen als Baumeister tätigen Johann Mützel entsteht.

1688

Erhard Weigel richtet in seinem Haus eine Versuchs- und Übungsschule ("Tugendschule") zur praktischen Erprobung der von ihm entwickelten pädagogischen Grundsätze ein.

1689

Eine Zählung ergibt die Anzahl von insgesamt 1.098 Studenten in der Stadt.

1690

Der aus der Bach-Familie stammende Johann Nikolaus Bach (gest. 1753) wird Organist in Jena. Er tritt auch als Komponist, Orchesterleiter und Instrumentenbauer hervor.

4. November: Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Jena verstirbt 15jährig an Kinderblattern. Mit ihm erlischt das Jenaer Herzoghaus im Mannesstamm.

1691

12. Juli: Die Häuser Sachsen-Eisenach und Sachsen-Weimar teilen die Erbmasse des heimgefallenen Herzogtums Sachsen-Jena. Danach fallen Stadt und Amt Jena an Eisenach.

1693

16. Februar: Die neue Begräbniskirche auf dem Johannisfriedhof wird als Johann-Georgs-Kirche geweiht (später Garnisonskirche bzw. Friedenskirche).

1697

7. Juni: Die neue Kirche beim Jakobsspital in der Nollendorfer Vorstadt wird geweiht (Spittelkirche oder Juliane-Christiane-Kirche; 1908 abgebrochen).

18. Jahrhundert

1701

Im Bambergischen Vorwerk am westlichen Ende der Mittel-(später Bach-)gasse eröffnet ein städtisches Waisenhaus.

1702

Der Weigel-Schüler Johann Philipp Treiber bringt einen ersten Notenstich (Kupferstich) heraus. Das bisherige Notendruckverfahren mit beweglichen Lettern, das die Blütezeit des Jenaer Notendrucks im 17. Jahrhundert geprägt hatte, verliert damit seine Bedeutung.

1705

Johann Franz Budde(us) wird als Professor für Theologie an die Jenaer Universität berufen. Der zwischen lutherischer Orthodoxie und der Reformbewegung des Pietismus sowie zwischen Theologie und Philosophie vermittelnde Budde wird ein wichtiger Wegbereiter der Aufklärung in Jena.

1713

Mit der Fertigung seines Meisterstücks legt Johann Christian Hering den Grundstein für das fast dreihundertjährige Wirken der Zinngießerdynastie Hering in Jena.

1714

Der Eisenacher Herzog geht mit Verboten gegen pietistische Aktivitäten in Jena vor, unter anderem gegen die Einrichtung von Schulen zur kostenlosen Unterrichtung armer Kinder im pietistischen Sinne.

7. September: Eine neue herzogliche Brauordnung für Jena tritt in Kraft. Sie führt zu einer beträchtlichen Erhöhung der Zahl der Brauberechtigten und zu einer Teilung der Braukommune. Dabei nutzt ein Teil derselben das dem Amt unterstehende Nollendorfer Brauhaus („Neuwerk“), der andere das alte städtische Brauhaus in der Leutragasse.

1717

Mit 778 erreicht die Zahl der neu eingeschriebenen Studenten an der Jenaer Universität einen Rekord. Jena gehört seit dem Ende des 17. Jahrhunderts bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts zu den unter den protestantischen deutschen Universitäten mit den höchsten Studentenzahlen (zwischen 1.500 und 1.800).

1719

Die Zahl der Einwohner Jenas (ohne Studenten) liegt bei etwa 4.300. Damit ist die Einwohnerzahl nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wieder deutlich angestiegen (um etwa 800), liegt aber noch unter der von der Mitte des 16. Jahrhunderts (etwa 4.500 Einwohner).

1723

15. März: Johann Christian Günther, einer der bedeutendsten deutschen Lyriker, verstirbt völlig verarmt in Jena.

1728

22. Juli-19. August: Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Haupt der Herrnhuter Pietisten, weilt (nach einem ersten Besuch im Nov. 1727) erneut in Jena. Seine im Danzschen Gartenhaus (Wagnergasse) abgehaltenen täglichen Hausandachten und Singstunden erfreuen sich regen Zulaufs von Studenten und Bürgern.

31. Juli: "Die der teutschen Sprache beflissene Gesellschaft zu Jena" (1730 als "Teutsche Gesellschaft" durch die Universität bestätigt) wird gegründet, um den Gebrauch der deutschen Sprache in freier Rede und Dichtkunst zu fördern.

ca.1730

In der Saalstraße (heutige Nr. 5) entsteht ein Bürgerhaus mit (erhaltener) spätbarocker Fassade (Trebitz´sche Haus, nach seinem Besitzer vom Ende des 19. Jahrhunderts).

1731

Auf der Rasenmühleninsel gelegene Schankstätten sind belegt.

Im Burgkeller wird der Ausschank von Kaffee und Tee sowie das Aufstellen von Billardtischen erlaubt.

1732/33

Rund 1.900 "Salzburger Exulanten" durchqueren auf dem Weg nach Ostpreußen in insgesamt sechs Zügen Jena. Die Glaubensflüchtlinge werden ein bis zwei Tage in der Stadt untergebracht und verköstigt. Zu ihren Gunsten finden Kollekten statt.

1733

30. April: Eine neue herzogliche Schießordnung für die Jenaer Schützengesellschaft gestattet ein jährliches Vogelschießen.

1734

4. Juni: Die "Societas Latina Jenensis" (Lateinische Gesellschaft Jena), deren Mitglieder die lateinische Sprache in Wort und Schrift pflegen, wird gegründet.

13. Dezember: Bei einer Überprüfung der Brunnen werden insgesamt 30 Brunnen gezählt, von denen 7 auf Straßen oder Plätzen öffentlich zugänglich sind.

1735

Der Eisenacher Herzog schreibt alle Konzessionen, Privilegien usw. gegen hohe Gebühren neu aus. Die höchsten Summen in Jena sind von den mitgliederstarken Innungen der Buchhändler, Fleischer, Bäcker, Peruquiers sowie der neuen Kramerinnung aufzubringen.

1739

Sommer: Mit dem Philosophen Anton Wilhelm Amo kündigt erstmals ein schwarzafrikanischer Gelehrter Lehrveranstaltungen an der Jenaer Universität an.

1741

26. Juli: Nach dem kinderlosen Tod des letzten Eisenach Herzogs fällt Jena wieder an Sachsen-Weimar.

1742

In Jena sind 45 Strumpfwirkermeister registriert. In der Kleinstadt Lobeda sind es zu gleichen Zeit über 100, im Dorf Isserstedt bei Jena 40. Bei der Strumpfwirkerei handelt es sich um einen staatlich geförderten, außerhalb des traditionellen Innungswesens stehenden, auf den Export ausgerichteten wichtigen Wirtschaftszweig im Herzogtum Sachsen-Weimar.

1743

4. August: Die Johann-Georgs-Kirche, die per herzoglichem Beschluss der Garnisons-Gemeinde der Stadt als Garnisonskirche übergeben wurde, wird als solche geweiht.

1744

Joachim Georg Darjes wird zum Professor der Moral und Politik berufen und hält auch kameralistische (wirtschaftswissenschaftliche) Vorlesungen. Der populäre Hochschullehrer zieht zahlreiche Studenten nach Jena. 1763 geht er nach Frankfurt/Oder.

1745

Februar: Die 1744 gegründete erste Freimaurerloge in Jena "Zu den drei Rosen" (später "Zu den drei goldenen Rosen") sucht um die landesherrliche Genehmigung nach. Sie wird ab 1746 von Joachim Georg Darjes als "Meister vom Stuhl" geleitet. Die Rolle Jenas als ein Zentrum der Freimaurerei endet in den 1750er Jahren, auch im Zusammenhang mit zwei Hochstaplerskandalen.

27. April: Die Familie von Ziegesar gelangt durch Heirat in den Besitz des Rittergutes Drackendorf. Angehörige der Familie von Ziegesar (auf Drackendorf) haben in der Folge Spitzenpositionen im Weimarischen und Gothaischen Staatsdienst inne.

1751

In den neun in Jena registrierten Druckereien sind neben den Besitzern und ihren Familienangehörigen insgesamt siebzehn Gesellen tätig.

1752

17. Oktober: Die Peruquierinnung wird vom Landesherrn bestätigt, die Zahl der Innungsmitglieder wird auf sechzehn beschränkt.

1753

Der Kameralist Johann August Schlettwein gründet mit der "Gesellschaft nützlicher Wissenschaften" eine auf die praktische Nutzanwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse zielende studentische Studiengemeinschaft.

1755

Beim Rathausumbau wird auf der Marktseite zwischen den beiden Satteldächern der Rathausturm errichtet. Die Rathausuhr mit der Figur des "Schnapphans" erhält unter dem Turmdach ihren heutigen Standort.

1759

April: Matthias Claudius, Dichter des bekannten "Abendliedes", nimmt an der Salana ein Theologiestudium auf (bis 1762).

1762

18. Januar: Im Gebäude des späteren Gasthauses "Grüne Tanne" in Wenigenjena wird die von Joachim Georg Darjes gegründete "Rosenschule", eine der ersten deutschen "Industrieschulen", eröffnet. Nach Darjes‘ Weggang aus Jena und der Auflösung der Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“, die das Projekt finanziert, muss die Schule 1764 schließen.

2./3. Dezember: König Friedrich II. von Preußen übernachtet incognito in Jena.

1763

1. Mai: Das Ende des Siebenjährigen Krieges, dessen Auswirkungen auch Jena in starkem Maße betroffen hatten, wird mit einem Friedensfest gefeiert.

1767

Der Marktbrunnen wird mit Steinen eingefasst und auf Kosten der Kaufmannschaft mit einem Löwen verziert. (heutiger Standort des Löwenbrunnens: "Am Breiten Stein")

1770

Christoph Gottlieb Pflug, Hofkupferschmied ab 1780 und Erfinder übernimmt die Leitung des Familienbetriebes mit Werkstatt in der Wagnergasse, Pflug entwickelt zahlreiche Gebrauchsgegenstände, so den bekannten Ballonofen in Urnenform für Friedrich Schillers Gartenhaus.

13. Januar: Ein erstes Konzert begründet die Tradition der Akademischen Konzerte.

1775

Juni: Die Berufung von Johann Jakob Griesbach zum Professor der Theologie leitet die Wendung der Jenaer Theologie zur Aufklärung ein.

1779

Der Erwerb des Naturalienkabinetts des Professors Johann Ernst Immanuel Walch durch Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach führt zur Gründung der Mineralogischen Sammlung.

November: Die Errichtung einer der ersten Entbindungsanstalten in Deutschland, des Accouchierhaus in der Jenergasse, wird unter der Leitung des Medizin-Professors Justus Christian Loder vollzogen. Loder, als Anatom und Chirurg die herausragende Gestalt der Jenaer Medizinischen Fakultät, verlässt 1803 Jena.

1780

Johann Jakob Heinrich Paulßen, Angehöriger einer angesehenen Jenaer Kaufmanns- und Handelsdynastie, lässt auf seine Kosten Promenaden im „Paradies“ anlegen. Der Name „Paradies“ für das Gebiet vor der Stadt links der Saale ist seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts geläufig.

1781

Der als Chirurg und Geburtshelfer verdiente Mediziner Johann Christian Stark d. Ältere (auch Stark I; ab 1779 außerordentlicher Professor), später Leibarzt der herzoglichen Familie und Goethes, gründet ein Krankeninstitut (Poliklinik), das 1789 als "Herzoglich Klinisches Institut" eine öffentliche Einrichtung wird.

1784

Der Student Christian Friedrich Mylius gründet eine Lesebibliothek, Zahlreiche weitere in den folgenden Jahrzehnten entstehende Lese- und Leihbibliotheken bilden eine wesentliche Grundlage für die Verbreitung von Bildung und Geselligkeit in der Stadt.

Der Theologe Johann Jakob Griesbach erwirbt das nördlich der Stadt gelegene Gelände und lässt sich hier eine Villa als Sommerhaus errichten. Neben Goethe und Schiller verkehren hier zahlreiche Persönlichkeiten der Universität und des öffentlichen Lebens der Stadt.

27. März: Johann Wolfgang Goethe kann in Zusammenarbeit mit dem Anatomen Loder durch vergleichende anatomische Studien in den Herzoglichen Sammlungen des Jenaer Stadtschlosses den Zwischenkieferknochen beim Menschen nachweisen.

1785

3. Januar: Die erste Nummer der von dem Weimarer Verleger Friedrich Justin Bertuch und dem Professor der Poesie und Beredsamkeit Christian Gottfried Schütz gegründeten Allgemeine Literatur-Zeitung erscheint. Das täglich (außer sonntags) erscheinende Blatt entwickelt sich rasch zum führenden philosophisch-literarischen Rezensionsorgan in Deutschland und trägt vor allem zur Verbreitung der Philosophie Kants bei.

28. Oktober: Durch ein herzogliches Reskript werden erstmals Personen, die sich nicht zur Augsburger Konfession bekennen (unter anderem Juden), zum Studium und zur Promotion an der Jenaer Universität zugelassen.

1786

Die bisherige gemeinschaftliche Erziehung und Versorgung der Waisen im städtischen Waisenhaus wird aufgehoben und durch eine individuelle Unterbringung bei Privatleuten ersetzt.

1787

Herbst: Mit der Berufung des Philosophen Karl Leonhard Reinhold (ab 1791 ordentlicher Professor) entwickelt sich die Jenaer Universität zu einem Zentrum der Kant´schen Philosophie in Deutschland.

Herbst: Eine von der herzoglichen Regierung unter der Leitung des Theologieprofessors Griesbach eingesetzte Kommission bemüht sich um die Neuordnung des darniederliegenden städtischen Finanzwesens.

3. November: Mit einem Akademischen Konzert wird ein erster Rosensaal als repräsentativer zweigeschossiger Saalbau auf dem Gelände des Rosengrundstücks an der Stadtmauer eingeweiht.

1789

26. Mai: Der zum Professor der Philosophie nach Jena berufene Friedrich Schiller hält seine Antrittsvorlesung "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?"

Juni: Der rationalistische Theologe Heinrich Eberhard Gottlob Paulus übernimmt das Ordinariat für "Morgenländische Sprachen" (ab 1793 eine Professur für Theologie). Er geht 1803 nach Würzburg.

1790

22. Februar: Schiller heiratet in der Kirche von Wenigenjena ("Schiller-Kirche") Charlotte von Lengefeld.

1793

14. Juli: Der Botaniker August Johann Georg Karl Batsch gründet die "Naturforschende Gesellschaft zu Jena".

April: Der als akademischer Lehrer, praktischer Mediziner und Publizist äußerst erfolgreiche Christoph Wilhelm Hufeland erhält eine Professur an der Medizinischen Fakultät, die er bis 1801 inne hat.

1794

Februar: Wilhelm von Humboldt und seine Frau Caroline, geb. von Dacheröden, verlegen ihren Wohnsitz nach Jena (bis 1797). Zwischen dem Ehepaar und Schiller entwickelt sich eine enge Freundschaft.

11. Februar: Goethe legt dem Weimarer Herzog Pläne für die Neugestaltung des Botanischen Gartens in Jena vor. Dieser entsteht unter dem Direktorat von August Johann Georg Karl Batsch in den folgenden Jahren nach neuesten botanischen Erkenntnissen am neuen Standort im Fürstengarten (heute: Fürstengraben).

23. Mai: Johann Gottlieb Fichte beginnt seine Lehrtätigkeit in Jena, wo er die Nachfolge Reinholds auf den Lehrstuhl für Philosophie antritt.

1. Juni: Ein sich Literarische Gesellschaft der freien Männer“ nennender Zusammenschluss von Studenten konstituiert sich. Dabei findet der Begriff der „Literarischen Gesellschaft“ um 1800 für derartige Zusammenschlüsse mehrfach Verwendung.

20. Juli: Das Zusammentreffen Goethes und Schillers während einer Sitzung der „Naturforschenden Gesellschaft“ in Jena markiert den Beginn ihres legendären Freundschafts- und Arbeitsbundes.

November: Der Dichter Friedrich Hölderlin kommt nach Jena, wo er bis Frühsommer 1795 lebt.

1795

Oberhalb der Rasenmühleninsel wird nach 1789 erneut zur Begradigung des Saalelaufs eine Flussschlinge durchstochen.

1796

Der Mineraloge Johann Georg Lenz (seit 1794 Professor) gründet mit der "Societät für die gesammte Mineralogie zu Jena" die weltweit erste geowissenschaftliche Gesellschaft.

Mai/August: Mit der Übersiedlung der Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel und ihrer Ehefrauen Caroline und Dorothea nach Jena formiert sich der Kreis der Jenaer Frühromantiker (Novalis, Ludwig Tieck, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Clemens Brentano, Johann Wilhelm Ritter, Henrik Steffens). Er löst sich ab Frühjahr 1800 auf.

1797

März-Mai: Alexander von Humboldt nutzt seinen Aufenthalt in Jena zu Besuchen in Anatomievorlesungen und Präparierkursen Loders. Er experimentiert zusammen mit Goethe und vertieft die Kontakte zu Schiller.

2. Mai: Schiller bezieht mit seiner Familie ein an der Leutra vor den Toren der Stadt gelegenes Gartengrundstück ("Schillers Gartenhaus").

1798

Jahresbeginn: Der Verleger und Buchhändler Friedrich Frommann lässt sich in Jena nieder, wo er zusammen mit seinem Schwager Carl Wesselhoeft auch eine Druckerei betreibt. Das Frommann´sche Anwesen am Fürstengraben entwickelt sich zu einem Zentrum intellektueller Geselligkeit der Stadt.

Oktober: Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling erhält dreiundzwanzigjährig auf Empfehlung Goethes eine außerordentliche Professur in Jena. Er verlässt die Stadt 1803 endgültig.

1798/99

Sommer 1798: Veröffentlichungen von Friedrich Karl Forberg und von Johann Gottlieb Fichte lösen den "Atheismusstreit" aus, der als eine der aufsehenerregendsten philosophisch-politischen Auseinandersetzungen des 18. Jahrhunderts die Jenaer Universität erschüttert. Am Ende der um das Problem der Vermittlung von Glauben und Vernunft kreisenden Debatte verlässt der des Atheismus verdächtige Fichte im März 1799 Jena. Ihm folgen in der sich anschließenden Universitätskrise weitere namhafte Gelehrte der Salana.

19. Jahrhundert

1800

Paul Johann Anselm Feuerbach, Begründer der modernen deutschen Strafrechtslehre, wird zum außerordentlichen Professor an der Juristischen Fakultät ernannt, er folgt 1802 einem Ruf nach Kiel.

1801

1. Oktober: Zur Versorgung, Erziehung und Reglementierung Armer und Besitzloser wird ein Arbeitshaus als städtische Einrichtung am Standort Ausgang Bachgasse eröffnet.

9. November: Der Komponist und Violinist Carl Stamitz verstirbt in Jena, wo er seit 1794 lebte und in den Akademischen Konzerten mitwirkte.

1802

Franz Ludwig Albrecht von Hendrich wird mit dem Posten des Stadtkommandanten (Kommandant der Jenaer Garnison) betraut. Als Mitglied der Jenaer Polizeikommission nimmt er als Vertreter der Weimarer Regierung bis zu seiner Entlassung aus dem Amt 1813 großen Einfluss auf die Stadtverwaltung.

März: Goethe lernt Sylvie von Ziegesar auf ihrem Familienschloss Drackendorf – seit etwa 1800 ein bevorzugter Ort Jenaer Geselligkeit – kennen. Züge Sylvies und der Atmosphäre des Drackendorfer Schlossparks gehen in Goethes 1809 erschienen Roman „Die Wahlverwandtschaften“ ein.

1803

Am westlichen Stadtrand (Bachstraße) entsteht ein Krankenhaus als kommunale Einrichtung, das von Universitätsprofessoren geleitet wird, die hier bereits private Klinikseinrichtungen betreiben. Ab 1811 werden die Einrichtungen als “Großherzoglich-Sächsische Landesheilanstalten“ geführt.

1804

2. Januar: Nach Verlegung der Allgemeinen Literatur Zeitung nach Halle (1803) erscheint unter der Redaktion von Heinrich Karl Abraham Eichstädt als Äquivalent erstmals die Jenaische Allgemeine Literatur Zeitung (bis 1841).

1805

Karl Ludwig von Knebel, Schriftsteller, Prinzenerzieher und Militär, lässt sich dauerhaft in Jena nieder. Sein Haus, in welchem Goethe häufig verkehrt, bildet einen der intellektuellen Mittelpunkte der Stadt.

Februar: Georg Wilhelm Friedrich Hegel tritt in Jena eine außerordentliche Professur an. Hier entsteht sein epochales Werk „Phänomenologie des Geistes“.

1806

14. Oktober: Die so genannte Doppelschlacht von Jena und Auerstedt zwischen französischen und preußisch-sächsischen Truppen findet im Rahmen des Vierten Koalitionskrieges statt. Am 13. Oktober streifen französische Truppen plündernd durch Jena. Im Bereich der Johannisgasse vernichtet ein Feuer 19 Gebäude. Napoleon hält sich für kurze Zeit in der Stadt auf. Seine Truppen ziehen in der Nacht über den Steiger bzw. durch das Rautal auf den Landgrafen. Die preußisch-sächsischen Truppen (etwa 38.000 Mann) werden von den 54.000 eingesetzten französischen Soldaten unter Napoleon bei Vierzehnheiligen am Mittag des 14. Oktober vernichtend geschlagen. Am gleichen Tag besiegt Marschall Davout bei Auerstedt die preußische Hauptarmee.

1808

Der seit 1795 in Jena tätige französische Emigrant Gabriel Henry verabredet mit Napoleon die Dotierung einer katholischen Gemeinde in der Stadt. Der Stadtrat überlässt dieser 1811 die verfallene Johanniskirche, die wiederaufgebaut wird. Der mit dem Pfarramt betraute Henry muss wegen der antifranzösischen Stimmung 1815 Jena verlassen, der Sitz der katholischen Pfarrei wird nach Weimar verlegt.

7. Oktober: Napoleon besucht mit dem russischen Zaren Alexander I. und Teilnehmern des Erfurter Fürstenkongresses Jena. Auf dem Windknollen erläutert er dem Zaren den Verlauf der Schlacht von 1806. Einer Deputation aus Jena sagt er finanzielle Entschädigung zu.

Herbst: Heinrich Luden (seit 1806 außerordentlicher Professor in Jena, 1810 Ordinarius, 1847 verstorben) kündigt erstmals Lehrveranstaltungen zur „vaterländische Geschichte“ an, die sich in der Folge eines enormen Zulaufs erfreuen. Unter Luden nimmt das historische Fach einen bedeutsamen Aufschwung.

1810

1. Februar: Im Kontext aufkommender nationaler Stimmungen im Kampf gegen Napoleon gründet sich der Männerchor Winzerla als einer der ältesten deutschen Chöre überhaupt

16. Juli: Die Weimarer Regierung erlässt eine neue Stadtordnung für Jena, die die seit 1540 gültige ablöst. Mit ihr werden die ständisch-korporativen Eigenberechtigungen des Stadtrates aufgehoben und Administration und Legislative durch eine Neustrukturierung des Stadtrates getrennt. Die Jurisdiktionsrechte des Stadtrats gehen an herzogliche Justizorgane über. Die Möglichkeit, in den Stadtbezirken Deputierte zu wählen, macht eine Erfassung aller Jenaer Bürger und ihres rechtlichen Status erforderlich. Es entsteht ein erstes Jenaer Adressbuch. In 745 durchnummerierten Häusern – diese Form der Nummerierung der Häuser bleibt bis zur Mitte der 1880er Jahre bestehen – leben zu diesem Zeitpunkt ca. 3.700 Menschen.

Herbst: Der Autodidakt Johann Wolfgang Döbereiner wird auf eine außerordentliche Professur für Chemie und Technologie an der Jenaer Universität berufen.

1813

3. September: In der unter der Oberaufsicht Goethes auf Veranlassung Herzog Carl Augusts errichteten Sternwarte auf dem Grundstück des ehemaligen Schillerschen Gartenhauses werden die ersten Beobachtungen durchgeführt.

22. November: Sachsen- Weimar tritt aus dem Rheinbund aus. Dem Aufruf zur Bildung von Freiwilligenverbänden im Kampf gegen Napoleon folgen zahlreiche Jenaer Studenten, Lehrkräfte und Bürger.

1815

12. Juni: 143 Jenaer Studenten gründen in der „Grünen Tanne“ in Wenigenjena die „Jenaische Burschenschaft“ (später als „Urburschenschaft“ bezeichnet), die als studentische Organisation eine „geeinte Nation“ vorleben will. Als äußeres Zeichen wird eine zweifarbige schwarz-rote (entspricht den Farben der beiden wichtigsten aufgelösten Jenaer Landsmannschaften), ab 1816 mit Gold verzierte Fahne bestätigt.

20. September: Aus einem Zusammenschluss von Frauen zur Unterstützung ärmerer Bevölkerungskreise geht der Jenaer Haupt-Frauenverein hervor.

Dezember: Unter der Bezeichnung „Oberaufsicht über die unmittelbaren Anstalten für Wissenschaft und Kunst in Weimar und Jena“ werden verschiedene für die Universität zuständige Regierungskommissionen zusammengefasst und als Immediatbehörde der Leitung Goethes unterstellt.

1816

Der Bau des in klassizistischen Formen gestalteten „Timlerschen Hauses“ an der Ostseite des Eichplatzes wird abgeschlossen.

Das „Literarische Museum Jena“ als Lesegesellschaft zum gemeinsamen Erwerb von Büchern bzw. von Abonnements für Journale und Zeitungen wird gegründet. Es geht später im Lesehallenverein auf.

19. Januar: Aus Anlass des Friedensfestes der Studenten pflanzen Burschenschafter eine „freie Eiche“ auf den durch Brand 1806 entstandenen Platz zwischen Johannis- und Leutragasse, für den sich in der Folgezeit die Bezeichnung „Eichplatz“ einbürgert.

6. Mai: Das sachsen-weimarischen Grundgesetz wird verabschiedet. Aufgrund der darin gewährten Pressefreiheit können in Jena nationale, konstitutionelle und liberale Oppositionsblätter erscheinen. Zu den wichtigsten zählen die „Nemesis“ (Heinrich Luden) und die „Isis“ (Lorenz Oken).

Herbst: Der als außerordentlicher Professor für Tierheilkunde nach Jena berufene Theobald Renner beginnt seine Vorlesungstätigkeit. Er übernimmt die Leitung der Anfang 1817 eröffneten Tierarzneischule für das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach am Heinrichsberg.

1817

1. Januar: Das von den ernestinischen Staaten unter Einbeziehung der reußischen Staaten gegründete Gemeinschaftliche Oberappellationsgericht mit Sitz in Jena nimmt als oberste Berufungsinstanz seine Tätigkeit auf.

18./19. Oktober: Auf Initiative der Jenaischen Burschenschaft begehen ca. 500 Vertreter von 13 deutschen Universitäten auf der Wartburg bei Eisenach ein allgemeines Burschenfest. Es werden nationale, liberale und demokratische Forderungen formuliert, gleichzeitig prägen frankophobe und antijüdische Züge die Zusammenkunft. Im Gefolge des Festes entsteht in Jena mit den „Grundsätzen und Beschlüssen des 18. Octobers“ das erste deutsche Parteiprogramm.

31. Oktober: „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, wichtiger Ideengeber der burschenschaftlichen Bewegung, erhält für sein patriotisches Wirken und seine sprachwissenschaftliche Arbeiten die Ehrendoktorwürde der Jenaer Universität.

1818

Jahresanfang: Der für die Entwicklung der slawischen Sprachen und des slawischen Nationalbewusstseins bedeutende Lyriker und Philologe Jan Kollar hält während seines Theologiestudiums in Jena in Lobeda eine Predigtvertretung. Die sich aus einer Begegnung mit der Tochter des Lobedaer Pfarrers, Friederike Wilhelmine Schmidt, entwickelnde Liebesbeziehung wird für Kollars lyrisches Schaffen von großer Bedeutung.

14. Juli: Goethes Vorschlag, das Löbdertor abzubrechen, leitet den Abbau der spätmittelalterlichen Stadtummauerung ein.

10.-19. Oktober: Etwa 40 Delegierte treffen sich in Jena zum „Burschenbundestag“. Das anvisierte Ziel, eine nationale deutsche Studentenorganisation („Allgemeine Deutsche Burschenschaft“) zu gründen, wird nur ansatzweise umgesetzt.

1819

23. März: Der Jenaer Theologiestudent und Burschenschafter Karl Ludwig Sand ermordet in Mannheim den Schriftsteller und russischen Botschaftsrat August von Kotzebue wegen dessen Gegnerschaft zum Liberalismus und zur nationalen Bewegung.

20. September: Die im Gefolge der Sand‘schen Tat ergangenen „Karlsbader Beschlüsse“ führen zum Verbot der Burschenschaft und zur Einschränkung der Pressefreiheit. Gegen „politische Professoren“, die sich als Mentoren der Burschenschaft für nationale und liberale Ziele eingesetzt hatten, werden Disziplinarverfahren eingeleitet: der Mediziner und Naturphilosoph Loren Oken (seit 1807 in Jena) wird entlassen, der Philosoph Jacob Friedrich Fries (seit 1801 bzw. 1816) suspendiert, der Mediziner Dietrich Georg Kieser (seit 1812) und der Historiker Heinrich Luden werden verwarnt.

(um) 1820

Die weimarischen Prinzessinnen Marie und Augusta beziehen das in den Privatbesitz der Großherzogin Maria Paulowna übergegangene Griesbachsche Gartenhaus („Prinzessinnenschlößchen“ „Prinzessinnengarten“). Ob es sich bei einem 1821 auf Betreiben der Großherzogin hier aufgestellten Denkmal um das erste Goethe-Denkmal überhaupt handelt, ist umstritten.

1820

Januar: Als Folge der Karlbader Beschlüsse wird die Universität der Aufsicht eines staatlichen Beamten (Kurators) unterstellt.

17. Oktober: Eduard Weimar bittet um die Erlaubnis, mit der Produktion in der von ihm begründeten Kammgarnspinnerei am Camsdorfer Ufer beginnen zu dürfen. Die Spinnerei beschäftigt später bis zu 130 Arbeitskräfte, 1890 stellt sie die Produktion ein.

1820/21

Drei der alten Jenaer Landsmannschaften – Thuringia, Saxonia, Franconia – die 1815 in der Burschenschaft aufgegangen waren, bilden sich nach deren Verbot als studentische „Corps“ neu.

1824

Der wegen seiner Teilnahme am Wartburgfest amtsenthobene Philosophieprofessor Jakob Friedrich Fries kann als Professor für Mathematik und Physik seine Lehrtätigkeit wieder aufnehmen. Fries ist eine der Symbolfiguren für den liberal-nationalen Aufbruch zu Beginn des 19. Jahrhunderts, zählt aber auch zu den Wegbereitern des modernen Antisemitismus.

6. November: Der erste hauptamtlich tätige Bibliothekar der Universität, Georg Gottlieb Güldenapfel, meldet offiziell den Vollzug der 1817 unter maßgeblicher Mitwirkung Goethes begonnenen Reorganisation der Universitätsbibliothek, die im Wesentlichen in der Vereinigung der bis dahin selbständigen universitären Büchersammlungen zu einem funktionstüchtigen Ganzen besteht.

1825

Das baufällige Inspektorhaus im Botanischen Garten – einer der bevorzugten Aufenthaltsorte Goethes in Jena – wird nach Plänen Goethes und des Hofbaumeisters Clemens Wenzeslaus Coudray umgebaut.

September: Heinrich Adam Gräfe übernimmt das Amt des Rektors der Stadtschule („Bürgerschule“), das er bis 1842 ausübt. In Zusammenarbeit mit dem Konrektor Eduard Höpfner gelingt eine grundlegende Vereinheitlichung und ein weiterer Ausbau des Volksschulwesens.

1826

1. Januar: Eine neue Stadtordnung tritt in Kraft. Sie schränkt die kommunale Selbstverwaltung weiter zugunsten staatlicher Beaufsichtigung ein, dem Bürgermeister als gewähltem Stadtoberhaupt wird ein staatlich bestellter „Stadtschultheiß“ übergeordnet.

2. Mai: Friedrich Gottlob Schulze, Professor für Kameral- und Staatswissenschaften, eröffnet eine mit der Universität verbundene Landwirtschaftliche Privatanstalt mit Sitz im Griesbachschen Haus.

1828

Franz Christian Joseph Pelzer gründet in der Wagnergasse (heutige Nr. 8) eine Zeugschmiedewerkstatt. Ein zweiter Standort besteht ab 1909 in der Fischergasse 1.

1829

3. Dezember: Der Verleger Friedrich Frommann erhält die Konzession, am Markt eine Sortimentsbuchhandlung zu eröffnen. Die Familie bezieht hier 1830 auch ihren Wohnsitz,

(um) 1830

Die teilweise noch in der Illegalität wirkende Burschenschaft spaltet sich in die gemäßigt liberalen Arminen und in die radikaleren, konsequent liberalen und demokratischen Germanen auf.

1830

Juli: Der Kirchenhistoriker Karl August (von) Hase beginnt als außerordentlicher Professor seine Lehrtätigkeit in Jena. Bis zu seinem Tode 1890 prägt er die liberale Jenaer Theologie entscheidend.

September: Es kommt zu Unruhen unter der Bürgerschaft, die sich vor allem gegen Missstände in der städtischen Verwaltung richten. Die Regierung in Weimar verlegt Militär nach Jena.

November: Friedrich Gottlob Schulze gründet den Landwirtschaftlichen Verein zu Zwätzen und verleiht damit dem landwirtschaftlichen Vereinswesen in Deutschland wichtige Impulse.

1832

Nach mehreren tödlichen Unfällen bei der Saaledurchquerung bei Kunitz wird eine im Wesentlichen durch Spenden finanzierte hölzerne überdachte (Haus-)brücke dem Verkehr übergeben.

1833

5. Juni: Ein Sparkassenverein konstituiert sich, der in Kämmereistube des Rathauses eine Sparkasse eröffnet. Die Stiftungssparkasse besteht bis 1947.

22. August: Das erste „Gesangsfest für Freunde der Gesanges im Saaltal“ findet mit ca. 6.000 Teilnehmern in Jena statt.

1834

6. Juni: Der Theologe und Philologe Friedrich Gustav Zenker gründet eine private Erziehungsanstalt mit Internat für Knaben. Sie befindet sich zunächst am Johannisplatz, ab 1844 im Frommannschen Anwesen.

1836

18. September: Die 14. Versammlung der von Lorenz Oken ins Leben gerufenen „Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte“ findet in einem neuerrichteten Bau der „Rosen-Säle“ statt. Zu den Teilnehmern gehört Alexander von Humboldt.

1838

16. April: Die Schriftstellerin Johanna Schopenhauer verstirbt in Jena, wo sie ihr letztes Lebensjahr verbrachte. Sie wird auf dem Johannisfriedhof beigesetzt.

1841

15. April: Die Doktorurkunde für Karl Marx, der an der Jenaer Philosophischen Fakultät in absentia promoviert wurde, wird ausgefertigt.

1842

Die Kunst- und Handelsgärtnerei Maurer (Standort: Fischergasse) wird gegründet. Sie entwickelt sich zu einem der größten Beerenobst-Spezialbetriebe Deutschlands.

27. Oktober: Dem Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt wird die Ehrenbürgerwürde verliehen, nachdem er erstmals in Jena konzertiert hatte. Die aus diesem Benefizkonzert hervorgegangene „Lißtsche Stiftung“ ermöglicht dem Hauptfrauenverein 1843 die Einrichtung einer Kleinkinderbewahranstalt. Liszt verleiht in den Folgejahren dem Musikleben der Stadt mehrfach kräftige Impulse.

1844

Mit der Abtragung das Saaltores wird die Entfestigung der Stadt im Wesentlichen abgeschlossen.

9. Dezember: Der seit 1842 in Jena tätige Pädagoge Karl Volkmar Stoy gründet an der Universität ein Pädagogische Seminar, das er mit einer der praktischen Ausbildung der Lehrerstudenten dienenden Übungsschule verbindet. Gleichzeitig übernimmt er das private Erziehungsinstituts für Knaben von Ernst August Heinrich Heimburg. In dieser Einrichtung mit Internat am Löbdergraben werden durchschnittlich 50 bis 80 Schüler aus allen Teilen Deutschlands sowie aus dem Ausland unterrichtet.

1845

Konservative, aus der streng progressistischen „Verbindung auf dem Burgkeller“ ausgeschlossene Studenten gründen die Burschenschaft „Teutonia“.

1846

17. November: Der Mechaniker Carl Zeiss eröffnet nach Erwerb der Konzession für die Ausübung seines Gewerbes eine erste Werkstatt in der Neugasse (heutige Nr. 7). Im Dezember erwirbt er das Bürgerrecht in Jena, im Juli 1847 bezieht er neue Arbeitsräume in der Wagnergasse (Nr. 12). Nachdem er zunächst technische Gerätschaften vorwiegend für Kunden aus der Universität anfertigt und instand setzt, beginnt er 1847 mit der Produktion einfacher Mikroskope.

1847

April: Aufgrund enormer Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln kommt es zu Markttumulten.

1848

März: Im Gefolge der revolutionären Ereignisse in Frankreich finden erste Demonstrationen statt. Auf Bürgerversammlungen werden „Märzforderungen“ (Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit; Einberufung einer Nationalversammlung; allgemeine Volksbewaffnung; unabhängige, öffentliche Justiz mit Schwurgerichten) formuliert und an Regierung und Landtag nach Weimar gesandt.

April/Mai: Im Zusammenhang mit den Wahlen zur Frankfurter Nationalversammlung (als Abgeordneter für Jena wird der Jurist Gottlieb Christian Schüler als Vertreter der linken Demokraten gewählt) kommt es zur Politisierung breitester Bevölkerungskreise, die sich in einem breit gefächerten Presse-, Vereins- und Parteiwesen (Konstitutionelle, Demokraten, Republikaner) niederschlägt.

16.-20. Juni: Auf dem von Jenaer Studenten initiierten 2. Wartburgtreffen beraten etwa 1.200 deutsche Studenten über eine Reform des Universitätsstudiums.

31. Juli: Der in Jena durchgeführte zweite Demokratenkongress Thüringens dokumentiert die herausragende Stellung der Jenaer Demokraten im Gesamtgefüge der radikal-demokratischen Bewegung Thüringens.

21.-23. September: Auf einer von einem Jenaer akademischen Reformverein initiierten Hochschullehrerversammlung wird über liberale und demokratische Reformen an den Universitäten beraten.

Oktober: Durch militärisches Eingreifen der Zentralgewalt findet die Revolution in Jena als breite Massenbewegung ein Ende. Die republikanischen Kräfte sind Repressalien ausgesetzt, ansonsten halten sich die staatlichen Repressionsmaßnahmen in Grenzen.

1849

10. Mai: Eine Freischar (38 Personen) formiert sich, um den republikanischen Aufstand in Dresden zu unterstützen. Sie kehrt nach der raschen Niederschlagung des Aufstandes nach Jena zurück.

1850

22. Februar: Die neue Gemeindeordnung des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach leitet die Entwicklung einer modernen Gemeindeselbstverwaltung ein. Sie sieht die Wahl eines vierundzwanzigköpfigen Gemeinderates als Stadtparlament sowie des Gemeindevorstandes (erster und zweiter Bürgermeister) durch alle mit dem Bürgerrecht ausgestatteten Bürger der Stadt vor. Staatlichen Behörden erhalten allerdings weitgehende Aufsichtsrechte.

6. März: Das „Gesetz über die Rechtsverhältnisse der Juden“ erlaubt erstmals wieder seit dem Mittelalter Juden die Ansiedlung in der Stadt und die freie Ausübung von Berufen und Gewerben.

1851

Jenaer Professoren und Bürger gründen das „Jenaische Centralcomité zur Erbauung einer Thüringer Saalbahn“.

Gustav Droysen wird auf den Lehrstuhl für Geschichte berufen, den er bis 1859 inne hat. In Jena entsteht sein kontrovers diskutiertes methodologisches Grundlagenwerk "Grundriss der Historik".

1. April: Moritz Seebeck tritt das Amt des Kurators der Universität an, das er bis 1877 ausübt. In diese Zeit fallen wichtige Neuberufungen (unter anderem: Johann Gustav Droysen, Ernst Haeckel, Kuno Fischer und Rudolf Eucken).

1852

2. Januar: Der „Verein für Thüringische Geschichte und Altertumskunde“ mit Sitz in Jena wird gegründet.

1853

7. Juni: Ein Inserat von Carl Schenk zur Eröffnung eines „Ateliers für unveränderliche Lichtbilder auf Papier“ kann als frühester Beleg für die Etablierung des fotografischen Gewerbes in Jena gelten.

21. August: Die von den Schülern der Stoy‘schen Übungsschule unternommene Wanderung zum Großen Inselsberg geht als erster „Wandertag“ in die deutsche Schulgeschichte ein.

1855

13. Dezember: Julius Schnauß lässt sich mit einem „Photographischen Atelier und Photographisch-chemischen Institut“ als zweiter Fotografie-Pionier in Jena nieder.

1856

Jena erhält Anschluss an das überörtliche Telegraphennetz.

1857

18. September: Mit der Aufstellung einer Porträtbüste des Philosophen Lorenz Oken als erstem öffentlichen Denkmal in Jena beginnt der Aufbau der Denkmalsachse am Fürstengraben für verdienstvolle Universitätsangehörige („Via Triumphalis“).

1858

14. Januar: Aus einer in Zwätzen bestehenden Arbeitsschule geht unter der Leitung von Friedrich Gottlob Schulze die Carl-Friedrich-Ackerbauschule hervor, in der Bauernsöhne eine zweijährige theoretische und praktische Ausbildung erhalten. Die Einrichtung wird von der Weimarer Großherzogin Maria Paulowna großzügig gefördert.

15.-17. August: Universität und Stadt begehen mit ca. 10.000 Gästen die 300-Jahrfeier der Universität. Auf dem Markt wird ein Denkmal für den Universitätsgründer Johann Friedrich – ein Werk des Bildhauers Friedrich Drake – eingeweiht. Der Neubau der Universitätsbibliothek – ein Bau im Stil der oberitalienischen Frührenaissance (Architekt: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan) – ist fertiggestellt. Die Professoren Schaeffer, Göttling und Vogel von Frommannshausen initiieren ein Gedenktafelprojekt für verdiente Universitätsangehörige an deren Wohn- und Arbeitsstätten.

Oktober: Bernhard Sigmund Schultze(-Jena) wird als Direktor der Entbindungsanstalt nach Jena berufen.

7. Oktober: Der „Verschönerungsverein zu Jena“, der sich die Erschließung der Umgebung Jenas durch die Anlage und Pflege von Wegen (unter anderem der Kernberg-Horizontale) zur Aufgabe macht, wird gegründet.

1859

Der Aufbau der Städtische Brauerei vor dem Neutor ist abgeschlossen. Dies verbindet sich mit der Ersetzung der seit dem Mittelalter bestehende selbstverwaltenden Braukommune aller brauberechtigten Bürger durch eine nach marktwirtschaftlichen Kriterien arbeitende kommunale Brauerei. Auf dem Brauereigelände befindet sich die Gaststätte „Felsenkeller“.

1860

Ernst Naumann wird zum Universitätsmusikdirektor und Stadtorganist berufen. Bis zu seiner Emeritierung 1906 prägt er das Musikleben der Stadt entscheidend.

1861

Jahresbeginn: (ohne genaues Gründungsdatum) formiert sich die „Fuchsturm-Gesellschaft“. Als Pächter des Fuchsturms und des ihn umgebenden Geländes setzt sie die um 1840 unter Karl Wilhelm von Knebel begonnenen Bestrebungen fort, das mittelalterliche Bauwerk zu erhalten und dessen Umgebung durch Wegebau zu erschließen.

Herbst: Der als Professor nach Jena berufene Nationalökonom Bruno Hildebrand begründet mit der Einrichtung des „Statistischen Büros vereinigter Thüringischer Staaten“ (1864) und eines Statistischen Seminars an der Universität (1866) die wissenschaftliche Statistik in Thüringen. Zu seinen Verdiensten gehört die Anbindung Jenas an das Eisenbahnnetz.

1862

Die Post bezieht ein neues Postamt am Löbdergraben.

3. Juni: Ernst Haeckel wird zum außerordentlichen Professor an der Medizinischen Fakultät in Jena ernannt. 1865 erhält er eine ordentliche Professur für Zoologie an der Philosophischen Fakultät. Der Zoologe und Philosoph trägt mit populären Schriften zur Verbreitung der Darwinschen Lehre bei. Aufgrund seiner Überlegungen zur „künstlichen Züchtung“ des Menschen wird er andererseits ein Wegbereiter der Eugenik und Rassenhygiene.

18. Oktober: Die auf Initiative des Bürgermeisters Emil Schenk mit städtischen Mitteln erbaute Gasanstalt am nördlichen Ausgang der Zwätzengasse nimmt den Betrieb auf. Damit setzt sich die flächendeckende Einführung der Gasbeleuchtung in der Stadt durch.

1863

Als erstes vorgeschichtliches Museum in Deutschland eröffnet im Jenaer Stadtschloss das „Germanische Museum“, in dem hauptsächlich Fundstücke aus Grabungen des Archäologie-Professors Friedrich Klopfleisch ausgestellt sind.

10. Februar: Der „Akademische Turnverein“ und der „Bürgerliche Turnverein“, beide 1853 gegründet, vereinigen sich zum „Turnverein Jena 1859“ und schließen sich der Deutschen Turnerschaft an

Juli: Der Stadtrat lässt aufgrund von Protesten aus der Bürgerschaft einen Beschluss von 1855 fallen, mit dem Abbruch des Johannistores die im 18. Jahrhundert eingeleitete Entfestigung der Stadt abzuschließen.

1864

In einem Renaissance-Gebäude aus dem 16. Jahrhundert in der Oberlauengasse eröffnet das Wirtshaus „Zur Noll“ (zunächst: „Nollendorfer Schankwirtschaft“).

22. Februar: Eine Gruppe von etwa 60 Personen schließt sich zu einer „Freiwilligen Feuerwehr“ zusammen. Diese bildet fortan den Kern des neuorganisierten städtischen Feuerwehrwesens.

1866

3. Juli: Der als Privatdozent an der Universität wirkende Mathematiker und Physiker Ernst Abbe beginnt die Kooperation mit der Werkstätte von Carl Zeiss und erschließt sich damit mit den Mikroskopbau als wissenschaftliches Arbeitsfeld.

1867

1. Oktober: Das III. Bataillon des nach dem Beitritt Sachsen-Weimar-Eisenachs zum Norddeutschen Bund unter preußischem Kommando formierten 5. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 94 (Großherzog von Sachsen) bekommt Jena als Standort zugewiesen, das damit wieder Garnisonsstadt wird.

1868

Horst Keferstein übernimmt die Stoysche Erziehungsanstalt. 1869 richtet er eine Fortbildungsschule für junge Kaufleute ein und übernimmt gleichzeitig eine private Töchterschule.

Der Bau des Fuchsturmhauses wird fertiggestellt.

1870

3. März: Die Alt-Rhapsodie von Johannes Brahms wird unter der Leitung von Ernst Naumann durch den Akademischen Gesangverein und die Altistin Pauline Viardot-García uraufgeführt.

Herbst: Berthold Delbrück, Begründer der vergleichenden und historischen Syntax der indogermanischen Sprachen, folgt einem Ruf an die Universität.

1872

Die Familie von Tümpling erwirbt das zwischen Wenigenjena und Kunitz gelegene Gut Thalstein.

Die so genannte Leutrafege – das Fließen der angestauten Leutra durch die städtischen Gassen zum Zwecke der Stadtreinigung, wobei das natürliche Gefälle der Stadt ausgenutzt wurde – kommt zum letzten Mal zum Einsatz.

1873/74

Am Jüdengraben unterhalb des Westbahnhofes entsteht ein erster Kasernenbau für das 5. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 94.

1874

1. Mai: Die Teilstrecke Saalfeld-Großheringen der Saalbahn wird eröffnet und der Saalbahnhof für den Besucherverkehr freigegeben.

15. Mai: Ernst Abbe, der durch entsprechende Forschungen die Herstellung von Mikroskopen auf wissenschaftliche Grundlagen gestellt hat („Abbescher Sinussatz“), tritt als stiller Teilhaber in den Betrieb von Carl Zeiss ein.

18. Juni: Im Jenaer Forst wird der Forstturm als Denkmal zu Ehren der im Deutsch-Französischen Krieg Gefallenen des Jenaer Bataillons des 5. Thüringischen Infanterie-Regimentes Nr. 94 geweiht.

Sommer: Der Philosoph Rudolf Eucken nimmt in Jena seine Lehrtätigkeit auf. Der Begründer des Neu-Idealismus gehört neben Haeckel zu den Jenaer Hochschullehrern mit der stärksten nationalen und internationalen Ausstrahlung.

1876

29. Juli: Die Weimar-Geraer-Bahn und der Weimar-Geraer-Bahnhof (seit 1924 Westbahnhof) werden eröffnet.

7. Oktober: Mit der Gründung eines Gymnasiums, das ab 1880 den Namen des Großherzogs Carl Alexander (Carolo-Alexandrinum) trägt, besitzt Jena erstmals eine universitätsvorbereitende Schule. Für den Gymnasiumbau am Teichgraben stellt die Stiftungssparkasse beträchtliche Mittel zur Verfügung.

1877

10. Dezember: Der Buchhändler Gustav Fischer erwirbt die Konkursmasse des Verlages Hermann Dufft. 1880 zieht der nunmehrige „Gustav Fischer Verlag, vormals Friedrich Mauke“ in das Selliersche Haus (später Villengang 2) ein.

1878

Mit der Ableitung der Ammerbacher Quelle über eine Rohrleitung zu einem Hochbehälter auf den heutigen Friedensberg wird die Grundlage für eine moderne Trinkwasserversorgung Jenas gelegt.

1. Januar: Ernst Abbe übernimmt die Leitung der Sternwarte der Universität im Nebenamt (bis 1900), ein Sternwartenneubau entsteht bis 1889.

1879

Juli: Der Logiker, Mathematiker und Philosoph Gottlob Frege erhält eine außerordentliche Professur an der Universität. Durch die Entwicklung einer formalen Sprache und formaler Beweise legt er Grundlagen für die heutige Computertechnik und Informatik sowie für formale Methoden in der linguistischen Semantik.

1. Oktober: Das im Gefolge der Reichsjustizreform aus dem des bisherigen Oberappellationsgerichts zu Jena hervorgegangene „Gemeinschaftliche Thüringische Oberlandesgericht“ nimmt seine Tätigkeit auf. 1880 bezieht es einen repräsentativen Neubau Vor dem Erfurterthor (heute August-Bebel-Straße 4; Architekt: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan).

1880

Die Einwohnerzahl übersteigt mit 10.326 erstmals die Zehntausendergrenze.

Der als Jenaer Original bekannt gewordene Gastwirt Carl Kämmer übernimmt die 1810 eröffnete Gaststätte „Weimarischer Hof“.

April: Johann Heinrich Stoy belebt die von seinem Vater, Karl Volkmar Stoy, gegründete Erziehungsanstalt neu. Das Institut bezieht Am Steiger einen neuen Gebäudekomplex.

1881

März: Der Mathematiklehrer Ernst Pfeiffer übernimmt die ehemals Stoysche, später von Horst Keferstein geleitete Erziehungsanstalt Am oberen Löbdergraben („Pfeiffersche Lehr- und Erziehungsanstalt“ mit Realschulabschluss für Knaben).

1882

August: Otto Binswanger wird zum außerordentlichen Professor und zum Direktor der 1879 am Friedshofsweg (Philosophenweg) erbauten Landesirrenheilanstalt ernannt. In seine Amtszeit (bis 1919) fallen die Etablierung der Psychiatrie als Teildisziplin der medizinischen Wissenschaften und fundamentale Änderungen im Umgang mit psychisch Kranken.

1883

2. August: Zum Andenken an die Gründer der Jenaer Burschenschaft erfolgt die Aufstellung des von Adolf Donndorf geschaffenen Burschenschaftsdenkmals auf dem Eichplatz.

10. November: Die 400. Geburtstag Martin Luthers wird mit großem Aufwand begangen, unter anderem findet die Premiere eines von Otto Devrient verfassten Lutherfestspiels statt, das eine dauerhafte Lutherfestspiel-Tradition in Jena begründen soll.

1884

Die Sparkasse bezieht einen Neubau in der Postgasse (Ludwig-Weimar-Gasse) 3.

Der Bau des neuen Schlachthauses der Jenaer Fleischerinnung am Löbdergraben ist abgeschlossen. Es steht wegen mangelnder Kapazitäten und Hygiene, unter anderem werden die Abwässer ungeklärt in die Mühllache abgeleitet, von Anfang an in der Kritik.

1. Januar: Der seit 1882 in Jena tätige Glaschemiker Otto Schott gründet zusammen mit Ernst Abbe, Carl Zeiss und dessen Sohn Roderich Zeiss das „Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen“.

1885

Im Rahmen der Lebensreform-Bewegung entsteht der „Verein für naturgemäße Lebens- und Heilweise (Naturheilverein) e. V.“.

1886

Franz Glaser gründet in Wenigenjena die Pianofortefabrik Franz Glaser & Co. Unter seinen Nachfolgern erreicht das mittelständische Unternehmen besonders in den 1920er und frühen 1930er Jahren beachtliche Produktionszahlen.

15. April: Der Ingenieur und Unternehmer Godhard Prüssing lässt die „Sächsisch-Thüringische Portland-Cement-Fabrik Prüssing & Co KG a. A.“ in Göschwitz ins Handelsregister eintragen. Das Unternehmen entwickelt sich zu einem der bedeutendsten Zementherstellern Mitteldeutschlands.

6. Juni: Der Verleger Friedrich Johannes Frommann verstirbt in Jena. Der Frommann-Verlag wechselt in der Folge den Besitzer, sein Sitz wird nach Stuttgart verlegt.

24. August: Mit dem Konsumverein Jena konstituiert sich die erste Genossenschaftsorganisation der Stadt. 1889 erfolgt die Umwandlung in die Konsumgenossenschaft Jena.

1887

Der Gemeinderat beschließt den Bau eines modernen Kanalisationssystem. Er folgt damit den Intentionen von August Gärtner, Amtsphysikus der Stadt und seit 1886 Inhaber einer der ersten Professuren für Hygiene in Deutschland.

1889

19. Mai: Ernst Abbe unterzeichnet das Statut der Carl Zeiß-Stiftung. Damit entsteht nach dem Tod des Firmengründers Zeiss (1888) eine neue Unternehmensform. Auf der Grundlage des Statuts wird bis zum I. Weltkrieg etwa ein Viertel des durch Unternehmensgewinne vermehrten Stiftungsvermögens für die Förderung der Universität sowie für gemeinnützige Vorhaben in der Stadt verwandt.

12. Juni: Der Nordfriedhof – seit 1886 auf dem Kochschen Berge durch Garteninspektor Louis Maurer angelegt – wird mit der Belegung eines ersten Grabes eingeweiht. Der neue Friedhof löst den historischen Johannisfriedhof als Hauptbegräbnisort der Stadt schrittweise ab.

3. Dezember: Heinrich Singer wird als neuer Bürgermeister Jenas in sein Amt eingeführt (ab 1893 offiziell mit der Amtsbezeichnung „Oberbürgermeister“).

1890

15. April: Die erste Nummer des „Jenaer Volksblattes“ erscheint. Das vom Kreis um Ernst Abbe initiierte, anfangs linksliberal, später nationalliberal orientierte Blatt erscheint ab 1891 bis 1941 in Verlag und Druck bei Bernhard Vopelius.

23./24. November: Ein schweres Hochwasser sucht Jena und Umgebung heim. Besonders betroffen ist die kurz zuvor zusammengeschlossene Gemeinde Wenigenjena/Camsdorf. Vier Menschen ertrinken, der Schaden beträgt etwa 175.000 Reichsmark.

1892

Das 1890 in Jena von dem Pädagogen Johannes Trüper gegründete „Institut für schwer erziehbare Kinder“ wird auf die Sophienhöhe bei Wenigenjena verlegt. In der Anstalt werden entwicklungsgestörte und -gehemmte Kinder aus ganz Deutschland und darüber hinaus unterrichtet.

Januar: Das neue Chemische Institut/Laboratorium in der Krautgasse wird eingeweiht. Wesentlichen Anteil am Aufschwung der Chemie in Jena hat der hier seit 1889 als Ordinarius wirkende Ludwig Knorr, der sich zuvor mit der Entwicklung des ersten synthetischen Arzneimittels, des schmerz- und fiebersenkenden Antipyrins (Phenazon) einen Namen gemacht hatte.

30./31. Juli: Der 1890 entlassene Reichskanzler Otto von Bismarck besucht auf Einladung von Stadt und Universität Jena. In einer Rede auf dem Marktplatz formuliert er – mit Bezug auf die Schlacht von 1806 – seinen berühmt gewordenen Gedanken „ohne Jena kein Sedan“ und fordert eine Stärkung des Reichstages gegen die autoritäre Regierungsweise Kaiser Wilhelms II.

17. Oktober: In der Nähe des Paradieses wird zur Entlastung des inzwischen völlig unzureichenden alten Schulgebäudes „Hinter der Kirche“ ein Bürgerschulneubau eingeweiht (spätere „Paradiesschule“). Es folgen in kurzen Abständen weitere Schulneubauten: West- (1904), Nord- (1908) und Ostschule (13. April 1912) sowie 1916 ein Schulneubau bei Ziegenhain (spätere „Talschule“).

1893

Die Spiel-, Sport- und Tennisplätze in den Wöllnitzer Wiesen werden der Öffentlichkeit übergeben.

Die Sandstein-Skulptur des „Erlkönigs“, geschaffen (nach einer Holzbildfigur) durch den Steinmetzmeister Otto Späte, wird bei „Schloss Thalstein“ zwischen Wenigenjena und Kunitz aufgestellt.

30. August: Zwischen einem Jenaer „Spielverein“ und einer Leipziger Mannschaft wird das erste Fußballspiel in Jena ausgetragen.

1894

15. April: Karl Brauckmann gründet mit der „Lehr- und Erziehungsanstalt für Schwerhörige und Ertaubte“ am Fuchsturmweg in Wenigenjena die erste Sonderschule dieser Art in Deutschland.

29. Juli: Auf dem Markt wird der nach einem Entwurf Adolf von Hildebrand gestaltete Bismarckbrunnen zum Andenken an den Bismarckbesuch von 1892 eingeweiht.

1895

Carl Alexander Schietrumpf verlegt seine 1893 in Tabarz gegründete, Messgeräte (Zollstöcke, Längenmaße) produzierende Firma nach Wenigenjena (Standort: Camsdorfer Ufer).

1. Oktober: Die Preußische Staatsbahn übernimmt die bisher privat geführte Saalbahn und Weimar-Gera-Bahn. Aus einer seit 1874 bestehenden Reparaturwerkstatt geht das Reichsbahnausbesserungswerk hervor (während des I. Weltkrieges 700 bis 1.000 Beschäftigte).

1896

März: Der seit 1880 in Jena wirkende Eduard Rosenthal wird zum ordentlichen Professor an der Juristischen Fakultät berufen. Damit erhält nach dem Biologen Nathaniel Pringsheim (1864-1868) wieder ein Professor jüdischen Glaubens ein Ordinariat. Rosenthal gehört als Wissenschaftler, Landespolitiker („Vater“ der thüringischen Verfassung von 1920) und Rechtsberater (Mitarbeit am Statut der Carl Zeiß-Stiftung) zu den herausragenden Persönlichkeiten der Jenaer Universitäts- und Stadtgeschichte. 1892 hatte das Ehepaar Clara und Eduard Rosenthal eine neu erbaute Villa in der Kahlaische Straße bezogen (heute Begegnungs- und Ausstellungsstätte in der Mälzerstraße 11).

30. Juli: Der Weimarer Großherzog genehmigt das Statut der Carl-Zeiss-Stiftung. Es räumt den Beschäftigten des Zeiss- und Schott-Unternehmens verbindliche soziale Rechte ein.

28. September: Unter der Führung jüdischer mittelständischer Unternehmer und Kaufleute gründet sich eine „Israelitische Religionsgemeinschaft“.

1. November: Die vom „Lesehallenverein e. V.“ ins Leben gerufene Lesehalle eröffnet am Löbdergraben 15. Die Carl Zeiß-Stiftung unterstützt die Kombination aus Lesehalle und Leihbibliothek finanziell in großzügiger Weise.

17. Dezember: Im „Deutschen Haus“ am Holzmarkt werden erstmals „bewegte (Kino-)Bilder“ gezeigt.

1897

25. Juni: Akuter Wohnraummangel aufgrund enorm anwachsender Bevölkerungszahlen seit den 1880er Jahren führt zur Gründung der gemeinnützigen Jenaer Baugenossenschaft. Die Initiatoren (Ernst Abbe, Otto Schott, Gustav Fischer, Eduard Rosenthal) erklären die Errichtung billiger, zweckmäßiger und hygienischer Wohnungen für die arbeitende Bevölkerung zum Ziel.

1898

Der Abbruch des Weigelschen Hauses, eines der „Sieben Wunder“ Jenas, zum Zwecke der Schaffung einer Straßenverbindung zwischen dem Fürstengraben und dem Kreuz, ist abgeschlossen.

Die Stadt übernimmt die seit 1842 bestehende Akademische Badeanstalt am Eisrechen und baut sie zum zentralen Flussbad an der Saale aus.

14. Februar: Die erste Feuerbestattung findet in dem vom 1894 gegründeten Verein für Feuerbestattung Jena e. V. errichteten, von Carl Timler entworfenen Krematorium auf dem Nordfriedhof statt.

1899

Zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung werden die Quellen im Mühltal erschlossen und am Ausgang des Cospedaer Grundes eine Pumpstation errichtet.

20. Jahrhundert

1900

24. Februar: Ein Ergänzungsstatut der Carl-Zeiss-Stiftung erhöht die jährliche Dotierung der Universität, in erster Linie der mathematisch-naturwissenschaftlichen Forschung, beträchtlich.

1. April: Das Zeiss-Werk führt für seine Beschäftigten den Acht-Stunden-Arbeitstag ein.

1. Mai: Der Saalbahnhof wird Haltepunkt für die Schnellzüge Berlin – München (Rom).

14. Oktober: Das in kommunalen Besitz übergegangene „Köhlersche Theater“ eröffnet als „Jenaer Stadttheater“ die Spielzeit. Es ist in den Folgejahren an häufig wechselnde Theaterdirektoren verpachtet.

1901

19. März: Das städtische Elektrizitätswerk nimmt seinen Betrieb auf.

1. April: Erstmals verkehren in Jena elektrische Straßenbahnen.

29. November: Die „Porzellan=Manufaktur Burgau a. S. Ferdinand Selle“ wird im Handelsregister der Stadt Jena eingetragen. Das zeitweilig sehr erfolgreiche Unternehmen, für das Künstler wie Henry van de Velde, Albin Müller und Erich Kuithan Designs entwerfen, muss 1929 schließen.

1902

14. März: Das neue Hauptpostamt am Engelplatz wird eröffnet. Es entstand an der Stelle des 1900 abgebrochenen Schömannschen Hauses.

30. Mai: Die katholischen Studentenverbindung „Sugambria“ wird gegründet und tritt 1903 dem Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen bei. Sie wird seitens des national-protestantischen Korporationsmilieus abgelehnt, was zu einem länger andauernden „akademische Kulturkampf“ führt.

1903

1. Februar: Das 1901 durch den Kunsthistorikers Paul Weber gegründete Stadtmuseum wird im neu erbauten Gebäude der Stadtkasse in der Weigelstraße dem Besucherverkehr übergeben. Den Grundstock der Ausstellung bildet die angekaufte private Sammlung von Bodenfunden, Urkunden, Grafiken, Militaria, Studentica und Memorabilia des Lithografen Max Hunger.

13. Mai: Der Fußball-Klub „Carl Zeiss“, zunächst für Angestellte der Firma Carl Zeiss, ab 1904 offen für alle, entsteht. Nach der Integration weiterer Sportarten bis 1917 nimmt er den Namen „1. Sportverein Jena“ an.

16. Mai: Bürger aus Jena und Wenigenjena gründen die Jenzig-Gesellschaft e. V. mit dem Ziel, den markanten Berg als Erholungsgebiet zu erschließen. In der Folgezeit werden Wander- und Fahrwege angelegt und ein erstes Schutzhaus errichtet.

1. November: Das nach Entwürfen des Architekten Arwed Roßbach zwischen 1900 und 1903 errichtete und mit Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung finanzierte Volkshaus wird eröffnet. Das Konzept für den allen politischen Parteien offen stehenden Mehrzweckbau mit einer allgemein zugänglichen Lesehalle geht auf Ernst Abbe zurück.

20. Dezember: Unter dem Vorsitz des Juristen Eduard Rosenthal gründet sich der Jenaer Kunstverein. Erste Ausstellungen finden im Oberlichtsaal des Volkshauses statt.

Jahresende: Im Volkshaus werden in der von Erich Kuithan geleiteten „Freien Zeichenschule“ erstmals Kurse im Zeichnen, Malen und Modellieren angeboten (bis 1908).

1904

Der Abriss des in Teilen baufälligen Jenaer Stadtschlosses beginnt.

Erstmals ist für Jena ein „Kaufhaus“ im Adressbuch ausgewiesen. Es handelt sich um das Geschäft des Kaufmanns Adolph Behrendt am Markt 17.

März: Eugen Diederichs übersiedelt mit seinem Verlag nach Jena, der 1906 ein neues Haus am Carl-Zeiss-Platz bezieht. Neben Werken der deutschen Romantik und Klassik sowie Schriften der Antike und Friedrich Nietzsches gibt der Verlag vor allem moderne Autoren heraus. Diederichs wird mit häufig unkonventionellen Aktivitäten einer der Hauptprotagonisten der Jenaer Kulturszene („Serakreis“).

6. Juli: Das erste „Paradiesfest in Jena“ begründet die Tradition der sommerlichen Paradiesfeste, die sich – mit Unterbrechungen – zu Höhepunkten im kulturellen Leben der Stadt entwickeln (zuletzt 1968).

30. Juli: Die Amerikanerin Rowena Morse promoviert zu einem philosophischen Thema als erste Frau an der Universität Jena.

29. Oktober: Das Mineralogische Institut der Universität bezieht einen mit Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung erbauten Neubau in der Schillerstraße (1945 zerstört).

1905

Die Erstellung eines neuen Stadtsiegels wird vom Jenaer Gemeindevorstand beschlossen. Dasselbe basiert auf einem Abdruck des Großen Jenaer Stadtsiegels von 1652 unter Beifügung der Weintraube und der Jahreszahl 1905. Gleichzeitig erfolgt die amtliche Festlegung auf die Stadtfarben blau-gelb-weiß, die urkundlich allerdings nicht belegt sind.

Der erste Jenaer Schrebergartenverein – „Am Forst“ Jena e. V. – wird gegründet.

14. Januar: Nach dem Tod Ernst Abbes formiert sich in der Stadt spontan ein Trauerzug von mehreren tausend Menschen.

17.-23. September: Im Volkshaus findet der Reichsparteitag der Deutschen Sozialdemokratie statt. Das Eröffnungsreferat hält August Bebel.

2. Oktober: Die Bahnstrecke Jena-Eisenberg-Crossen wird in Betrieb genommen.

14. November: Das „Neue städtische Gaswerk“ in der Löbstedter Straße nimmt seinen Betrieb auf.

1906

Fritz Stein übernimmt das Amt des Universitätsmusikdirektors (bis 1914) und die erste (außerordentliche) Professur für Musikwissenschaft an der Jenaer Universität (ab 1913).

11. Januar: Ernst Haeckel gründet den „Monistenbund“ zur Verbreitung seines auf der Darwinschen Entwicklungslehre basierenden naturwissenschaftlichen Atheismus („Monismus“).

31. Juli: Der 1861 neugegründete Studentische Singverein, inzwischen eine farbentragende, sich zur Mensur bekennende studentische Verbindung mit einem Altherrenverband, nennt sich nunmehr „Sängerschaft zu St. Pauli“ (nach dem Probenort, der Kirche des ehemaligen Paulinerklosters).

(um) 14. Oktober: In Jena und Umgebung wird des 100. Jahrestages der Schlacht von Jena und Auerstedt gedacht. In das Totengedenken mischen sich chauvinistische Töne über zu erwartende Auseinandersetzungen mit dem „Erbfeind“ Frankreich. Vor der Kirche in Vierzehnheiligen wird ein Denkmal zur Erinnerung an die preußischen und sächsischen Gefallenen (Max Unger, Berlin) eingeweiht.

2. November: Die Erhalterstaaten der Universität beschließen ein Änderung des Disziplinarstatuts. Damit sind ab dem Wintersemester 1907 Frauen , die bisher nur als Hörerinnen an der Philosophischen Fakultät zugelassen waren, zum Studium an allen Fakultäten berechtigt.

1907

Der Weinhändler und Hotelier Paul Göhre erwirbt die Marktmühle. Zusammen mit Göhres Haus am Markt sowie einem Neubau anstelle der abgerissenen Marktmühle und des Keicherschen Hauses in der Saalstraße entsteht das Gebäudeensemble Alte und Neue Göhre zwischen Markt und Saalstraße.

März: Mit Hermann Leber zieht erstmals ein direkt gewählter Sozialdemokrat in den Jenaer Gemeinderat ein, nachdem 1895 mit Reinhold Härzer ein Sozialdemokrat auf der Kandidatenlisten der linksbürgerlichen Bürgervereinigung ein Gemeinderatsmandat errungen hatte.

16. Juni: Der Ostfriedhof in Wenigenjena wird eröffnet.

1908

Unter Moritz von Rohr beginnt bei Zeiss der Aufbau der Brillenabteilung. Von Rohrs Leistungen bestehen nicht zuletzt in der weiteren wissenschaftlichen Fundierung der Brillenlehre. Die Produktion von Brillengläsern bildet für das Zeiss-Unternehmen etwa ab 1912 einen wichtigen zivilen Geschäftsbereich.

Februar/März: Der expressionistische Maler Emil Nolde hält sich in Cospeda auf, wo die „Cospeda-Aquarelle“ entstehen.

9./10. Mai: Die Deutsche Friedensgesellschaft veranstaltet im Volkshaus den ersten deutschen Friedenskongress. Der Kongress wird durch den in Kunitz wirkenden Friedenspfarrer Ernst Böhme eröffnet.

31. Juli/1. August: Die Universität begeht den 350. Jahrestag ihrer Gründung. Aus diesem Anlass wird ein neues, von dem renommierten Münchener Architekten Theodor Fischer entworfenes Universitätshauptgebäude am Fürsten-/Löbdergraben (an Stelle des abgetragenen Stadtschlosses) eingeweiht.

Ernst Haeckel übergibt der Universität das nach seinen Ideen und Skizzen im Jugendstil errichtete, aus privaten und Spenden der Carl-Zeiss-Stiftung finanzierte Gebäude des künftigen Phyletische Museums als Geschenk. Unter Haeckels Nachfolgern entsteht ein Museum zur Phylogenese (Stammesgeschichte) und Evolutionstheorie zur Präsentation der zoologisch-paläontologischen Sammlungen der Universität.

Sommer: Winzerla, Burgau und Lobeda (bis zur Burgauer Brücke) werden in das städtische Straßenbahnnetz einbezogen, wobei die Trassenführung durch die Kahlaische Straße erfolgt.

1. November: Der "Sächsisch-Thüringische Verein für Luftschiffahrt" wird in Jena gegründet. Beteiligt ist der Zeiss-Physiker Ernst Wandersleb, dem erste brillante Luftbildaufnahmen gelingen.

14. November: Die schwedische Akademie verleiht dem Jenaer Philosophen Rudolf Eucken den Nobelpreis für Literatur.

17. Dezember: Der Stadtrat beschließt die Übernahme der privaten „Pfeiffersche Lehr- und Erziehungsanstalt“ als städtische Oberrealschule. Die neunklassige, zur Hochschulreife führende Einrichtung wird in das Gebäude „Alte Universität“ („Wucherei“) am Fürstengraben verlegt und 1909 eröffnet.

1909

31. März: Das Volksbad – als öffentliche Badeanstalt auf Initiative des Volksbad-Vereins Jena mit Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung, der Sparkasse und der Stadt erbaut – öffnet seine Pforten.

Sommer: Eine Initiative des Hilfsschuldirektor Hermann Winzer schafft Kindern aus Jena die Möglichkeit einer naturnahen Erholung im Jenaer Forst. In den Folgejahren entsteht das Schullandheim „Stern“.

5. Juli: Der auf der Hochfläche des Tatzend errichtete Bismarckturm wird eingeweiht.

1. Oktober: Die Gemeinde Wenigenjena/Camsdorf wird auf ihren Antrag hin nach Jena eingemeindet. Die Zahl der Jenaer Einwohner steigt auf etwa 36.500.

14. November: Das Gemälde des Schweizer Malers Ferdinand Hodler „Auszug deutscher Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“ wird der Universität übergeben. Die Gesellschaft der Kunstfreunde von Jena und Weimar hatte Hodler 1907 für diesen Auftrag gewonnen und das Gemälde der Universität gestiftet..

1910

Am Löbdergraben 12 entsteht mit dem Hotel „Zum Fürstenhof“ mit 70 Zimmern und über 100 Betten das größte und eleganteste Hotel der Stadt (1911 eröffnet). Es muss 1920 aufgrund wirtschaftlicher Probleme schließen.

April: Die Jenaer Schützengesellschaft weiht Am Kieshügel im Norden Jenas eine großzügig gestaltete Anlage als ihr neues Domizil ein.

1911

Die Zahl der Einwohner Jenas liegt erstmals über 40.000 (41.129).

Auf Initiative des Vereins Frauenwohl eröffnet das Mütter- und Säuglingsheim für ledige Mütter in der Talstraße.

7. März: Der „Verein für Bewegungsspiele Jena“ entsteht.

12. Juli: Die Heimstätten-Genossenschaft Jena wird gegründet. Die deutschlandweit agierende Heimstättenbewegung lehnt den Mietskasernenbau ab und setzt sich für neue, aufgelockerte Wohnformen ein.

20. Juli: Der Kunsthistoriker Botho Graef, treibende Kraft bei der Entwicklung Jenas zu einer modernen Kunststadt, regt in der „Jenaischen Zeitung“ die Schaffung einer eigenen Kunstsammlung des Jenaer Kunstvereins an. Dieselbe kommt in der Folgezeit durch Erwerbungen des Vereins sowie durch Schenkungen von Künstlern zustande.

30. Juli: Auf dem Carl-Zeiss-Platz wird zur Würdigung der Lebensleistung Ernst Abbes ein Denkmal geweiht. Schöpfer des „Gesamtkunstwerkes“ sind Henry van de Velde (Entwurf des „Tempels“ als achteckiger Zentralbau), Max Klinger (Herme Abbes) und Constantin Meunier (bronzene Wandreliefs „Denkmals der Arbeit“).

10.-16. September: Die deutsche Sozialdemokratie führt im Volkshaus einen Reichsparteitag durch (erneut 1913).

1912

Die Zahl der Studenten an der Jenaer Universität übersteigt erstmals die Zweitausendergrenze.

Otto Schott erwirbt eine 5 ha große Fläche auf dem Jenaer Forst als Turn- und Waldspielplatz für Betriebsangehörige. Der „Otto-Schott-Platz“ entwickelt sich zu einem beliebten Naherholungsziel und Austragungsort für Betriebsfeste und andere Großveranstaltungen.

16. April: Der Neubau des Lyzeums in der Kaiser-Wilhelm-Straße wird eingeweiht (heute: Integrierte Gesamtschule „Grete Unrein“). Das zehnklassige Lyzeum mit zum Abitur führenden Realgymnasiumskursen, die erste öffentliche höhere Schule für Mädchen in Jena, war seit 1909 unter der Leitung von Otto Unrein entstanden.

30. September: Heinrich Singer tritt nach 23jähriger Amtszeit im Zusammenhang mit finanziellen Unregelmäßigkeiten in der Stadtverwaltung von seinem Amt als Oberbürgermeister zurück.

30. November: Der „Verein der Lobdeburgfreunde“ wird gegründet. Er schließt sich 1925 mit dem 1897 gegründeten Ortsverschönerungsverein der Stadt Lobeda zur „Lobdeburg-Gemeinde 1912 e. V.“ zusammen.

1. Dezember: Es erfolgt die Gründung des Oberverwaltungsgerichtes mit Sitz Jena als Gemeinschaftseinrichtung thüringischer Staaten (ohne Sachsen-Meiningen und den reußischen Fürstentümern).

20. Dezember: Die Stadtsparkasse Jena wird am Löbdergraben 28 eröffnet.

1913

Januar: Die Ende 1912 vorgenommenen Eingemeindungen von Lichtenhain und Ziegenhain nach Jena werden amtlich.

7. April: Die Stiftungssparkasse bezieht ihr neues Gebäude in der Postgasse (heute: Ludwig-Weimar-Gasse) 5.

Oktober: Die ersten durch die Heimstättengenossenschaft in typischer Gartenstadtstruktur errichteten Einfamilienhäuser im Ziegenhainer Tal werden bezogen.

15. Oktober: Willy Eickemeyer gründet das Konservatorium der Musik („Eickemeyersche Konservatorium“). Es spielt im Musikleben Jenas bis zu seiner Auflösung 1944 eine wichtige Rolle.

15. November: Der Neubau der Camsdorfer Brücke wird dem Verkehr übergeben. Der Abriss der alten, in ihrer Grundsubstanz aus dem Mittelalter stammenden, den Anforderungen des modernen Verkehrs nicht mehr gerecht werdenden Brücke hatte 1912 begonnen. Die neue Brücke ermöglicht die Aufnahme des Straßenbahnverkehrs nach Wenigenjena (ab 1914).

1914

31. Januar: Der Neubau der Chirurgischen Universitätsklinik mit 360 Betten wird in Betrieb genommen.

22. April: Die städtische Oberrealschule bezieht ein neu errichtetes Gebäude in der Oberen Wöllnitzer/Wöllnitzer Straße.

Ende Juli/1. August: Im Vorfeld des I. Weltkrieges ist die Stimmung unter der Jenaer Bevölkerung zweigeteilt. Zu den Kriegsbefürwortern zählen Studenten, Teile des Bürgertums sowie Gymnasiasten. Am 28. Juli versammeln sich 2.500 meist sozialdemokratisch orientierte Arbeiter zu einer Friedenskundgebung im Volkshaus. Bei Demonstrationen am Abend auf dem Markt kommt es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Kriegsgegnern und -befürwortern. Nach Kriegsausbruch übertönt die Welle der Kriegsbegeisterung Proteste und Zweifel eindeutig. Vor allem Gymnasiasten und Studenten melden sich freiwillig zum Kriegseinsatz.

1915

Die 1895 begonnene Bebauung des Damenviertels ist im Wesentlichen abgeschlossen. Es entsteht ein baulich geschlossenes Wohnviertel mit über 200 drei- bis viergeschossigen Wohnhäusern im Gründer- und Jugendstil.

2. Januar: Ein mit Spenden der Jenaer Bevölkerung finanzierter und ausgestatteter Lazarettzug B3 begibt sich mit 35 Wagons und 44 Personen Begleitpersonal an die Front.

6. Januar: Das neue Schulgebäude des Carolo Alexandrinums in der Lessingstraße (Am Steiger) wird eröffnet.

11. Januar: Aus der Kriegsnachrichten-Sammelstelle Nr. 2 des XI. Armee-Korps geht das Kriegsarchiv der Universitätsbibliothek Jena hervor.

ab Juni: Aufgrund des Arbeitskräftemangels infolge der Einberufungen an die Front werden erstmals Frauen als Straßenbahnschaffner und Briefträger eingesetzt. Im Zeiss-Betrieb kommen verstärkt weibliche Hilfskräfte, zunehmend auch Kriegsgefangene zum Einsatz.

1916

1. März: In Folge entstandener Versorgungsengpässe werden Lebensmittelämter eingerichtet und erstmals Lebensmittelkarten ausgeteilt.

23./24. April: Etwa 60 Gegner des Krieges und der sozialdemokratischen Tolerierungspolitik aus der linken Arbeiterjugendbewegung und der Spartakusgruppe treffen sich in Jena unter Leitung Karl Liebknechts zu einer illegalen Antikriegskonferenz („Osterkonferenz“).

11. Mai: Max Reger, Komponist, Dirigent, Pianist und Organist, verstirbt. Er hatte dem Musikleben der Stadt nach seiner Übersiedlung nach Jena 1915 kräftige Impulse verliehen.

16. November: An der Universität gründet sich ein „Studentinnenverein“.

1917

März: Der 1915 begonnene Bau eines Hochhaus im Hof des Zeiss-Werkes wird abgeschlossen (Bau 15). Das von dem Architekten Friedrich Pützer entworfene Gebäude mit elf Etagen gehört zu den frühesten deutschen Hochhausbauten.

9. April: Der Kunsthistoriker Botho Graef, Spiritus rector des Jenaer Kunstlebens und des Jenaer Kunstvereins, verstirbt. Der Maler und Grafiker Ernst Ludwig Kirchner stiftet daraufhin dem Jenaer Kunstverein im Gedenken an seinen Förderer 260 Holzschnitte, Lithographien und Radierungen („Botho-Graef-Stiftung“). Der wertvolle Bestand der Jenaer Kunstsammlung geht 1937 im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ weitestgehend verloren.

30. Juni: Der zum Professor für Kinderheilkunde und Leiter der mit Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung errichteten Kinderklinik berufene Jussuf Ibrahim hält seine Antrittsvorlseung. Er macht sich unter anderem um die Ausbildung von Säuglingsschwestern verdient.

Jahresmitte: Trotz Rationierungen kommt es zunehmend zu Versorgungsengpässen bei Grundnahrungsmitteln, vor allem bei Kartoffeln.

2. Jahreshälfte: Gas- und Strompreise werden bei zunehmend eingeschränkter Belieferung drastisch erhöht, die Gasversorgung wird im Oktober gänzlich eingestellt.

1918

Jahresbeginn: Die Lebensmittelversorgung verschlechtert sich drastisch, wobei die Rationen bei den wichtigsten Grundnahrungsmitteln immer weiter herabgesetzt werden. Die Wohnungsmieten steigen. Es kommt zu Protesten und Hungerunruhen.

Juli und Oktober: Die in Thüringen grassierende „Spanische Grippe“ fordert auch in Jena zahlreiche Todesopfer.

7. Oktober: Die 1917 gegründete Fachschule für Augenoptik („Großherzogliche Sächsische Optikerschule“) zur Ausbildung von Fachkräften zur Brillenfertigung wird eröffnet.

November: Mit Friedensschluss sind in Jena 1.459 Tote zu beklagen, die an den Fronten ihr Leben verloren. Die Zahl der Versehrten, Traumatisierten, der Witwen und Waisen lässt sich nicht bestimmen.

Erstmals werden Großgeldnotscheine zu 5, 10, 20 und 50 Mark in Umlauf gebracht.

9. November: Es bildet sich ein Arbeiter-und-Soldatenrat, der paritätisch aus SPD- und USPD-Mitgliedern zusammengesetzt ist (Vorsitzender: Albert Rudolph, SPD; Stellvertreter: Gertrud Morgner, USPD). Der Rat übt gegenüber der weiter im Amt befindlichen Stadtverwaltung in der Folge bestimmte Kontrollfunktionen aus.

11. Dezember: Ein „Bürgerrat“ mit dem Rechtsanwalt Gustav Lotze an der Spitze konstituiert sich als Gegengewicht zum proletarischen Arbeiter- und Soldatenrat.

1919

19. Januar: Bei den Wahlen zur Nationalversammlung erreicht bei 90%iger Wahlbeteiligung die SPD in Jena knapp 50% der Stimmen. Die linksliberale Deutsche Demokratische Partei sowie die beiden konservativen Parteien (Deutsche Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei) zusammen vereinigen rund je 20%, die USPD 7% der Wählerstimmen auf sich. Die SPD liegt auch bei den folgenden Landtagswahlen am 9. März mit 44% deutlich an erster Stelle.

3./4. Februar: In der Aula der Universität tagen der Centralverband Deutscher Industrieller und der Bund der Industriellen. Sie beschließen die Gründung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie.

25. Februar: Der Dachverein „Volkshochschule Thüringen“ gründet sich in Jena. In der Folge entsteht die Volkshochschule Jena unter der Leitung des Reformpädagogen Wilhelm Flitner.

23. März: Bei der Gemeinderatswahl erreicht die SPD bei einer Wahlbeteiligung von rund 66,5% rund 40%, die DDP rund 20%, die konservativen Parteien zusammen rund 24% und die USPD rund 16% der Wählerstimmen.

13. April: Die Deutsche Volkspartei unter Gustav Stresemann hält in Jena ihren ersten Reichsparteitag ab

1. Mai: Der erste Mai wird in Jena erstmals als gesetzlicher Feiertag begangen.

7. August: In Jena gründet sich der Allgemeine Deutsche Waffenring als Dachverband schlagender Studentenverbindungen

Der Jenaer AStA protestiert gegen die Verwendung der Farben „Schwarz-Rot-Gold“ als republikanische Reichsfarben.

9. August: Der Zoologe Ernst Haeckel, eine der herausragenden Jenaer Professorenpersönlichkeiten seiner Zeit, verstirbt.

9. Dezember: Die „Freie Volksbühne Jena“ als Bestandteil der Volksbühnenbewegung mit volksbildnerischen Zielstellungen wird gegründet. Langjähriges Vorstandsmitglied ist der Zeiss-Chemiker Mordko Herschkowitz.

1920

Die Stadt erwirbt den zwischen 1910 und 1915 entstandenen Gebäudekomplex am Löbdergraben (Nr. 12-14a) als Hauptsitz der Stadtverwaltung.

1. Mai: Das Reichsgesetz über die Bildung des Landes Thüringen, in welchem die bisher bestehenden acht thüringischen Kleinstaaten (mit Ausnahme von Coburg) aufgehen, tritt in Kraft. Landeshauptstadt wird Weimar.

4.-15. Oktober: In den Rosensälen konstituiert sich die neugewählte Landessynode als 1. Landeskirchentag der Thüringer Evangelischen Kirche.

1921

Zwei Räume des Inspektorhaus im Botanischen Garten werden als erste Goethe-Gedenkstätte in Jena eingerichtet.

11. März: Die Verfassung des neugegründete Landes Thüringen wird verabschiedet. Das im Wesentlichen von dem Jenaer Rechtsprofessor Eduard Rosenthal geschaffene Verfassungswerk gilt vor allem aufgrund der Einräumung weitreichender Rechte des Landtages gegenüber der Landesregierung als vorbildlich demokratisch.

1. April: Die bisher von den vier ernestinischen Staaten unterhaltenen (Gesamt-)Universität Jena wird zur "Thüringischen Landesuniversität".

28./29. Mai: Ein Denkmal für die militärische Spezialeinheit der Blinker (Signalgeber), die während des I. Weltkrieges in Jena ausgebildet worden waren, wird auf dem Landgrafen eingeweiht

18. Juni: In der Aula der Universität gründet sich die Gesellschaft der Freunde der Thüringischen Landesuniversität e. V., die sich die Unterstützung der Universität in enger Verbindung von regionaler Wirtschaft und Hochschule zur Aufgabe macht.

19.-24. September: Unter der Leitung von Max Wien findet in Jena der erste deutsche Physikertag statt.

13. Oktober: „Jenaer Glas“ wird als Markenname beim Deutschen Reichspatentamt eingetragen. Er steht zunächst für ein breites Sortiment an Geräte- und Laborglas, in den 1920/30er Jahren wird die Produktion mit Designs von Wilhelm Wagenfeld, Gerhard Marcks und Laszlo Moholy-Nagy auf hitzebeständiges Haushaltsglas erweitert.

November: Die aus der USPD hervorgegangene KPD verlegt die Bezirksleitung „Großthüringen“ von Erfurt nach Jena. Ihr politischer Leiter ist bis 1923 Walter Ulbricht.

1. Dezember: Die Stadtbank zu Jena wird nach Übernahme der Giro- und Wertpapierabteilung der Stadtsparkasse eröffnet. Sie muss 1938 wegen Liquiditätsproblemen schließen und wird der Stadtsparkasse angegliedert.

6. Dezember: Der Verein Jenaer Wirtschaftshilfe – auch Jenaer Studentenhilfe – wird in Jena als Netzwerk örtlicher Serviceeinrichtungen für Studierende gegründet.

1922

Bei der Firma Carl Zeiss werden erste Überlegungen angestellt, Teile der Produktion aus der Innenstadt zu verlagern. Sie münden in den schrittweisen Aufbau des Südwerkes im Vorort Lichtenhain. In einem ersten Schritt werden bis 1924 (bzw. 1929) die von dem Jenaer Architekturbüro Schreiter&Schlag projektierten Bauten 23 und 23a (später VEB Jenapharm) realisiert.

13. April: Das Hochbaum-Homeyer-Heim – benannt nach den beiden Stiftern – auf der „Schweizerhöhe“ wird eingeweiht. Es dient der Erholung kranker und unterernährter Kinder.

6. Juni: Das als Einrichtung der Carl-Zeiss-Stiftung gegründete Optische Museum wird eröffnet. Im Okt. 1924 zieht es das neu errichtete Gebäude der Staatlichen Optikerschule am Carl-Zeiss-Platz 12 um.

27. Juni: Die Jenaer Ortsgruppe der DDP führt im Volkshaus eine Trauerfeier für den ermordeten Reichsaußenminister Walther Rathenau durch. Hauptredner ist der stellvertretende Parteivorsitzende, der Jenaer Rechtsprofessor Heinrich Gerland.

1. Juli: Als Reaktion auf den Rathenaumord bildet sich an der Universität ein „Block republikanischer Studenten“.

8. Juli: Das thüringische Lehrerbildungsgesetz etabliert an der Universität – gegen den Widerstand eines größeren Teils des Lehrkörpers – die akademische Volksschullehrerausbildung.

31. Juli/1. Aug.: In Jena gründet sich das Republikanische Studentenkartell (auch: Reichskartell der Deutschen Republikanischen Studentenschaft, ab 1928: Deutscher Republikanischer Studentenbund) als Zusammenschluss linker und liberaler Studentenverbände.

24. September: Das von Walter Gropius und den Bauhaus Werkstätten umgebaute Stadttheater wird eröffnet. Die Bespielung erfolgt durch das Deutsche Nationaltheater in Weimar.

1. Oktober: Die Stadt Lobeda und die Dörfer Ammerbach, Burgau, Kunitz, Löbstedt, Winzerla, Wöllnitz, Zwätzen und Göschwitz (1923) werden auf der Grundlage eines Landesgesetzes nach Jena eingemeindet. Die Einwohnerzahl Jenas steigt dadurch auf knapp 56.000 an. Lobeda, Kunitz, Wöllnitz und Göschwitz erhalten 1924 den Status einer politisch selbständigen Gemeinde zurück.

1923

14. Februar: Sich zur Demokratie bekennende Jugendorganisationen schließen sich zum „Jugendring Jena“ zusammen.

1. September: Die Firmen Zeiss und Schott erklären sich bereit, die vorrangig aus privaten Spenden hervorgegangene Notküche monatlich mit beträchtlichen Mittel zu unterstützen. Die Einrichtung im Schützenhaus gibt täglich zwischen 800 bis 1.000 Essenportionen vorrangig an Rentner und Erwerbslose aus. Die Zahl der Erwerbslosen in Jena steigt bis Jahresende auf 1.700 an.

4. September: Die Reichszentrale für Erdbebenforschung wird in Jena gegründet (Am Fröbelstieg 3).

15. Oktober: An der Universität schließen dich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften zu einer gemeinsamen Fakultät zusammen. Mit der „Rothenberg-Bibliothek“ – gestiftet durch den Exportkaufmann Erich Rothenberg – verfügt sie über eine reichsweit herausragende Fachbibliothek.

Herbst: Der „Thüringer Hochschulkonflikt“ zwischen Landesregierung und Universität eskaliert aufgrund der von der Universitätsleitung nicht gebilligten Berufung von Hochschullehrern.

Oktober/November: Die Hyperinflation erreicht mit wöchentlichen Steigerungsraten der Geldentwertung und Teuerung von bis zu 600% ihren Höhepunkt. Die reichsweite Einführung der Rentenmark am 15. November leitet eine Währungsstabilisierung ein.

November: Das Volksbildungsministerium beruft gegen den Widerstand der Medizinischen Fakultät Emil Klein auf eine Professur für Naturheilverfahren. Die von Klein begründete Poliklinik für Naturheilverfahren (1924) gehört zu den ersten ihrer Art an einer deutschen Universität.

1924

Am Forstweg 24 entsteht in Zusammenarbeit zwischen der Thüringischen Landes-Versicherungs-Anstalt und der Tuberkulosefürsorgestelle an der Medizinischen Universitäts-Poliklinik zu Unterrichts- und Forschungszwecken eine Tuberkuloseklinik. Unter der Leitung von Felix Lommel und Julius Emil Kayser-Petersen kann durch ihre Tätigkeit einerseits die Tuberkulosesterblichkeit in Jena in den 1920er Jahren rapide gesenkt werden, andererseits übernimmt Thüringen ab 1930 eine Vorreiterrolle bei Zwangsmaßnahmen gegen Tuberkulosekranke.

Dem Neurologen Hans Berger gelingt es, Spannungsschwankungen im menschlichen Gehirn aufzuzeichnen und mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) eine Methode zur Messung der Hirnströme zu entwickeln. Er legt damit die Grundlagen moderner neurologischer Diagnostik und der Neuropsychologie. Seine Leistungen werden 1940 mit der Nominierung für den Nobelpreis gewürdigt.

Unter Mitwirkung von Julius Schaxel, außerordentlicher Professor für Zoologie, entsteht der Urania-Verlag. Sozialistisch ausgerichtet, widmet er sich – unter anderem durch die Herausgabe der populärwissenschaftlichen Zeitschrift „Urania“ – der Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse unter der Arbeiterschaft.

Der Universitätsprofessor Felix Auerbach lässt sich durch das Architekturbüro Gropius ein Wohnhaus in der Schaefferstraße errichten („Haus Auerbach“). Es ist nach dem vom Bauhaus entwickelten Baukastensystem konzipiert.

10. Februar: Bei den Wahlen zum III. Thüringer Landtag erreichen in Jena die im „Ordnungsbund“ vereinigten bürgerlichen Parteien 45%, die SPD nur noch 19%, die KPD fast 27% und völkisch-nationalsozialistische Gruppierungen 8% der Wählerstimmen.

10. März: Nach Aufhebung des thüringenweiten NSDAP-Verbots gründet sich in Jena eine NSDAP-Ortsgruppe.

April: Der 1923 an die Universität berufene Reformpädagoge Peter Petersen beginnt mit der praktischen Erprobung seines pädagogischen, später als "Jenaplan-Pädagogik" international schulbildenden Konzepts an der von ihm umgestalteten universitären Versuchsschule.

2. Juni: In Jena erfolgt die Gründung einer Montessori-Schule, nachdem bereits ab Sept. 1923 ein Kinderheim nach den Grundsätzen der Montessori-Pädagogik geführt wird. Zwischen 1924 und 1932 werden jährlich 25 bis 30 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren altersgemischt in einer Klasse unterrichtet.

12. August: Eine erste Erinnerungsstätte an das Wirken Friedrich Schillers in Jena im ehemals Schillerschen Gartenhaus im Schillergäßchen wird eröffnet. Ihr Gestalter ist der bis 1922 als Kurator der Universität wirkende Max Vollert.

23. August: Der durch das Land Thüringen finanzierte Neubau der Hautklinik der Universität in der Erfurter Straße wird übergeben.

24. August: Das im Wesentlichen durch freiwillige Arbeitsstunden der Mitglieder des 1. Sportvereins Jena errichtete Stadion in der Oberaue wird eingeweiht (heutiges "Ernst-Abbe-Sportfeld").

20. Oktober: Die 1918 eröffnete Optikerschule – seit 1919 (bis 1951) von Hermann Pistor geleitet – bezieht einen vom Architekturbüro Schreiter & Schlag entworfenen Neubau am Carl-Zeiss-Platz.

1925

Der Assyriologe und Archäologe Hermann Volrath Hilprecht (Philadelphia) vermacht der Universität eine Sammlung von ca. 3.300 archäologischen Fundstücken aus Vorderasien. Sie wird als „Frau Professor Hilprecht Sammlung Babylonischer Altertümer“ bzw. „Hilprecht-Sammlung Vorderasiatischer Altertümer“ auch der Öffentlichkeit zugänglich.

5. Januar: Die entsprechend der Verordnung über das Thüringer Polizeischulwesen vom 15. Dez. 1924 eingerichtete Höhere Polizeischule Jena wird eröffnet.

15. März-12. April: Der Kunstverein Jena veranstaltet eine Personalausstellung des Malers und Bauhauslehrers Wassily Kandinsky mit rund 100 Gemälden, Aquarellen und Grafik im Prinzessinnenschlösschen.

1. April: Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer an der Universität werden aus der Philosophischen Fakultät ausgegliedert und in einer neuen Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät zusammengefasst, zu der auch das Landwirtschaftliche Institut und die Psychologische Anstalt gehören.

19. November: Adolf Hitler spricht erstmals auf einer Großveranstaltungen der NSDAP im Volkshaus.

Jahresende: Abraham Esau, Professor für Technische Physik, führt zwischen Jena und Kahla die weltweit erste UKW-Übertragung durch.

1926

Der 1925 begonnene Rathausumbau durch den Dresdner Architekten Emil Högg ist abgeschlossen. Unter anderem erfolgt der Einbau einer Gaststätte im Erdgeschoss.

1. Mai: Auf Initiative Adolf Reichweinsder 1924 die Leitung der Einrichtung von Wilhelm Flitner übernommen hatte – kann die Volkshochschule Jena mit Unterstützung der Carl-Zeiss-Stiftung ein Jungarbeiterheim am Beutenberg eröffnen.

9.-11. Mai: Im Rahmen der Akademischen Konzerte findet das erste Max-Reger-Fest statt.

18. Juli: Das Zeiss-Planetarium wird als weltweit älteste Einrichtung seiner Art eröffnet. Die grundlegende Form für ein Planetariumsgerät auf der Basis optomechanischer Lichtprojektion, das bereits 1924 als Modell in München Verwendung gefunden hatte, stammt von dem Zeiss-Physiker Walther Bauersfeld, das Planetariumsgebäude im Prinzessinnengarten basiert auf einem Entwurf des Architektur-Büros Schreiter & Schlag.

23.-26. Juli: In Jena findet das 12. Thüringer Kreisturnfest statt. Neben Mitgliedern der zahlreichen Jenaer Turnvereine nehmen etwa 8.000 auswärtige Teilnehmer daran teil.

15. September: Nach dem Tod des Philosophen Rudolf Euckens wird dessen Wohnhaus in der Botzstraße auf Wunsch seiner Witwe Irene Eucken zum Zwecke der Erhaltung und Verbreitung des geistigen Erbes Euckens der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und 1928 eröffnet..

1927

30. Januar: Aus den Wahlen zum IV. Thüringer Landtag geht die SPD in Jena mit rund 31% als Sieger hervor, während die beiden konservativen bürgerlichen Parteien rund 28.6% an Wählerstimmen auf sich vereinigen.

7. Februar: Auf Initiative Grete Unreins und des Jenaer Hauptfrauenvereins entsteht in Löbstedt das Thüringer Mütterheim, das bedürftigen, meist unehelichen Müttern medizinische Betreuung und soziale Hilfestellung vor und nach der Geburt bietet.

2. April: Das Kino „Capitol“ am Löbdergraben 29 (Gebäudeentwurf durch Architekturbüro Schreiter & Schlag) wird eröffnet. Es entwickelt sich zu der mit Abstand am stärksten frequentierten Lichtspieleinrichtung in Jena.

1928

Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband erwirbt das Schloss in Lobeda einschließlich des umgebenden Terrains. Aus einem hier eingerichteten Jugend- und Wanderheim geht in der Folgezeit eines der ersten Sportsanatorien Deutschlands hervor.

13. Juni: Die in Stahlbeton-Bauweise ausgeführte neue Paradiesbrücke wird eingeweiht. Sie ersetzt die 1882 von der Schützengesellschaft für den Fußgängerverkehr errichtete eiserne „Schützenbrücke“. Diese wird an das Rasenmühlenwehr versetzt und dient als Zugang zu den Sportplätzen in den Wöllnitzer Wiesen.

9. September: Auf dem Windknollen entsteht eine Segelflughalle für den institutionalisierten Segelflugsport.

1929

Im Paradies wird das im Auftrag der Carl-Zeiss-Stiftung für die Ernst-Abbe-Jugend vom Architekturbüro Schreiter&Schlag entworfene Bootshaus fertiggestellt.

19. Februar: Wilhelm Rein – seit 1886 Professor in Jena – einflussreicher und letzter Vertreter der pädagogischen Richtung des Herbartianismus, verstirbt. Rein hatte das Pädagogische Seminar mit seiner Übungsschule zu einem Institut von Weltruf ausgebaut und die Volkshochschulbewegung gefördert. Berühmtheit erlangten die von ihm begründeten Ferienkurse zur Lehrerfortbildung.

10. April: Das Stadtmuseum eröffnet eine volkskundliche Außenstelle im Siedelhof (Altjenaer Weinbauerngehöft) Hinter der Kirche.

29./30. Mai: Das VII. Deutsche Brahmsfest, gestaltet von den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler, findet in Jena statt.

2. Juni: Die ehemalige Militärschwimmanstalt an der Saale bei Lichtenhain wird – nunmehr in städtischem Eigentum – als „Stadtbad“ neu eröffnet. Das erste Jenaer Freibad ohne Geschlechtertrennung ist für etwa 3.000 Besucher ausgelegt.

21. Oktober: Mit der Südschule An der Tatzendpromenade wird ein weiterer großer Jenaer Volksschulbau eingeweiht. Ihr Direktor Paul Patzer erlangt auch als Chorleiter, Musikkritiker und Leiter heimatkundlicher Wanderungen Bedeutung für Jena.

1. November: Arthur und Hans Behrendt eröffnen im Haus Unterm Markt 8 eine Filiale Einheitspreis-Handelsgesellschaft Wohlwert. Sie ist nach modernen, in den USA entwickelten Prinzipien des Einzelhandels eingerichtet.

13. November: Die Thüringische Landesturnanstalt zur Ausbildung von Turnlehrern und Sportwarten nimmt ihre Tätigkeit auf (ab 1934 Institut für Leibesübungen an der Universität). Für das neuerbaute Gebäude der Anstalt in der Oberaue bürgert sich aufgrund der architektonischen Gestaltung die volksmundliche Bezeichnung „Muskelkirche“ ein.

24. November: Auf dem Hainberg (früher Galgenberg) wird ein Ehrenmal für die im I. Weltkrieg gefallenen Jenaer Bürger geweiht. Die Stadt hatte dafür bereits 1921 einen Wettbewerb ausgelobt. 1926 erhält der Dresdner Architekt Emil Högg den Zuschlag. Finanziert wird des Denkmal im Wesentlichen durch Spenden von Unternehmen und Privatpersonen.

1930

Januar: Bau 29 des Zeiss-Hauptwerke, der den südöstlichen Abschluss zur Altstadt bildet, ist im Rohbau fertiggestellt (Architekt: Emil Fahrenkamp; Entwicklung der Rahmendecken, die die Überspannung großer Räume bei Aufnahme enormer Lasten ohne Unterzüge ermöglichen: Georg Rüth).

31. Juli: Das Abbeanum als Lehr- und Forschungsgebäude der Universität für das Optische Institut und das Institut für Angewandte Mathematik wird – ausgeführt durch die Staatliche Hochschule für Handwerk und Baukunst in Weimar unter den Architekten Ernst Neufert und Otto Bartning der Universität übergeben.

15. November: Der gegen den Willen der Universitätsleitung durch den thüringischen Innenminister Frick (NSDAP) auf einen neugeschaffenen Lehrstuhl für Sozialanthropologie berufene Hans F. K. Günther, einer der Hauptvertreter der nationalsozialistischen Rasseideologie, hält seine Antrittsvorlesung in Anwesenheit Hitlers, Görings und andere Nazi-Größen.

13. Dezember: Das Studentenhaus am Philosophenweg – vom Verein Jenaer Studentenhilfe in Auftrag gegeben (Architekt: Ernst Neufert, Staatlichen Bauhochschule Weimar) – wird eingeweiht. Neben einer Großküche beherbergt es unter anderem ein Café, Vortrags- und Veranstaltungsräume, Aufenthaltsräume für Studierende und die Büros der Studentenhilfe.

1931

Der Bauhauskünstler Wilhelm Wagenfeld übernimmt als freier Mitarbeiter die Formgestaltung des im Schottwerk seit 1918 produzierten hitzebeständigen Haushaltsglases („Jenaer Glas“). Bis 1937 entwirft er ein umfangreiches Sortiment für hitzebeständiges Hauswirtschafts- und Beleuchtungsglas, wobei die für Schott entworfene Teekanne in die Geschichte des Industriedesigns eingeht.

Der Bienenkundler und Pfarrer August Ludwig richtet am Steiger den Universitätslehrbienenstand ein („Bienenhaus“).

1932

7. Februar: Im „Berliner Tageblatt“ schildert der amerikanische Journalist Knickerbocker die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Jena in der Weltwirtschaftskrise als erstaunlich stabil („Oase Jena“).

18. November: Für ihr soziales Engagement, den Einsatz für Mädchenbildung und die Schaffung eines Kinderkrankenhauses wird Grete Unrein, der Tochter Ernst Abbes, als erster Frau in Jena das Ehrenbürgerrecht verliehen.

4. Dezember: Bei den letzten freien Gemeinderatswahlen vor der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur wird die SPD in Jena trotz Verlusten mit rund 25% (= 9 Mandate) wählerstärkste Partei. NSDAP und KPD erreichen jeweils rund 22% (je 8) und die bürgerlichen Parteien zusammen rund 30% Stimmenanteil (zusammen 10).

1933

25./26. Februar: Der jüdische Professor Felix Auerbach und seine Gattin Anna, die beide über lange Zeit das gesellschaftliche und geistig-kulturelle Leben der Stadt mitgeprägt hatten, scheiden durch Suizid aus dem Leben.

31. März: Die Montessori-Schule in Jena muss geschlossen werden, nachdem Land und Stadt die Finanzierung einstellen.

5. März: Bei den bereits unter Ausnahmebedingungen durchgeführten Reichswahlen wird die NSDAP in Jena mit rund 33% stärkste Partei (gegenüber 47% in Thüringen). Die SPD kommt auf 26%, die weitgehend in der Illegalität befindliche KPD auf rund 18% (in Thüringen 20 bzw. 15%), die rechtskonservativen bürgerlichen bzw. liberalen Kräfte erreichen jeweils rund 10%. Im nach dem Ersten Gleichschaltungsgesetz (31. März) entsprechend des Reichstagswahlergebnis umgebildeten Jenaer Gemeinderat erhalten die NSDAP 13, die SPD 8, der rechtskonservative Kampfbund Schwarz-Weiß-Rot 3 und die Deutsche Staatspartei ein Mandat (die KPD-Mandate werden annulliert).

21. März: Mehrere Straßen werden nach NSDAP-Größen benannt bzw. umbenannt. Im Mai folgen weitere Umbenennungen von Straßen sowie der meisten Schulen.

1. April: Dem ersten reichsweiten Boykott gegen jüdische Geschäfte, Arztpraxen und Rechtsanwaltskanzleien wird in Jena weitgehend Folge geleistet.

7. April: Auf der Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ werden die jüdischen Universitäts-Professoren Brauner, Josephy, Klein, Meyer-Steineg, Peters und Simmel sowie weitere Mitarbeiter aus "rassischen Gründen" beurlaubt bzw. entlassen. Weitere Entlassungen, Beurlaubungen und vorzeitige Versetzungen in den Ruhestand erfolgen aus politischen Gründen.

2. Mai: Das Gewerkschaftshaus in der Bachstraße wird durch Trupps der Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation des Zeiss-Werkes besetzt und der Deutschen Arbeitsfront zur Nutzung übergeben.

9. Juni: Nach Verbot und Auflösung der meisten Arbeitersportvereine schließt sich der Turnverein Glashütte mit dem Werksorchester zum “Turn-, Sport- und Musikverein Glaswerk Jena” zum „TSM Glaswerk“ zusammen und nimmt Sportler aus aufgelösten Vereinen auf.

25. Juli: Im Lobedaer Schloss wird die „Landesführerschule II“ der NSDAP eröffnet („Schulungsburg“ der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront), nachdem der Anlagenkomplex in den Besitz der DAF übergegangen war.

28. Juli: Der NSDAP-Kreisleiter und bisherige ehrenamtliche Beigeordnete Armin Schmidt wird vom NSDAP-beherrschte Stadtrat per Akklamation zum Oberbürgermeister erhoben. Nach einem mit fadenscheiniger Begründung gegen den amtierenden Oberbürgermeister Alexander Elsner eingeleiteten Dienststrafverfahren war Schmidt durch das Thüringer Innenministerium mit der kommissarischen Führung der Geschäfte beauftragt gewesen.

26. August: Zum ersten Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme in Thüringen führen die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation des Zeiss-Werkes und die Hitlerjugend auf dem Markt eine Bücherverbrennung durch. Verbrannt werden wahrscheinlich die kurz zuvor beschlagnahmten Bücherbestände der SPD-Geschäftsstelle und des Gewerkschaftshauses.

6. November: Die Landesregierung verfügt eine Revision der Hauptsatzung der Universität, die die akademische Selbstverwaltung durch das „Führerprinzip“ ersetzt (Rektor als „Führer der Universität“). Als Zwangsorganisation des Lehrkörpers wird die „Dozentenschaft“ etabliert.

1934

1. Januar: Das Erbgesundheitsobergericht Jena nimmt seine Tätigkeit auf. Es verhandelt Berufungen gegen die von den Erbgesundheitsgerichten verhängten Sterilisierungsanordnungen. Mehrere prominente Jenaer Mediziner beteiligen sich als Gutachter an der Tätigkeit des Gerichts und verleihen damit den von den Nationalsozialisten verübten Medizinverbrechen einen rechtlichen Anstrich.

Mai: Der Physiker Abraham Esau, Rektor der Universität, wird zum Stiftungskommissar der Carl-Zeiss-Stiftung berufen. Er löst Julius Dietz ab, dessen Versuche, die Carl-Zeiss-Stiftung im Auftrage der NSDAP-Landesregierung de facto zu verstaatlichen, damit gescheitert sind.

1. Juni: Karl Astel, Leiter des Landesamtes für Rassewesen, erhält an der Universität eine Professur für „menschliche Züchtungslehre und Vererbungsforschung“ (später: für „menschliche Erbforschung und Rassenpolitik“). Astel, dem ab 1936 im thüringischen Innenministerium das gesamte öffentliche Medizin- und Gesundheitswesen Thüringens untersteht, treibt die Ausrichtung der Universität, der er von 1939 bis 1945 als Rektor vorsteht, auf die NS-Rassenpolitik und „-hygiene“ weiter voran.

8. August: Der durch Mittel der Stiftungsbetriebe und Staatskredite finanzierte Neubau des Schlachthofes in der Löbstedter Straße nimmt den Betrieb auf. Es ersetzt das modernen Ansprüchen nicht gerecht werdende Schlachthaus der J.er Fleischerinnung am Löbdergraben („Tonnenmühle“).

15. Oktober: Ein Städtisches Kulturamt, das direkt dem Oberbürgermeister unterstellt unterstellt ist, nimmt seine Arbeit auf.

9. November: Im Rahmen der Feiern zu Schillers 175. Geburtstag absolviert das neu gegründete "Städtische Sinfonieorchester" unter seinem Dirigenten Ernst Schwaßmann seinen ersten öffentlichen Auftritt.

10. November: Die Landesuniversität Jena erhält auf einem Festakt den Namen „Friedrich-Schilller-Universität“.

1935

30. Jan.: Mit dem Zweiten Reichsstatthaltergesetz und der Deutschen Gemeindeordnung werden Stadt- und Gemeinderäte als beschließende Instanzen aufgehoben. Ernannte „Ratsherren“ bilden ein Beratergremium des Oberbürgermeisters ohne jegliche Kompetenz.

25. Febr.: Erstmals wird in Jena eine Verdunkelungsübung durchgeführt.

13. Mai: Mit der Gründung der Carl Zeiss-Siedlungs GmbH unter dem Dach der Carl-Zeiss-Stiftung institutionalisiert das Zeiss-Unternehmen den Bau so genannter Siedlungshäuser zur Wohnraumbeschaffung für seine Beschäftigten. In der Ringwiese entstehen bis 1938 mehr als 250 Zweifamilien-Siedlungshäuser mit Nutzgärten. Zwischen Juni 1937 und Dez. 1942 erfolgt der Bau der Wohnsiedlung am Schlegelsberg mit insgesamt 722 Wohnungen.

27. Aug.: Otto Schott, Mitbegründer der Jenaer Glaswerke und einer der Hauptakteure des wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Lebens in Jena, verstirbt im 84. Lebensjahr.

18. Okt.: Die feierliche Übergabe der Traditionsfahne der Jenaer Urburschenschaft an den NS-Studentenbund auf der Wartburg steht symbolisch für das Ende der Burschenschaften und Korporationen und ihr Aufgehen im NS-Studentenbund, ohne dass alle Burschenschafter den rückhaltlosen Nazifizierungskurs ihrer Bundesführung unterstützen.

Jahresende: Baubeginn der Kasernen in der Dornburger und Naumburger Straße in Löbstedt und Zwätzen. Mit ihrer Fertigstellung und dem Einzug von Verbänden der Wehrmacht (Artillerieregiment 24; Infanterieregiment 103) 1936/37 wird Jena wieder Garnisonsstadt.

1936

In Jena leben erstmals mehr als 60.000 Einwohner (offiziell: 61.361).

20.-28. Juni: Auf der Grundlage einer willkürlich auf das Jahr 1236 datierten Urkunde begeht die Stadt mit einer Festwoche das 700jährige Jubiläum der Stadt-Erhebung.

23. Aug.: Auf dem Hausberg wird ein durch die Fuchsturm-Gesellschaft Jena e. V. angelegter Ehrenhain geweiht. Er dient dem Bund der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden als „Thingort“.

September: Die Schriftstellerin Ricarda Huch übersiedelt nach Jena, wo ihr Schwiegersohn Franz Böhm eine juristische Professur übernimmt. Um Ricarda Huch bildet sich ein Kreis von Intellektuellen, die dem NS-Regime kritisch gegenüberstehen.

1. Oktober: Im neuerbauten Mehrzweckbau „Deutsches Haus“ am Holzmarkt wird ein „Lichtspieltheater“ mit einem NS-Propagandastreifen eröffnet. Das Kino wird nach 1945 als „Palast-Theater“ weitergeführt und stellt 1993 den Spielbetrieb ein.

1937

Das teilweise Stadtgebiet umfassende Leutratal wird zum Naturschutzgebiet erklärt (1961 endgültig als NSG „Leutratal“ ausgewiesen).

April: Der jüdische Kaufmann Arthur Behrendt ist gezwungen seine beiden Kaufhäuser am Markt unter Wert zu verkaufen. Das Wohlwert-Kaufhaus wird unter dem Namen „Heka“ („Hepprichs Kaufhaus“ nach dem Käufer Hepprich) weitergeführt.

Sommer: Der Jenaer Kunstverein verliert durch die NS-Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ den größten Teil seines Bestand an Werken der künstlerischen Moderne.

November: Paul Müller löst Armin Schmidt Beauftragter (Kreisleiter) der NSDAP für die Stadt Jena ab. Schmidt bleibt Oberbürgermeister der Stadt.

6. November: Nach Umbau wird die vom Lesehallenverein getragene Lesehalle und Leihbibliothek im Volkshaus als „Ernst-Abbe-Bücherei und Lesehalle“ neueröffnet. Leiter ist der Bibliothekar Joseph Caspar Witsch.

19. Dezember: Der Abschnitt Meerane-Jena (mit dem Hermsdorfer Kreuz) der Autobahnstrecke Dresden-Frankfurt/M. wird dem Verkehr übergeben.

1938

Um die ehemaligen KPD-Funktionäre Magnus und Lydia Poser entsteht in Jena und Umgebung ein Widerstandsnetzwerk von etwa 30 Personen. Die Gruppe, der nicht nur frühere Mitglieder der KPD angehören, betreibt unter anderem direkte Agitation durch das Anbringen von Losungen und Druck und Verteilung von Flugblättern.

Der Bau der Fernstraße nach Weimar zerschneidet den historischen Johannisfriedhof. Der älteste Teil bis zur Wagnergasse wird aufgelöst, die meisten Gräber werden in den verbliebenen Teil umgebettet.

Jahresbeginn: Es erfolgt die komplette Zuschüttung des im Mittelalter künstlich angelegten Saalearmes „Lache“ im Bereich der Straßen Am Rähmen, Gerbergasse und Am Anger.

Ende Oktober: Vier jüdische Familien und zwei alleinstehende Frauen werden im Rahmen der so genannten Polenaktion nach Polen abgeschoben und dort nach der deutschen Besetzung des Landes mit großer Wahrscheinlichkeit ermordet.

November: Das Bakteriologische Laboratorium des Jenaer Glaswerks Schott & Genossen wird gegründet. Seine Leitung übernimmt Hans Knöll.

9./10. November: In der so genannten Reichspogromnacht werden 59 noch in Jena verbliebene jüdische Frauen und Männer verhaftet, 18 Männer in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt, von wo sie erst nach Wochen wieder freigelassen werden. Der in den Jenaer Glaswerken tätige Ingenieur Max Grossmann verstirbt hier aufgrund von Misshandlungen. Am 10. November kommt es zu Übergriffen, vor allem gegen jüdische Geschäfte. Kinder aus jüdischen Familien werden in der Folgezeit generell vom Schulbesuch ausgeschlossen.

12. November: Die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Geschäftsleben“ verbietet jüdischen Inhabern das Betreiben von Einzelhandelsgeschäften endgültig. Unter Leitung des Kaufmanns Carl Schmidt werden im Folgenden die letzten in Jena verbliebenen jüdischen Geschäfte aufgelöst und abgewickelt.

1939

11. Februar: Walter Grundmann, führender Vertreter der Glaubensbewegung Deutsche Christen, hält als Professor für Neues Testament und Völkische Theologie seine Antrittsvorlesung (1938 berufen). Grundmann zählt zu den Mitbegründern des „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ in Eisenach.

18. August: Mit der Fertigstellung der das gesamte Tal einschließlich zweier Bahnstrecken und einer Landstraße überspannenden Saaletalbrücke bei Göschwitz (Baubeginn: März 1936) wird der Autobahnabschnitt Jena-Weimar eingeweiht. An der Bauausführung und -gestaltung ist der Jenaer Steinmetzbetrieb Späte beteiligt. Die Saaletalbrücke ist bis heute die längste Natursteinbogenbrücke Mitteldeutschlands.

26. August: Im Rahmen des 5. Zeiss-Betriebssportfestes erhält das Jenaer Stadion den Namen "Ernst-Abbe-Sportfeld".

Ende August/September: Im Zuge der Generalmobilmachung werden Fleisch, Zucker, Milch, Speisefett, später auch Brot und Kartoffeln sowie Seife und Bekleidung rationiert. Bei der Stadtverwaltung wird ein „Ernährungs- und Wirtschaftsamt“ zur Koordinierung diese Maßnahmen geschaffen. Mit dem Überfall auf Polen steht das Abhören ausländischer Sender unter Strafe.

Jahresende: In den Dörfern um Jena werden die ersten polnischen Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt.

1940

In städtischen und Stiftungsbetrieben kommt es zunehmend zum Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter. Ihre Gesamtzahl steigt bis Anfang Mai 1945 auf etwa 14.000 an.

Juli/August: Nach Kriegsbeginn zeitweilig in Jena untergebrachte Evakuierte aus dem Saarland können in ihre Heimat zurückkehren.

18./19. August: Erste Luftangriffe auf Jena verursachen nur geringe Schäden.

Oktober: Das Erscheinen der „Jenaer Judengeschichte“ von Gerhard Buchmann ist Bestanteil der ins Extrem gesteigerten, die „Endlösung“ der Judenfrage vorbereitenden antijüdischen Hetze in Deutschland.

Die in Jena ausgebildeten Polizeirekruten werden nach Abschluss der Ausbildung als Polizeibataillon 311 Jena unter ihrem Kommandeur Major Walter Danz nach Krakau versetzt. Die Einheit ist in der Folgezeit an Kriegsverbrechen beteiligt.

10. Oktober: Im Rahmen der von Hitler angeordneten „Sonderaktion Luftschutzbau“ beginnt der Bau von neun Hochbunkern im Stadtgebiet. Die Klassifizierung Jenas als „Luftschutzort I. Ordnung“ (als einzige Stadt Thüringens) begünstigt diese Bauvorhaben.

1941

Mai: Auf dem neuerbauten Flugplatz Jena-Schöngleina beginnt das Ausbildungsprogramm im Segelflug, in erster Linie für Studenten. Daneben dient der Flugplatz Versuchsflügen für die Rüstungsforschung sowie der Luftwaffe als Ausweichflugplatz.

11. November: Clara Rosenthal, die Witwe des um die Entwicklung von Universität, Stadt und Land Thüringen äußerst verdienstvollen Professor Eduard Rosenthal, begeht angesichts verstärkter antijüdischer Schikanen und geplanter Vertreibung aus ihrer Wohnung Selbstmord. Die Villa Rosenthal war 1928 der Stadt Jena testamentarisch übereignet worden.

1942

10. Mai: In einem ersten Transport werden Juden aus Mitteldeutschland nach Bełżyce im besetzten Polen deportiert, wo sie bis Jahresende entweder umgebracht oder von dort in die neu entstehenden Vernichtungslager verbracht werden. Aus Jena betrifft dies neun Personen.

7. September: Der Fabrikant Wilhelm Härdrich gründet die gemeinnützige Wilhelm-Härdrich- Stiftung, in erster Linie zur Unterstützung der Arbeit des Jenzig-Gesellschaft und der anderen Jenaer Berggesellschaften.

20. September: Zu einem Transport von fast 900 Juden aus Thüringen in das Lager Theresienstadt gehören acht Personen aus Jena.

1943

27. Mai: Schnellbomber der Royal Air Force attackieren im Tiefflug die Zeiss- und Schott-Werke, aufgrund der Rüstungsproduktion zu diesem Zeitpunkt vorrangige Angriffsziele der Alliierten. Zwölf Menschen verlieren ihr Leben.

1944

Ende Juni: Die Arbeiten zur unterirdischen Verlagerung rüstungsrelevanter Produktionsanlagen von Jenaer Rüstungsbetriebe, in erster Linie von Zeiss und Schott, beginnen. Die entsprechenden Bauten werden bis Kriegsende nur in Teilen realisiert. Für die Bauarbeiten werden vor allem Zwangsarbeiter eingesetzt, für ihre Unterbringung entstehen im Stadtgebiet mehrere Barackenlager, so ab Herbst Zwangsarbeitslager der Organisation Todt in der Mühlenstraße und am Jenzigweg.

21. Juli: Magnus Poser, neben Theodor Neubauer führende Figur des antinazistischen Widerstandes in Thüringen, erliegt nach einem missglückten Fluchtversuch im Krankenrevier des Konzentrationslagers Buchenwald seinen Verletzungen.

Sommer: Pläne zu Sprengung des Fuchsturms, um anfliegenden feindlichen Bombern keinen Orientierungspunkt zu liefern, nehmen Gestalt an. Eine spektakulären Aktion der Mitglieder der Fuchsturm-Gesellschaft Willi Lemser und Otto Wagner, beide schließen sich in den Turm ein, verhindert die vorgesehene Sprengung.

4. Oktober: Die ersten 400 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Buchenwald werden in ein Außenlager Lager an der Löbstedter Straße in Jena verbracht. Insgesamt leisten hier bis April 1945 knapp 1.000 Häftlinge Schwerstarbeit für das Reichsbahn-Ausbesserungswerk bei der Reparatur von Waggons und Triebfahrzeugen.

Oktober/November: Männliche Nachkommen aus so genannten Mischehen zwischen jüdischen und „deutschblütigen“ Ehepartnern und nichtjüdische Ehepartner aus derartigen Ehen („jüdisch Versippte“) aus Jena (etwa 40 Personen) werden zur Zwangsarbeit in Lager der Organisation Todt eingewiesen.

5. Dezember: Carl Vogl, emeritierter Pfarrer von Vierzehnheiligen und religiöser Sozialist, verstirbt. Er verfügt bis zuletzt über Kontakte zum antinazistischen Widerstand in Thüringen.

1945

31. Januar: Der letzte Transport Jenaer Juden geht nach Theresienstadt ab. Außer der Lobedaer Ärztin Klara Griefahn, die bei Erhalt des Deportationsbefehls Selbstmord begeht, überleben alle Beteiligten und können nach Jena zurückkehren. Insgesamt fallen der nazistischen „Endlösung der Judenfrage“ nach gegenwärtigem Erkenntnisstand etwa 100 Personen, die eine Verbindung mit Jena aufweisen, zum Opfer.

Februar bis April: Es kommt es zu mehreren Bombenangriffen auf Jena. Am 9. Febr. wird das Bibliotheksgebäude der Universität völlig zerstört, wobei der Bibliotheksdirektor Theodor Lockemann den Tod findet. Den schwersten Angriff fliegen amerikanische Bomber am 19. März. Durch diese und mehrere Großbrände werden vornehmlich in der historischen Innenstadt 220 Häuser in Trümmer gelegt, die Stadtkirche St. Michael wird schwer beschädigt. Am 9. Apr. erfolgt die Zerstörung des Güterbahnhofs, um den Eisenbahnverkehr lahm zu legen. Insgesamt sterben bei den Bombenangriffen fast 800 Menschen, darunter etwa 100 Zwangsarbeiter. Die Zahl der Jenaer, die als Angehörige der Wehrmacht und anderer militärischer Verbände ihr Leben im II. Weltkrieg verlieren, liegt nach Schätzungen bei über 2.000 Personen.

11. April: Mehr als 4.000 Häftlinge aus dem KZ Buchenwald werden auf einem so genannten Evakuierungsmarsch („Todesmarsch“) durch Jena in Richtung Eisenberg getrieben. 16 Opfer, die in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Ostfriedhof eine Ruhestätte finden, sind im Raum Jena nachgewiesen. Weitere Häftlinge, denen die Flucht glückt, werden bei Großlöbichau durch Angehörige des Volkssturms ermordet.

12. April: Der durch die Deutsche Wehrmacht im Raum Jena vorgenommenen Sprengung der Brücken fällt unter anderem die Camsdorfer Brücke zum Opfer.

13. April: Nach kleineren, aber heftigen Gefechten wird die von Wehrmachts-, SS- und Polizeiverbänden geräumte Stadt übergeben und von US-amerikanischen Truppen besetzt.

17. April: Dr. Rudolf Löhnis wird zum kommussarischen Oberbürgermeister ernannt.

11. Mai: Otto Wagner wird als kommissarischer Oberbürgermeister eingesetzt (bis 11. Juli im Amt).

23.-25. Juni: 118 Mitglieder der Geschäftsleitung, führende Wissenschaftler, Konstrukteure und Ingenieure der Stiftungsbetriebe Zeiss und Schott und ihre Familien sowie technischen Unterlagen und Patente werden in die amerikanische Besatzungszone verbracht. Die Aktion („we take the brain“) bildet den Ausgangspunkt für die spätere Gründung von Zeiss- und Schott-Werken in der amerikanischen Besatzungszone.

2. Juli: Entsprechend der Vereinbarungen zwischen den Alliierten wechselt Thüringen in die sowjetische Besatzungszone. Sowjetische Truppen besetzen nach Abzug der Amerikaner Jena und übernehmen die Funktionen als Besatzungsmacht.

(ab) August: Die Stadt wird mit steigenden Zahlen von Flüchtlingen und Vertriebenen, vor allem aus den ehemals deutschen Gebieten in Polen und der Tschechei, konfrontiert, von denen sich Tausende als Durchreisende nur vorübergehend aufhalten. Dauerhaft verbleiben in Jena ungefähr 11.000 Personen, die mit Wohnung und Arbeitsplätzen zu versorgen sind.

5. August: Als erste Zeitung erscheint die KPDnahe „Thüringer Volkszeitung“.

13. September: Das Stadttheater nimmt den Spielbetrieb wieder auf.

1. Oktober: Der Unterrichtsbetrieb in den Jenaer Schulen wird fortgesetzt.

Die Stadtsparkasse nimmt ihre Tätigkeit wieder. 1947 übernimmt sie auf Anordnung des Landes auch die Vermögenswerte der 1833 gegründeten Stiftungssparkasse, die damit ihre Tätigkeit einstellt. Ihr Gebäude in der Ludwig-Weimar-Gasse wird zur Hauptgeschäftsstelle der Stadtsparkasse.

15. Oktober: Mit einem Festakt wird die Friedrich-Schiller-Universität als eine der ersten deutschen Hochschulen wiedereröffnet. Zum Rektor war am 6. Oktober der Altphilologe Friedrich Zucker gewählt, der bisher das Amt geschäftsführend ausgeübt hatte. Es folgt am 3. Dezember die Wiederaufnahme des Lehrbetriebes in den meisten Fächern. Die Jenaer Universität gehörte zu den wenigen während des Krieges nicht geschlossenen deutschen Hochschulen.

1946

Max Keßler gründet den Wartburg Verlag in Jena. Der bis 1986 privat geführte, nach 1990 in eine GmbH mit Sitz in Weimar umgewandelte Verlag gibt unter anderem die evangelische Wochenzeitung „Glaube und Heimat“ für Thüringen heraus.

19./20. Januar: Eine „Einheitskonferenz“ im Jenaer Volkshaus von SPD und KPD mit den Parteivorsitzenden Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck bereitet die unter KPD-Hegemonie vollzogene Vereinigung der beiden Parteien auf Landesebene im Apr. in Gotha vor.

24. Juni: Die „Beratende Landesversammlung Thüringen“ konstituiert sich unter dem Ehrenvorsitz der Jenaer Schriftstellerin Ricarda Huch und unter der Präsidentschaft des Jenaer Strafrechtlers Richard Lange als Vorparlament des ersten Thüringer Nachkriegslandtags.

13. Juli: Der Wiederaufbau der gesprengten Camsdorfer Brücke ist abgeschlossen.

1. August: Die Kleinstadt Lobeda und und das Dorf Wöllnitz werden nach Jena eingemeindet.

29. August: Die Garnisonskirche wird umbenannt und heißt fortan Friedenskirche.

8. September: Nach den letzten nach demokratischen Prinzipien durchgeführten Gemeindewahlen zieht die Liberal-Demokratische Partei (LDP) mit 21, die SED mit 18, die CDU mit 10 und der Kulturbund mit einem Abgeordneten in die neue Stadtverordnetenversammlung ein. Heinrich Mertens (LDP) wird zum Oberbürgermeister gewählt (bis 11.9.1947).

22. Oktober: Im Rahmen der Reparationsleistungen gegenüber der Sowjetunion beginnt die Demontage des Jenaer Zeiss-Werkes sowie des Jenaer Glaswerkes (im März 1947 abgeschlossen). Die vorgesehene Totaldemontage kann aufgrund von Protesten der Werksleitung und der Thüringer Landesregierung verhindert werden, jedoch verbleibt nur ein geringer Rest der Produktionsanlagen in Jena. Verbunden mit den Demontagen ist die Verbringung von über 300 Spezialkräften beider Werke (teilweise mit ihren Familien) in die Sowjetunion.

23. Dezember: Eduard Heintz (SED) und Dr. Friedrich Schomerus (LDP) werden zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt.

1947

Eine Berufsfeuerwehr nimmt ihre Arbeit auf. Das bisherige System der freiwilligen Feuerwehren bleibt ergänzend bestehen.

Winter: Der extrem lange und kalte Winter 1946/47 behindert und verzögert die Enttrümmerungsarbeiten in der Innenstadt beträchtlich.

18. Juni: Die Ortsgruppe der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion (ab 1949 Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft = DSF) wird gegründet.

21. November: Johannes Herdegen (LDP) wird von der Stadtverordnetenversammlung an Stelle des nach Westberlin geflohenen Heinrich Mertens zum neuen Oberbürgermeister Jenas gewählt.

24. Dezember: Die neuen Glocken der Stadtkirche St. Michael läuten zu Weihnachten.

1948

ab März: Zunehmende Eingriffe der sowjetischen Besatzungsmacht und des Volksbildungsministeriums in Weimar unter Marie Torhorst in die Autonomie der Universität führen zur „Jenaer Universitätskrise“. In dieser erfolgte zum 27. Oktober die fristlose Entlassung des Philosophieprofessors Hans Leisegang. Leisegang, während der NS-Zeit zeitweilig inhaftiert und seiner Professur enthoben, galt als Kritiker der sowjetischen und SED-Hochschul- und Wissenschaftspolitik. Nach dem Ausscheiden zweier bürgerlicher Professoren aus dem Rektorenamt wird zum 8. November mit Otto Schwarz erstmals ein Mitglied der SED zum Rektor der Alma mater gewählt. Zu Jahresende folgte schließlich die Auflösung der demokratisch gewählten Studentenvertretung.

1. April: Bestätigt durch die Thüringer Landesregierung nimmt die „Städtische Musikschule der Universitätsstadt Jena“ ihre Tätigkeit auf (ab 1951 „Volksmusikschule“, seit 1990 „Musik- und Kunstschule Jena“).

24.-28. Juni: Im Rahmen einer Währungsreform in der Sowjetischen Besatzungszone wird die Reichsmark – das so genannte Kupongeld, weil die Reichsmarkbestände zuvor mit einer Klebemarke versehen wurden – durch Banknoten der Deutschen Mark der Deutschen Notenbank ersetzt.

Juli: Das Wasserwerk Burgau geht in Betrieb. Die Wassergewinnung erfolgt über Tiefbrunnen im Tal der Saale und im Rodatal

1. Juli: Gegen den Widerstand der Stiftungs- und Unternehmensvertreter wird der Verstaatlichungsprozess der Stiftungsunternehmen Carl Zeiss und Schott abgeschlossen. Sie werden als „Volkseigene Betriebe“ (VEB), zunächst im Verbund der VVB Optik, reorganisiert. Generaldirektor des VEB Carl Zeiss Jena wird Hugo Schrade (bis 1966).

24. November: Am Markt wird der erste Laden der Staatlichen Handelsorganisation (HO) eröffnet, in dem zu stark überhöhten Preisen Gebrauchsgüter und Lebensmittel ohne Bezugsscheine bzw. Lebensmittelkarten erworben werden können.

1949

30. März: Aus dem Zusammenschluss kleinerer Hilfskrankenhäuser im Norden Jenas geht das Städtische Krankenhaus in der Dornburger Straße 159 hervor.

Mai: Aus einer seit 1945/46 an der Universität bestehenden Vorstudienabteilung geht die „Arbeiter- und Bauern-Fakultät“ (ABF) hervor. Die bis zum 12. Juli 1963 bestehende Einrichtung bereitet Kinder aus bisher bildungsfernen Bevölkerungsschichten auf ein Hochschulstudium vor. Sie dient damit gleichzeitig der Heranbildung einer systemkonformen Intelligenz und befördert den eingeleiteten Elitenwechsel. Als Schulgebäude wird der ABF das ehemalige Oberlandesgerichtsgebäude in der August-Bebel-Straße zugewiesen.

Nach kriegsbedingter Zerstörung des Jenaer Stadtmuseums in der Weigelstraße eröffnet eine erste Ausstellung unter dem Titel „Jena im Wandel der Zeiten“ im Prinzessinnenschlösschen.

September: Die Enttrümmerung der Innenstadt ist weitgehend abgeschlossen.

7. Oktober: Mit der Gründung der DDR und der Auflösung der Sowjetischen Militärorganisation in Thüringen übergibt die Kommandantur Jena die Leitung der Stadtverwaltung offiziell an den Oberbürgermeister.

1950

1. Jan.: Aus dem 1944 durch die Jenaer Stiftungsbetriebe gegründeten Mikrobiologischen Laboratorium geht der VEB Jenapharm als selbständiger Betrieb hervor. Er gründet auf den Penicillin-Forschungen Hans Knölls und den bereits seit 1948 unter dem Markennamen „Jenapharm“ vertriebenen Penicillin-Produkten (Penicillin-Wundpuder).

31. Juli: Mit den Rosensälen als Hauptlesesaal (120 Plätze) wird eines der zahlreichen Provisorien der nunmehr aufgrund der Zerstörung des Bibliothekhauptgebäudes dezentral organisierten Universitätsbibliothek eröffnet, die zum Teil bis zum Bibliotheksneubau von 2002 Bestand haben.

1951

24. Sept.: Das bis 1947 auf dem Eichplatz befindliche Burschenschaftsdenkmal Adolf Donndorfs findet am Fürstengraben vor dem Universitätshauptgebäude einen neuen Standort.

1952

Jan.. Die ersten der 1946 in die Sowjetunion verbrachten Zeiss-Spezialisten (69 Personen mit ihren Angehörigen) kehren nach Jena zurück.

21. März: Der Pädagoge Peter Petersen, der mit seinem „Jenaplan“-Modell international schulbildend gewirkt hatte, verstirbt. Petersen war als „bürgerlicher Pädagoge“ bereits seit Längerem kaltgestellt, die von ihm betriebene Universitätsschule 1950 geschlossen worden. Seine Verstrickungen in den Nationalsozialismus werden erst Jahrzehnte später thematisiert. („Petersen-Debatte“).

1. Mai: Das Zementwerk Göschwitz, seit 1945 der Sowjetischen Aktiengesellschaft unterstellt, wird an die DDR übergeben und verstaatlicht.

Juli: Mit der territorialen Neugliederung der DDR in Bezirke bei weitgehender Ausschaltung der bisherigen Länder wird Jena dem Bezirk Gera unter Missachtung der engen kulturellen Bindungen an Weimar (Bezirk Erfurt) zugeordnet.

1. Juli: Im Ernst-Abbe-Sportfeld werden die III. DDR Leichtathletikmeisterschaften eröffnet.

30. Oktober: Der Fürstengraben wird auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung in Goetheallee umbenannt.

1953

1. Januar: Unter der Leitung von Hans Knöll nimmt das Institut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (IMET) am Beutenberg seine Tätigkeit auf.

1. Februar: Der Traditionsverlag Gustav Fischer wird verstaatlicht. Als Volkseigener Betrieb beschäftigt er ca. 70 Mitarbeiter und veröffentlicht jährlich 50 bis 60 Buchtitel und 20 Zeitschriften.

15. April: Die im April 1945 teilzerstörte Autobahnbrücke bei Göschwitz wird wieder dem Verkehr übergeben.

17. Juni: Jena gehört mit ca. 20.000 bis 25.000 an Demonstrationen und anderen Aktionen Beteiligten zu den Zentren des Volksaufstandes in Thüringen. Neben der allgemeinen Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Situation richten sich die Proteste der Zeiss-Arbeiter gegen die Beseitigung der durch das Stiftungsstatut gewährten sozialen Errungenschaften bzw. betrieblichen Mitbestimmungsrechte. Bei Demonstrationen in der Innenstadt werden am Vormittag des 17. Juni die Räume der SED-Kreisleitungen Jena-Stadt und Jena-Land gestürmt und verwüstet und aus der Untersuchungshaftanstalt Am Steiger 61 Häftlinge befreit. Gegen Mittag stoßen sechs sowjetische Panzer sowie Mannschaften der in Jena stationierten 20. Gardedivision ins Stadtzentrum vor und platzieren sich vor strategisch wichtigen Gebäuden. Um 17.00 Uhr verkündet der sowjetische Stadtkommandant den Ausnahmezustand für Jena. Von den am 17. Juni Verhafteten wird der Arbeiter Alfred Diener am 18. Juni standrechtlich erschossen. Gegen weitere Verhaftete werden wegen der Beteiligung am Aufstand hohe Haftstrafen verhängt. Kleinere Streiks im Juli bei Zeiss, vor allem aus Solidarität mit den Inhaftierten, werden unterdrückt, Beteiligte zu Gefängnisstrafen verurteilt bzw. entlassen.

1. September: Die aus der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität ausgegliederten landwirtschaftlichen Institute konstituieren sich als Landwirtschaftliche Fakultät.

11. Oktober: Am Anger wird ein neues Schulgebäude eingeweiht (spätere Johannes-R.-Becher- Schule).

1954

25. Juli: Das neue Freibad am Jenzig (Ostbad) wird eröffnet. Zusammen mit dem Ausbau des „Schleichersees“ – durch Kiesabbau entstandener See in der Oberaue – zum Freibad (Südbad) seit Beginn der 1950er Jahre beendet dies die Ära der Flussbäder an der Saale. Als letztes wird das „Lichtenhainer Bad“ geschlossen (1954).

14. November: Mit der Gründung des Sportclubs Motor Jena entwickelt sich zu ein staatlich geförderten Zentrum des DDR-Hochleistungssports.

1955

Das unter der Leitung des Geografen Joachim H. Schultze erarbeitete „Jena“-Buch setzt als interdisziplinäre Analyse von „Werden, Wachstum und Entwicklungsmöglichkeiten“ Jenas Standards in der modernen Stadtgeografie.

2. April: Die im Krieg stark zerstörte Stadtkirche St. Michael wird nach Wiederaufbauarbeiten im Beisein des Thüringer Landesbischofs Moritz Mitzenheim wieder eingeweiht. Baumeister Friedrich Ilmer überreicht dem Landesbischof den Kirchenschlüssel.

14. Mai: Im Rahmen der Feierlichkeiten aus Anlass des 150. Todestages Friedrich Schillers in Weimar und Jena verleiht die Philosophische Fakultät der Jenaer Universität dem Dichter Thomas Mann die Ehrendoktorwürde.

1956

2./3. Juli: Nach heftigen Regenfällen kommt es in Ammerbach und in der Ringwiese zu Überschwemmungen.

16. September: Das umgebaute Theaterhaus wird als Haus Jena des Deutschen Nationaltheaters Weimar wiedereröffnet.

14. Oktober: Anlässlich des 150. Jahrestages der Schlacht bei Jena und Auerstedt eröffnet in der Gaststätte "Grüner Baum zur Nachtigall" in Cospeda eine „Gedenkstätte 1806“. Grundlage der musealen Einrichtung sind die Sammlungen des Gastwirtes Walter Lange, der als „Napoleon von Jena“ zu einer lokaler Berühmtheit avanciert.

30. November: Der Physikerball (Fachschaften Mathematik und Physik) enthält SED-kritische kabarettistische Einlagen. Die geforderten Bestrafungen der Beteiligten unterbleiben zunächst, erst zwei Jahre später kommt es zu Verurteilungen.

2. Dezember: Der Erweiterungsbau des Hauptpostamtes Westbahnhofstraße/Ernst-Haeckel-Platz wird seiner Bestimmung übergeben. Die Außenfassade trägt ein großflächiges Sgraffito von Kurt Hanf („Der Weg der Post“).

1957

Die Neubauten des Physiologisch-Chemischen und des Pharmakologischen Instituts der Medizinischen Fakultät am Holzmarkt/Nonnenplan werden im Rohbau fertiggestellt.

5. September: Der neue Jenaer Milchhof (Großmolkerei) in Jena-Löbstedt wird eingeweiht.

1958

Baubeginn des Wohngebietes „Nord I“. Zwischen 1958 und 1968 entstehen mehr als 3.000 Wohnungen und Versorgungseinrichtungen im Norden Jenas (Nord I und Nord II) in industrieller Großblockbauweise.

Februar: Eine Verhaftungswelle des Ministeriums für Staatssicherheit unter Jenaer Studenten betrifft vor allem Angehörige der Widerstandsorganisation „Eisenberger Kreis“. Im Herbst werden vor dem Bezirksgericht in Gera Haftstrafen bis zu 15 Jahren verhängt.

28. August - 5. September: In einer Atmosphäre sich verschärfender Fronten im Kalten Krieg findet die 400-Jahrfeier der Friedrich-Schiller-Universität statt. An der Universität selbst ist die Situation durch die Verschärfung von Repressionen gegen systemkritische Kräfte sowie durch die zunehmende Einbindung der Universität in das System der staatlichen Lenkung bei Einschränkung der Forschungs- und Lehrautonomie der Universität geprägt. Zusätzlicher Zündstoff entsteht durch die spektakuläre Flucht des amtierenden Rektors Josef Hämel in BR Deutschland kurz vor den Jubiläumsfeierlichkeiten. Der offiziellen Festwoche, die nach dem Willen der DDR-Hochschulpolitik bzw. der SED-Kräfte an der Universität den erreichten Stand bei der „sozialistischen Umgestaltung“ der Hochschule dokumentieren soll, bleiben die meisten Vertreter der Universitäten aus der Bundesrepublik und aus westeuropäischen Staaten fern.

1959

1. Juli: An der Schillerstraße beginnt der Bau einer 16geschossige Hochhausscheibe für die Forschungsabteilung des VEB Carl Zeiss Jena als städtebaulicher Abschluss der Blockbebauung des Hauptwerkes (Bau 59) nach einem Entwurf des Jenaer Architekten Hans Schlag. Für den Neubau müssen mehrere Wohn- und Geschäftshäuser am südlichen Johannisplatz abgerissen werden. Das Gebäude ist bis 1965 fertiggestellt.

13. September: Mit dem ersten Motorflugtag wird der 1945 teilzerstörte Flugplatz Jena-Schöngleina wird wieder in Betrieb genommen

1960

Februar: Im neu eingeweihten Bau der Kinderklinik in der Westbahnhofstraße finden die ersten Sprechstunden statt.

Mai: Die Bauarbeiten für das Wohngebiet Nord II beginnen.

18. Mai: Zur grundlegenden Umgestaltung und Modernisierung der Medizin an der Jenaer Universität legen die Professoren Bolck und Klumbies einen Entwurf für ein neues Universitätsklinikum am Standort Lobeda vor.

4. August: Der seit 1953 als Oberbürgermeister amtierende Fritz Kunst (SED) tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück und wird durch Heinrich Wessel (SED) ersetzt.

August/September: Die Bebauung der Weigelstraße mit Wohnhäusern ist weitgehend abgeschlossen. Es entstehen außerdem ein neues Gebäude für die „Goethe-Apotheke“ (am 13. August eröffnet) und ein Kinderkaufhaus.

1961

13. August: Mauerbau und Grenzschließung bedeuten auch für die Jenaer Einwohner ein Ende der Möglichkeit, die DDR ohne Genehmigung zu verlassen. Im Zeitraum von 1952 bis 1961 haben etwa 15.000 Jenenser von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Einwohnerzahl der Stadt stagnierte bzw. war teilweise rückläufig.

18. Mai: Die Schule „Am Anger“ erhält den Namen des Dichters und SED-Kulturpolitikers Johannes R. Becher, dem zum 22. Mai 1951 die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen worden war.

3. Dezember: Die Schriftstellerin Helene Voigt-Diederichs verstirbt in Jena und wird auf dem Nordfriedhof beigesetzt.

1962

Im umgebauten ehemaligen „Deutschen Haus“ am Holzmarkt wird das Hotel „International“ eröffnet (ab 1965 als „Interhotel“ auch für Gäste aus dem „nichtsozialistischen Ausland“; 1987 geschlossen).

4. Juli: Am Ernst-Haeckel-Platz erfolgt die Grundsteinlegung für das Gebäude der Betriebspoliklinik des VEB Carl Zeiss Jena, die 1964 eröffnet wird.

1963

27. April: Der SC Motor Jena wird DDR-Fußballmeister. Die Mannschaft kann den Erfolg – als FC Carl Zeiss Jena – in die Saisons 1967/68 und 1969/70 wiederholen.

7. Mai: Dem zwischen der Universität und dem VEB Carl-Zeiss-Jena abgeschlossenen Rahmenvertrag über die Zusammenarbeit bei der Laserforschung kommt für die angestrebte Verflechtung von angewandter Industrie- und Hochschulforschung richtungweisende Bedeutung zu.

1. September: Die Spezialschule „Carl Zeiss“ – zunächst in andere Schulen der Stadt integriert – zur Förderung von Begabungen auf mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Gebiet nimmt mit drei siebten Klassen ihre Tätigkeit auf.

5. September: Walter Windrich (SED) wird in der Nachfolge Heinrich Wessels Oberbürgermeister von Jena.

18. Oktober: Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltall, besucht Jena.

1964

19.-21. Juni: Jena gehört zu den Festspielzentren der 6. Arbeiterfestspiele der DDR im Bezirk Gera.

20. November: Nach Abschluss der Projektierungsarbeiten und dem Beginn erster Erschließungsarbeiten wird der erste Spatenstich zum Bau der Großwohnsiedlung Lobeda vollzogen.

1965

1. Januar: Durch die Zuordnung auswärtiger Optikbetriebe zum VEB Carl Zeiss entsteht das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena als Leitbetrieb des Wissenschaftlichen Gerätebaus in der DDR.

17. April: Für den in Jena geborenen, hier jedoch noch weitgehend unbekannten bedeutenden Völkerkundler Curt Unckel-Nimuendaju (1883-1945) wird im Paradies ein Gedenkstein eingeweiht. Unckel hatte sich vor allem für die Erforschung der indianischen Ureinwohner Brasiliens große Verdienste erworben.

24. April: Ein neues Empfangsgebäude für den im Krieg stark zerstörten Saalbahnhof wird der Öffentlichkeit übergeben.

13. Juli: Es erfolgt die endgültige Stilllegung des Städtischen Gaswerkes und der Anschluss Jenas an die Ferngasversorgung.

1966

Im Gustav Fischer Verlag Stuttgart erscheint die „Geschichte der Stadt Jena“ von Herbert Koch. Der Lehrer, Stadtgeschichts- und Heimatforscher Koch war seit den 1920er Jahren in Jena mit zahlreichen stadtgeschichtlichen Einzelstudien und Quelleneditionen hervorgetreten. Das im wesentlichen um 1958 vorliegende Manuskript einer Gesamtgeschichte der Stadt durfte aus geschichtsideologischen Gründen in der DDR nicht gedruckt werden. Koch verlässt 1963 die DDR.

Aus den ab 1960 durch den Lehrer und Heimatforscher Paul Patzer durchgeführten öffentlichen heimat- und naturkundlichen Wanderungen geht die „Wandergruppe Paul Patzer“ hervor.

20. Januar: Die Fußballsektion wird aus dem SC Motor herausgelöst und als FC Carl Zeiss Jena neu gegründet.

3. Mai: Der auf studentische Initiative in den mittelalterlichen Kellergewölben unter den Rosensälen entstandene Studentenclub „Rosenkeller“ wird eröffnet. Trotz Reglementierung seiner Tätigkeit durch die Einheitsjugendorganisation Freie Deutsche Jugend entwickelt er sich zu einem Vorreiter einer DDR-spezifischen Studentenkultur.

22. Juni: Der Rat der Stadt Jena beschließt „aus Kostengründen“ die Schließung der Trüperschen Erziehungsanstalten auf der Sophienhöhe. Die Gebäudesubstanz der Einrichtung hatte durch einen Brand am 12./13. Mai 1965 Schädigungen erlitten.

August: In Neulobeda(-West) beginnt die Montage der Bauelemente für den ersten Wohnblock.

Oktober: Mit der Gründung der Sektion Mathematik laufen an der Jenaer Universität im Rahmen der so genannten 3. Hochschulreform umfangreiche Maßnahmen an, die zu ihrer tiefgreifenden strukturellen Umgestaltung führen (unter anderem durch die Bildung von Sektionen anstelle bisheriger Institute bzw. Fakultäten). Die akademische Selbstverwaltung wird weiter abgebaut, die Universität fester in die staatliche Planung auf den verschiedenen Ebenen eingebunden. Die Umgestaltung der Universität ist bis 1969 weitgehend abgeschlossen.

1967

17. April: Es erfolgt die Grundsteinlegung für das Heizkraftwerk in Jena-Winzerla, das vor allem für die Versorgung der neu entstehenden Großwohnsiedlung Neulobeda mit Fernwärme dienen soll. Bis 1973 erfolgt die Wärmegewinnung durch die Verbrennung aus der Sowjetunion bezogenem Öl.

18. Oktober: Jena wird an die Fernwasserversorgung Nordthüringen angeschlossen.

1. Dezember: In der Großwohnsiedlung Lobeda werden die ersten 210 Wohnungen bezugsfertig übergeben.

1968

1. Januar: Der „VEB Thüringer Zement-, Kalk- und Gipswerk Göschwitz“ stellt zu Jahresbeginn seine Produktion ein. Als Plattenwerk Göschwitz produziert das Werk nach einer Umbauphase Betonfertigteile für den Wohnungsbau in der DDR. Die Einstellung der stark umweltbelastenden Zementproduktion löst die Probleme der Luftverschmutzung in Jena nur partiell. Hinsichtlich der Luftverunreinigung durch Schwefeldioxid und Staub gehört Jena zu den „hoch belasteten Siedlungsgebiete“ in der DDR.

Januar: Der Jenaer Madrigalkreis als Liebhaberchor zur Pflege der Madrigal- und Motettenkunst entsteht.

25./26. April: Eine hochrangige Delegation von SED-Wirtschaftsfunktionären mit dem Ersten Sekretär des ZK der SED und Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, besucht Jena. Am 26. April legt Ulbricht den Grundstein für die Erweiterung des „Südwerkes“ des Zeiss-Werkes durch den Bau 6/70 an der Tatzendpromenade bei Lichtenhain. Der Stahlbetongeschossbau mit vorgelagertem Speisesaal im Souterrain wird 1972 fertiggestellt, das Tal bei Lichtenhain wird durch einen Brückenneubau überspannt.

Im Gefolge des Ulbricht-Besuches fassen das ZK der SED und der Ministerrat der DDR mehrere Beschlüsse zum Aufbau neuer Produktions- und Forschungskapazitäten für das Zeiss-Kombinat in Jena sowie zur baulichen Umgestaltung der Stadt, insbesondere zur Neugestaltung des Stadtzentrums. Die zum Teil unrealistischen Vorhaben – so wurden für Jena für das Jahr 2000 183.000 Einwohner prognostiziert – werden in den folgenden Jahren aufgrund des Mangels an finanziellen und baulichen Ressourcen nur rudimentär umgesetzt.

25. Mai: Die „Berggemeinschaft Landgrafen“ gründet sich zur Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf und um den Landgrafenberg.

September: Die neue Wöllnitzer Straße wird für den Verkehr freigegeben und der direkte Busverkehr zwischen dem Stadtzentrum und Neulobeda eingerichtet. Der Straßenbahnverkehr nach (Alt-)Lobeda über Winzerla und Burgau wird eingestellt.

1969

Nördlich des Ortsteiles Winzerla an der Oßmaritzer Straße entsteht ein Neubaugebiet („Alt-Neuwinzerla“), der erste Wohnblock wird 1970 errichtet. Bis 1973 werden 1.225 Wohneinheiten in fünfgeschossiger Montagebauweise sowie eine Schule, ein Kindergarten und eine Kaufhalle übergeben.

Die Neugestaltung des Plenarsaales – durch Rückbau von Ratsstube und Rüstkammer – des Rathauses wird abgeschlossen. Er enthält ein großflächiges Wandbild, das die Wiedereröffnung der Jenaer Universität im Jahre 1945 nach geltender SED-Geschichtspropaganda thematisiert (Siegfried Winderlich, 1968).

1. April: Das Dorf Göschwitz wird nach Jena eingemeindet.

4. Mai: Der Straßenbahnverkehr zwischen Holzmarkt und Mühltal wird eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt.

15. Mai: Die dem Zeiss-Betrieb zugehörige Ingenieurschule wird als „Sektion Technologie für den wissenschaftlichen Gerätebau“ der Universität angeschlossen, womit die so genannte 3. Hochschulreform zu einem gewissen Schlusspunkt geführt wird.

20. Juni: Mit einem ersten Spatenstich am Eichplatz beginnt die Umgestaltung der Jenaer Innenstadt. Im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau des Forschungshochhauses für das Kombinat Carl Zeiss kommt es zu einem massiven Flächenabriss historischer Bausubstanz. Gegen den Einspruch von Bürgern und Denkmalschützern werden auf einer Fläche von ca. 45.000 Quadratmetern Gebäude mit 187 Wohnungen und 36 Einzelhandelsgeschäften und Handwerksbetrieben beseitigt. Die Abrissarbeiten dauern bis 1970 an.

9. August: Auf der Ammerbacher Platte wird anlässlich des 50. Todestages von Haeckel der Ernst-Haeckel-Stein gesetzt.

21. September: Aus dem Jenaer Sinfonieorchester, dem Konzertchor, dem Jenaer Madrigalkreis sowie (ab 1976) einem Knabenchor entsteht unter dem Chefdirigenten Günther Blumhagen die Jenaer Philharmonie.

24. November: Die Bahnverbindung zwischen Jena und Bürgel wird eingestellt.

1970

10. Januar: Im Zuge der Akademiereform erhält das Institut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (IMET) den Status eines Zentralinstituts (ZIMET).

1. September: Im Ortsteil Göschwitz erfolgt die Inbetriebnahme eines neuen Produktionsstandorts des Kombinats Carl Zeiss Jena für 3.300 Arbeitskräfte einschließlich einer Reihe von Sozial- und Kultureinrichtungen.

28. Dezember: Mit „Block 12“ wird das erste elfgeschossige Wohngebäude Neulobedas an die Mieter übergeben.

1971

In der Großwohnsiedlung (Neu-)Lobeda entstehen weitere soziale Infrastruktureinrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Verkaufs- und Gesundheitseinrichtungen sowie eine Gaststätte zur Ergänzung der Wohnbebauung. In Neulobeda-Ost beginnt der Bau erster Wohnblocks.

20. Juli: Auf dem Landgrafenberg eröffnet das Landgrafenhaus und entwickelt sich zu einem der beliebtesten Ausflugslokale um Jena.

1972

Das experimentelle Theater „Die Treppe“ unter dem Regisseur und Theaterwissenschaftler Bernd Schmidt wird gegründet. Es besteht in erster Linie aus Angehörigen der Universität.

Der 1962 entstandene Fotozirkel der Jenaer Hochschulgruppe des Deutschen Kulturbundes wird in Universitätsfotoklub (UNIFOK) umbenannt. Unter seinem langjährigen Leiter Walter Streit erlangt er überregionale Bedeutung, Mitglieder des Klubs erringen hochrangige Preise.

2. Oktober: Nach dreijährige Bauzeit wird mit dem 26geschossigen Rundturmbau im Stadtzentrum ein neues städtisches Wahrzeichen eingeweiht. Das ursprünglich als Forschungshochhaus für das Zeiss-Kombinat projektierte Gebäude wird als „Universitätshochhaus“ mit Mensa, Großraumbüros und Zweigbibliotheken bis 1995 von der Universität genutzt.

1973

Der Bau der Neubausiedlung Neulobeda-West ist im Wesentlichen abgeschlossen. Es entstehen rund 5.600 Wohnungen für ca. 21.700 Menschen.

5. Mai: Im 26. Obergeschoss des Universitätshochhauses wird ein Café eröffnet, das an Wochenende der Jenaer Bevölkerung zugänglich ist.

6. Oktober: In Neulobeda-West wird mit dem „Kulturzentrum“ ein Mehrzweckbau mit großer Gaststätte der Öffentlichkeit übergeben.

1974

Die Medizinische Fachschule entsteht. Die an die Medizinische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität angebundene Ausbildungseinrichtung in der Leo-Sachse-Straße führt unter anderem die seit Längerem in Jena bestehende Ausbildung von Kranken- und Kinderkrankenpflegerinnen und Medizinisch-technische Assistentinnen fort.

20. März: In Jena-Burgau wird der neue Verkehrshof für den VEB Kraftverkehr und den VEB Städtischer Nahverkehr übergeben.

28. August: Aus Anlass des 225. Geburtstages von Goethe wird im Griesbachgarten eine Rekonstruktion des 1821 aufgestellten, nach 1945 beseitigten Denkmals eingeweiht, das landläufig als das erste Goethe-Denkmal überhaupt gilt (umstritten).

5. Oktober: In Lobeda-West eröffnet zum Stadtmuseum Jena gehörende Galerie.

8. Oktober: Nach abgeschlossenen Rekonstruktionsarbeiten wird die Kreispoliklinik in der Dornburger Straße 17 neueröffnet.

1975

23. September: Jena überschreitet erstmals die Grenze von 100.000 Einwohnern und erreicht damit den Status einer Großstadt.

8. Dezember: Es erfolgt die Grundsteinlegung für das Fachkrankenhaus für Innere Medizin in Lobeda-Ost.

1976

25. September: Die vom VEB Carl Zeiss Jena entwickelte Multispektralkamera MKF 6 kommt erstmals beim Flug des sowjetischen Raumschiff Sojus 22 zum Einsatz.

5. Oktober: Im Sportkomplex „Werner Seelenbinder“ in Lobeda-West wird eine Schwimmhalle dem Besucherverkehr übergeben.

16. November: Die Ausbürgerung des Lyrikers und Liedermachers Wolf Biermann ruft in der Stadt und an der Universität eine Welle der Solidarisierung und des Protestes hervor. Es folgen Verhaftungen und Hausdurchsuchungen bei Oppositionellen, Verurteilungen sowie Exmatrikulationen.

31. Dezember: Im Gebäude der Optikerschule am Carl-Zeiß-Platz 12 wird das erweiterte Optische Museum seiner Bestimmung übergeben. Es basiert auf der 1922 durch die Carl-Zeiss-Stiftung angeregte historische Sammlung für Optik und Glasfabrikation.

1977

1. Januar: Die militärische Forschung und Rüstungsproduktion des Zeiss-Kombinates werden am neuen Standort Göschwitz im Kombinatsbetrieb U zusammengefasst.

10. Januar: Im Sockelbereich des Universitätshochhauses eröffnet die Thomas-Mann-Buchhandlung als größte Buchhandlung Jenas.

1. August: Das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. wird in das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena eingegliedert.

26. August: Nach neunmonatiger Haft im Gefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen und internationalen Protesten wird der Bürgerrechtler Jürgen Fuchs unter Androhung einer langen Haftstrafen zur Ausreise gezwungen und nach West-Berlin abgeschoben. Fuchs war 1975 an der Jenaer Universität aus politischen Gründen exmatrikuliert worden.

22. Oktober: Der „Jenaer Kernberglauf“ im Rahmen der volkssportlichen Laufbewegung findet erstmals statt.

1978

Das als Mehrzweckbau konzipierte Glashaus im Paradies des Architekten Friedhelm Schubring wird fertiggestellt. Es ist von dem von Mies van der Rohe 1929 verwirklichten Deutschen Pavillon für die Weltausstellung in Barcelona inspiriert.

17.-20. Mai: Die I. Internationale Pantomimewerkstatt findet in Jena statt. Spiritus rector ist der international anerkannte Pantomime Harald Seime, Sportlehrer an der Universität, der 1958 mit einer Studentengruppe ein Pantomime-Studio gegründet hatte.

24. September: Die Kosmonauten Waleri Bykowski und Sigmund Jähn – der erste Deutsche im Weltall – besuchen Jena und sprechen auf dem Platz vor dem Universitätshochhaus vor einer großen Menschenmenge. Der Platz führt nach Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ab 1979 den Namen „Platz der Kosmonauten“.

Oktober: Auf dem Zentralen Platz erfolgt die Aufstellung des nach einem Entwurf Detlef Reinemers geschaffenen Orchideenbrunnens.

1979

Die Restaurierungsarbeiten an der erhalten gebliebenen historischen Gebäudesubstanz des Collegium Jenense (Torgebäude; Innenhof) werden unter Leitung des Universitätskustos Günter Steiger abgeschlossen. Es entsteht ein neuer innerstädtischer Denkmalkomplex.

15.-17. Juni: Im Jenaer Ernst-Abbe-Stadion finden die 7. DDR-Studentenmeisterschaften statt.

1. Oktober: In Cospeda wird die umgestaltete Memorialstätte zur Erinnerung an die Schlacht von 1806 neu eröffnet.

1980

Nach jahrelangen gerichtlich geführten Auseinandersetzungen erfolgt eine Einigung im Warenzeichen Streit zwischen SchottJena und Schott-Mainz: Den Namensbestandteil „Schott“ (zusammen mit der Bildmarke) sichert sich das Mainzer Glaswerk, den Namensbestandteil „Jenaer Glas“ der VEB Jenaer Glaswerk. Das Jenaer Glaswerk agiert unter dem neuen Logo des „Flammenzeichens“.

Zur „Förderung des Jazz als musikalischer Kunstform“ wird „Jazz im Paradies“ als Studentenclub der Universität gegründet (ab 1990 eingetragener Verein). Konzerte finden bis 1988 in erster Linie im Rahmen der „Jenaer Jazztage“ statt.

14.-19. Juli: Zum 100. Geburtstag Albert Einsteins findet in Jena die „9. International Conference on General Relativity and Gravitation“ statt. An der von Ernst Schmutzer geleiteten Konferenz nehmen rund 850 Wissenschaftler aus 51 Ländern teil.

16. Dezember: In Lobeda-Ost wird Klinik für Innere Medizin als Bestandteil des Universitätsklinikums übergeben.

1981

Baubeginn für die Großwohnsiedlung Winzerla, deren Bau in drei Abschnitten bis 1990 abgeschlossen wird. Bei Fertigstellung wohnen hier ca. 15.000 Menschen.

12. April: Matthias Domaschk, oppositioneller Jugendlicher aus Jena, verstirbt in der Geraer Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit unter bis heute nicht geklärten Umständen.

13. Mai: Der FC Carl Zeiss Jena bestreitet in Düsseldorf das Finale des Europapokals der Pokalsieger gegen Dynamo Tbilissi und unterliegt mit 1:2.

30. September: Die wenige Meter flussabwärts neben der alten Paradiesbrücke erbaute neue vierspurige Brücke wird dem Verkehr übergeben.

6. Oktober: Das Haus Unterm Markt 12a wird unter der Bezeichnung „Romantikerhauses“ als Literaturmuseum der deutschen Frühromantik als Teil der Städtischen Museen Jena eröffnet. Die falsche Zuschreibung „Romantikerhaus“ beruht auf der Annahme, dass es sich um das Wohnhaus der Ehepaare Schlegel gehandelt habe.

1982

12. Januar: Die „Junge Gemeinde“ Jena-Stadtmitte initiiert den „Jena-Appell für Abrüstung“ und eine Unterschriftensammlung. Die Staatssicherheit geht massiv dagegen vor und verhaftet acht Beteiligte.

26. Januar: Die „Gedenkstätte für die Helden des antifaschistischen Widerstandskampfes“ auf dem Nordfriedhof, in deren Mittelpunkt die Erinnerung an den kommunistischen antifaschistischen Widerstandskämpfer Magnus Poser steht, wird eingeweiht. Sie dient bis 1989 als Kulisse für Veranstaltungen von Massenorganisationen und NVA zum ritualisierten Einschwören auf den Antifaschismus.

25. April: Aus Anlass des vor 650 Jahren erstmals erwähnten Jenaer Braurechts wird die Tradition des Jenaer Brauermarkts neu belebt.

11.-19. September: Mit einer Festwoche begeht der Ortsteil Zwätzen die urkundliche Ersterwähnung des Ortes vor 800 Jahren.

1983

19. März: Erstmals meldet eine sich „Jenaer Friedensgemeinschaft“ nennende Gruppierung beim Rat der Stadt eine Veranstaltung an. Ihre Mitglieder nutzen in der Folgezeit offizielle Demonstrationen in Jena zur Artikulation eigener Forderungen bzw. zu DDR-kritischen Aktionen, so am 18. März und am 19. Mai. Im Rahmen der Aktionen „Gegenschlag“ werden die meisten Mitglieder der Friedensgemeinschaft – unter ihnen Roland Jahn als führendes Mitglied – bis zum 7. Juni in die BR Deutschland abgeschoben.

18. Juni: Erstmals ist das Bestehen des „Weißen Kreises“, eines Zusammenschlusses von Personen zur öffentlichen Artikulierung des ihres Ausreisebegehrens, nachzuweisen. In der Folge kommt es zu Verhaftungen unter den auf dem „Platz der

Kosmonauten“ in weißen T-Shirts Protestierenden, Verurteilungen und später zu Häftlingsfreikäufen durch die BR Deutschland.

1984

22.-24. Juni: Jena ist Festspielort im Rahmen der XX. Arbeiterfestspiele der DDR. Festspielstätten sind das neugestaltete Kino Capitol und der Platz der Kosmonauten, auf welchem die Eröffnungsveranstaltung stattfindet.

5.-9. September: (Alt-)Lobeda feiert sein 700jähriges Bestehen als Stadt.

1985

Januar: Der Zuschauerraum des Stadttheaters wird abgerissen. Der vorgesehene und projektierte völlige Umbau wird 1987 wegen fehlender Finanzen und Ressourcen eingestellt. Bis 1990 finden in dem Gebäude keine Vorstellungen mehr statt.

November: Im Rahmen der Friedensdekade der Evangelischen Kirchen gründet sich unter Albrecht Schröter der „Jenaer Arbeitskreis Judentum“, der sich die Erforschung und Dokumentierung der Geschichte des jüdischen Lebens in Jena zu Aufgabe macht.

1. Dezember: Es erfolgt die feierliche Wiedereröffnung des rekonstruierten und mit moderner Technik nachgerüsteten Planetariums der Carl-Zeiss-Stiftung.

1986

Die Interessengemeinschaft „Territoriale Rationalisierung“ zur Optimierung der Zusammenarbeit zwischen den Betrieben, lokalen Einrichtungen und Behörden wird gegründet. Sie soll vor allem Probleme bei der Versorgung mit Wohnraum lösen und einer Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen gegensteuern.

30. September: Am Rähmen wird das erste innerstädtische Wohngebiet in Plattenbauweise übergeben. Es entstehen 343 Wohnungen.

1.-7. Oktober: Mit einer Festwoche begehen die Einwohner der Stadt den 750. Jahrestag der Stadtgründung. Den Höhepunkt bildet am 7. Oktober ein Festumzug, der von ca. 5.500 Mitwirkenden gestaltet wird. Die Initiatoren des Stadtjubiläums folgen dabei der 1936 mehr oder weniger willkürlich vorgenommenen Festlegung der entsprechenden Urkunde auf das Jahr 1236.

20. Dezember: Der zweigleisige Ausbau der Straßenbahnstrecke vom Stadtzentrum nach Winzerla ist abgeschlossen.

1987

10. Februar: In der Nachfolge von Walter Windrich wird Hans Span von der Stadtverordnetenversammlung zum neuen Oberbürgermeister gewählt.

28. Februar: Im Jenaer Rathaus wird die Vereinbarung zwischen Erlangen und Jena zur Aufnahme einer Städtepartnerschaft durch die Oberbürgermeister Siegfried Balleis und Hans Span paraphiert.

7. August: Auf dem Beutenberg erfolgt die Grundsteinlegung für die erste gentechnische Pilotanlage in der DDR.

1988

Neubauten im Bereich Saalstraße/Unterlauengasse werden übergeben. Die in Plattenbauweise ausgeführten Wohnhäuser sind in Bauhöhe und Bauweise den innerstädtischen Verhältnissen angepasst.

8. März: Nach erfolgtem Umbau der Alten Göhre zum Stadtmuseum wird dieses mit einer ständigen Stadtgeschichtsausstellung wiedereröffnet.

29. März: Die „Interessengemeinschaft Stadtökologie Jena“ gründet sich im Rahmen der Gesellschaft für Natur und Umwelt im Kulturbund der DDR. Sie bildet die Keimzelle einer unabhängigen Ökologie-Bewegung.

12. September: Mit erheblichem Propagandaaufwand überreicht der Generaldirektor des Kombinates VEB Carl Zeiss Jena, Wolfgang Biermann, in Berlin den ersten in der DDR entwickelte 1-Megabit-Speicher-Schaltkreis an Erich Honecker.

3. November: Nach dem Vorbild der Umweltbibliothek Berlin erfolgt die Gründung des „Leseladens mit Jenaer Umweltbibliothek“. Er macht sich vor allem die Sammlung der im Umfeld der Jungen Gemeinde Stadtmitte vorhandenen Materialien des Ökologie-Kreises sowie von Büchern und Materialien ausgereister Mitstreiter zur Aufgabe.

9. November: Zum 50 Jahrestag der „Reichs-Kristallnacht“ wird auf dem Westbahnhof eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Deportation von jüdischen Bürger sowie von Sinti und Roma in die Vernichtungslager enthüllt.

1989

7. Mai: Die nach dem üblichen Prinzip der Einheitslisten durchgeführten Kommunalwahlen werden bei der Stimmenauszählung von einem bisher unbekannten Ausmaß von Öffentlichkeit begleitet. Die dabei offensichtlich gewordenen Wahlfälschungen sind ein Thema der Massendemonstrationen im Herbst des Jahres.

25. September: Mit der Gründung des Neuen Forums entsteht eine erste feste Organisationsform der oppositionellen Bürgerbewegung in Jena.

8. Oktober: Die siebenteilige Fernsehfilm „Die gläserne Fackel“ nach den gleichnamigen Roman von Wolfgang Held läuft im Fernsehfunk der DDR an. Er schildert die Lebenswege einer fiktiven Familie, die über fünf Generationen eng mit der Firma Carl Zeiss verbunden ist. Die Serie entsteht teilweise an Originalschauplätzen in Jena unter Mitwirkung zahlreicher Statisten aus Jena.

8. Oktober: In der Stadtkirche St. Michael wird die erste Jenaer Fürbittandacht (Friedensgebet) abgehalten.

8./19. Oktober: In Jena gründen sich die Sozialdemokratischen Partei (SDP; später SPD) und die Partei "Demokratischer Aufbruch“. Damit entstehen die ersten neuen Parteien in der Umbruchphase der DDR.

25. Oktober: Als Protest gegen die Fälschung der Kommunalwahlen vom 7. Mai finden die ersten größeren öffentlichen Demonstrationen statt.

4. November: An einem Bürgerforum auf dem Platz der Kosmonauten beteiligen sich mehr als 40.000 Bürger.

19. November: Einem Aufruf des Neuen Forums zu einer Protestdemonstration folgen ca. 10.000 Teilnehmer.

1. Dezember: Im Jenaer Rathaus tagt der 1. „Runde Tisch“. Es nehmen 25 Vertreter von Parteien, Bewegungen, Institutionen und Organisationen teil.

4. Dezember: Demonstrierende Bürger besetzen die Kreisdienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit in Jena Am Anger 13.

1990

1. Februar: Nach dem Rücktritt des Oberbürgermeisters Hans Span und der meisten Stadträte bildet der Runde Tisch eine interimistische Stadtregierung unter Martin Otto.

19. April: Mit dem Physiker Ernst Schmutzer wird ein wieder nach demokratischen Prinzipien gewählter Rektor an der Friedrich-Schiller-Universität in sein Amt eingeführt.

6. Mai: Die ersten freien Kommunalwahlen nach 1946 enden bei einer Wahlbeteiligung von 73,7% mit folgendem Ergebnis (in %): CDU/Demokratischer Aufbruch = 34,9; SPD = 21,6; Bündnis 90/Grüne/Neues Forum/Unabhängiger Frauenverband = 15,9; PDS 12,7; Bund Freier Demokraten/FDP = 6,8; DSU = 6,0; Kulturbund = 2,2.

22. Mai: Auf der im Volkshaus erfolgenden konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wird Peter Röhlinger (FDP) zum neuen Jenaer Oberbürgermeister gewählt.

30. Mai: Der Universitätssportverein Jena e. V. (USV) wird gegründet. Der heute größte Mehrspartensportverein im Freistaat Thüringen tritt die Rechtsnachfolge der am 13. April 1949 ins Leben gerufenen Hochschulsportgemeinschaft Universität Jena an.

29. Juni: Die Treuhandanstalt übernimmt alle Gesellschaftsanteile des Kombinates VEB Carl Zeiss Jena. Es erfolgt die Umwandlung des VEB Carl Zeiss Jena und des VEB Jenaer Glaswerk in die Carl Zeiss Jena GmbH (ab 10. September als Jenoptik Carl Zeiss Jena GmbH) und die Jenaer Glaswerk GmbH.

1. Juli: Mit Inkrafttreten der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion gilt in Jena die D-Mark als Zahlungsmittel.

3. Oktober: Die Wiederherstellung der deutschen Einheit wird mit einem offiziellen Festakt im Volkshaus begangen.

25. Oktober: Nach 3jähriger Bauzeit wird das Kaufhaus am Inselplatz – nunmehr im Besitz der Horten AG Düsseldorf – eröffnet (1996 geschlossen).

1991

11. Januar: Als Vereinigung von Wissenschaftlern, Politikern und Künstlern entsteht an der Universität das Collegium Europaeum Jenense, dessen Ziel in der Förderung der Europäischen Integration besteht. Gründungsinitiator und bis zu seinem Tode 2004 Leitender Kurator ist der Mediziner Ulrich Zwiener.

8. März: Der Technologie- und Innovationspark Jena beginnt seine beratende Tätigkeit für Unternehmensgründer.

20. März: Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung werden einige zu DDR-Zeiten vorgenommene Vergaben von Ehrenbürgerschaften der Stadt – insbesondere an regionale Funktionsträger der SED – zurückgenommen.

1. April: Nach Empfehlungen eines von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzten Sonderausschusses werden 44 Straßen in Jena unbenannt bzw. rückbenannt.

23. April: Die Gründung der Stadtwerke Jena GmbH mit 51% Anteil der Stadt Jena erfolgt. 1992 übernimmt das Stadtwerk die Fernwärme- und Gasversorgung, 1993 folgt die Übernahme der Betriebsführung für den Wasser- und Abwasserzweckverband Jena.

25. Juni: Zwischen der Treuhandanstalt, den Ländern Baden-Württemberg und Thüringen sowie den Zeiss-Unternehmen in Jena und Oberkochen wird eine Grundsatzvereinbarung ausgehandelt. Aus der 1990 gegründeten Jenoptik Carl Zeiss Jena GmbH geht die Jenoptik GmbH als landeseigenes Unternehmen hervor, deren Leitung in den Händen des ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Lothar Späth, liegt. Als Rechtsnachfolger des Zeiss-Kombinats verantwortet Jenoptik in der Folgezeit die Strukturentwicklung in Jena und übernimmt dabei die Geschäftsbereiche Optoelektronik, Systemtechnik und Präzisionsfertigung des früheren Kombinats. Die nicht an die Jenoptik GmbH übertragenen Bereiche der Jenoptik Carl Zeiss Jena GmbH werden in die neu gebildete Carl Zeiss Jena GmbH eingegliedert, wobei sich 51% ihrer Anteile im Besitz der Carl Zeiss AG in Oberkochen und 49% im Besitz des Freistaates Thüringen befinden. Letztere, die von der Jenoptik GmbH verwaltet werden, gehen 1995 gleichfalls an Carl Zeiss Oberkochen über.

September: Karl-Heinz Ducke, einer der Moderatoren des Zentralen Runden Tisches während der Friedlichen Revolution, wird Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Johannes Baptist in Jena (bis 2010; 2011 verstorben).

September: Die private Freie Waldorfschule Jena nimmt am Standort Göschwitz mit zunächst 23 Schülern – bei rasch steigenden Schülerzahlen in den Folgejahren – ihre Tätigkeit auf. 2002 wird das alte Schulgebäude durch einen Neubau erweitert.

2. September: In Jena gründet sich eine Jenaplanschule, die an den schulreformerischen Überlegungen des Jenaer Pädagogen Peter Petersen anknüpft. Sie startet als Schulversuch mit einer Grundschule bis zum 6. Schuljahr und einem Kindergarten.

1. Oktober: Die „Fachhochschule Jena“ wird als Hochschule für angewandte Wissenschaften mit den Fachbereichen Ingenieurwissenschaften, Betriebswirtschaft und Sozial- und Gesundheitswissenschaften gegründet (seit 2014 „Ernst-Abbe-Hochschule Jena“).

29. November: Das Theaterhaus Jena – seit 1992 durch eine unabhängige gGmbh betrieben, deren Gesellschafter, Künstler und Techniker des Hauses sind – eröffnet seine erste Spielzeit. Es wird mit experimentellen Inszenierungen schnell überregional bekannt.

1992

24. März: Die letzten Panzer der ehemaligen 79. Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland verlassen Jena. Die vorwiegend russischen Soldaten werden am Saalbahnhof verabschiedet.

März: Die Karl-Marx-Büste vor dem Universitätshauptgebäude am Fürstengraben wird nach einer längeren, kontrovers geführten Debatte entfernt und magaziniert.

20. Mai: Das aus dem Physikalisch-Technischen Institut (PTI) der Akademie der Wissenschaften der DDR hervorgegangene Institut für Physikalische Hochtechnologie (IPHT) nimmt seine Tätigkeit auf (sei 2007 Institut für Photonische Technologien (IPHT) Jena).

25. Mai: Das 1991 gegründete Matthias-Domaschk-Archiv Jena (später: Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk” - ThürAZ) eröffnet in den Räumen des Neuen Forums eine Geschäftsstelle. Im Mittelpunkt seiner Sammlungstätigkeit stehen Überlieferungen der Opposition und des Widerstandes gegen die SED-Diktatur.

Juni: Die Umstellung der Jenaer Haushalte auf Erdgas ist abgeschlossen.

10. Juni: Die Ernst-Abbe-Stiftung wird gegründet, der das nahezu gesamte nichtindustrielle Vermögen der Carl-Zeiss-Stiftung übertragen wird. Ihrem Eigenverständnis nach ist sie vor allem der Förderung der Wissenschaft in Thüringen verpflichtet.

16. Juni: Es erfolgt die Grundsteinlegung für das Gewerbegebiet Saalepark.

Juli/August: Die erste „Kulturarena“ als siebenwöchiges internationales Open-Air-Festival findet im Jenaer Stadtzentrum statt. Ihr Gründer ist der Kulturamtsleiter Norbert Reif.

November: Die Preisträger für den erstmals als Botho-Graef-Kunstpreis ausgeschriebenen Kunstpreis der Stadt Jena für zeitgenössische bildende Kunst werden benannt.

12. November: Es erfolgt der erster Spatenstich für den Gewerbepark in Jena-Göschwitz.

26. November: Die Max-Planck-Gesellschaft eröffnet im in Jena sechs neue Einrichtungen.

Jahresende: Nach öffentlich kontrovers geführten Diskussionen entsteht in der von den ehemals sowjetischen Streitkräften geräumten Kaserne auf dem Jenaer Forst eine Erstaufnahmestelle für Asylbewerber.

1993

3. April: Mit einer neuen Grundordnung findet die strukturelle, personelle und curriculare Umgestaltung der Friedrich-Schiller-Universität einen vorläufigen Abschluss.

16. Juli: In Neulobeda-Ost erfolgt der erste Spatenstich für den Bau der Straßenbahn in das Stadtzentrum .

22. Oktober: In Neulobeda-Ost wird an der Stadtrodaer Straße „auf grüner Wiese“ der Grundstein für den Bau eines Einkaufs- und Dienstleistungszentrums gelegt. Die Gebäudesubstanz des 1994 eröffneten „Lobe-Centers“ nutzen in den Folgejahren wechselnde große Einzelhandelsketten, häufig stehen die Gebäude allerdings auch leer.

2. November: Auf dem Gelände des ehemaligen Zeiss-Hauptwerkes beginnt der Bau des innerstädtischen Einkaufs-, Dienstleistungs- und Erlebniszentrums „Goethe Galerie“.

1994

9. Februar: Jenoptik-Chef Lothar Späth und Oberbürgermeister Peter Röhlinger unterzeichnen ein Vertragspaket zur Erschließung des ehemaligen Zeiss-Hauptwerkes im Jenaer Stadtzentrum. Hier entsteht in den folgenden Jahren der neue Universitäts-Campus.

1. April: Drackendorf (mit Ilmnitz) und Maua (mit Leutra) werden nach Jena eingemeindet.

14. April: Starke Regenfälle, Schneeschmelze und aufsteigendes Grundwasser verursachen schwere Überschwemmungen im Jenaer Stadtgebiet. Die unterirdisch verlegte Leutra füllt die riesige Baugrube der „Goethe Galerie“ vollständig mit Wasser.

Juni: Die „Grüne Tanne“, Gründungsort der Jenaer „Ur“burschenschaft, wird nach grundlegender Sanierung wiedereröffnet und dient seitdem der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller als Korporationshaus.

12. Juni: Die SPD liegt mit 25,2% bei den Kommunalwahl in Jena vorn. Es folgen CDU (21,4), PDS (19,8), FDP (13,7), Grüne (9,9) und Bürger für Jena (5,4).

26. Juni: Amtsinhaber Peter Röhlinger (FDP) geht aus der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters als Sieger hervor.

1. Juli: Die Ortschaften Cospeda (mit Closewitz und Lützeroda), Isserstedt, Jenaprießnitz (mit Wogau), Krippendorf (mit Vierzehnheiligen), Kunitz (mit Laasan) und Münchenroda (mit Remderoda) werden eingemeindet.

11. September: Jena führt den Tag des offenen Denkmals durch. Auch in den folgenden Jahren dient jeweils das zweite Wochenende im Sept. dazu, das baukulturelle Erbe der Stadt, auch durch Öffnung ansonsten nicht zugänglicher Denkmale, erlebbar zu machen.

Oktober: Mit Beginn des Wintersemesters übersteigt die Zahl der Studierenden an der Friedrich-Schiller-Universität erstmals die Marke von 10.000.

19. November: Die Ernst-Abbe-Bücherei im Volkshaus wird nach vierzehnmonatiger Schließung wiedereröffnet. Die Nutzer können nunmehr in einem einheitlichen Onlinekatalog auf Print- und elektronische Medien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zugreifen.

Dezember: Wegen der Vergabe riskanter Kredite seit 1990 gerät die Jenaer Sparkasse in eine finanzielle Schieflage. Obwohl der neugebildete Sparkassenvorstand die Sanierung des Unternehmens bis Ende 1996 als abgeschlossen ansieht, beschäftigen die Vorgänge als „Sparkassenskandal“ über einen längeren Zeitraum die Öffentlichkeit.

1995

Das Turmhochhaus im Stadtzentrum ist von seinem bisherigen Hauptnutzer, der Universität, endgültig leergezogen. Es beginnen mehrjährige Auseinandersetzungen um die Findung eines Investors für die weitere Nutzung des Turmes, zwischenzeitlich wird ein Abriss in Erwägung gezogen.

Die 1991 gegründete Göpel electronic GmbH, inzwischen ein weltweit führender Entwickler und Anbieter (nichtinvasiver) optischer und elektronischer Mess- und Prüftechniksysteme für elektronische Bauteile, bezieht im Gewerbepark Jena-Göschwitz ein erstes neues Firmengebäude (weitere Gebäude am gleichen Standort: 2002/03 und 2008/09).

Das Staatliche Sportgymnasium Jena erhält den Namen Johann Christoph Friedrich GutsMuths. Es geht nach 1990 aus der in den 1970er Jahren schrittweise aus Bad Blankenburg nach Jena verlegten Kinder- und Jugendsportschule „Werner John“ hervor.

März: Die Jenaer Tafel (e. V.) nimmt zur Unterstützung Bedürftiger ihre Tätigkeit auf.

17. Juni: Ehemalige Oppositionelle und zeitgeschichtlich interessierte Bürger gründen den Verein „Geschichtswerkstatt Jena e. V.“ zur Aufarbeitung des politischen Widerstandes in sowjetischer Besatzungszone und DDR. Der Verein gibt seit 1996 die Vierteljahresschrift „Gerbergasse 18“ heraus.

Juni: Die erste Sommer-Imaginata in Jena zieht 10.000 Besucher an. Der im Dez. d. J. gegründete Verein „Imaginata e.V.“ erwirbt in der Folgezeit das Gebäude des ehemaligen Umspannwerkes Jena-Nord, wo bis 2000 mit dem Imaginata-Stationenpark ein Science-Center entsteht.

7. August: Bei Sanierungsarbeiten stürzt der „Rote Turm“ in sich zusammen, wobei vier Bauarbeiter den Tod finden. Das Bauwerk, basierend auf Resten der spätmittelalterlichen südöstlichen Eckbefestigung der Stadtmauer, wurde im 19. Jahrhundert mit einem neogotischen Backsteinaufbau versehen. An diesem äußeren Erscheinungsbild knüpft der 1999/2000 vollzogene Wiederaufbau des Turmes an.

28. September: In Jena-Burgau wird das bis zu diesem Zeitpunkt größte Jenaer Einkaufs-Center, der „Burgaupark“, eröffnet.

1996

6. Februar: Nach der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Philosophische Fakultät an den amerikanischen Maler, Bildhauer und Objektkünstler Frank Stella stellt dieser, vier von fünf Skulpturen der 1995 entstandenen Gruppe „Hudson River Valley Series“ zur Gestaltung des neuentstandenen Universitätscampus auf dem Gelände des ehemaligen Zeiss-Hauptwerkes in der Innenstadt zur Verfügung. Die Aufstellung der Skulpturen löst eine breite Diskussion über moderne Kunst im öffentlichen Raum aus.

29. Februar: Das größte innerstädtische Einkaufszentrum Jenas, die Goethe Galerie, wird eröffnet. Die glasüberdachte Passage ist in die denkmalsgeschützte Gebäudesubstanz des ehemaligen Carl-Zeiss-Hauptwerkes eingepasst.

26. Juli: Auf dem ehemaligen Militärgelände Naumburger Straße wird für 930 Wohnungen der erste Spatenstich vollzogen.

Oktober/November: Die Ernst-Abbe-Bücherei führt in Zusammenarbeit mit dem Lese-Zeichen e. V. erstmals den Jenaer Lesemarathon durch. Der Mix aus Lesungen und Diskussionen zu belletristischer und Sachliteratur soll vor allem Familien und Kinder ansprechen.

November: Das seit 1990 bestehende soziokulturelle Zentrum „Kassablanca“ (seit 2000 „Kassablanca Gleis 1 e. V.“) präsentiert seine jugendkulturelle Angebote erstmals in einem umgebauten Wasserturm und Lokschuppen am Westbahnhof.

1997

Februar: Im Arbeitsamtsbezirk Jena (Stadt Jena und ehemaliger Landkreis Jena) sind 11.025 Arbeitslose gemeldet, was einer Arbeitslosenquote von 18,2% entspricht. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt in den folgenden Jahren.

2. Juli: Der erste Spatenstich für das Wohngebiet „Himmelreich“ am Ortsausgang von Zwätzen wird vorgenommen.

6. Oktober: Mit der Neuverlegung der Straßenbahntrasse zwischen Stadtzentrum und Winzerla findet die Trassenführung durch die Neugasse ihr Ende.

23. Oktober: Das an der Westseite des Marktes zur Schließung der durch Bombardierung im II. Weltkrieg entstandenen Baulücke neu erbaute Gebäude ruft vor allem wegen seiner auffälligen Farbgebung Ablehnung hervor.

18. November: Dem Vorstandsvorsitzenden der Jenoptik AG, Lothar Späth, wird anlässlich seines 60. Geburtstages die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen.

16. Dezember: Es erfolgt die offizielle Inbetriebnahme der neuen Straßenbahntrasse zwischen dem Stadtzentrum und Neulobeda. Die Bauarbeiten hatten 1993 begonnen.

1998

22. Januar: Das rekonstruierte Wasserwerk in Burgau wird eingeweiht. Es bezieht das Rohwasser aus 18 Tiefbrunnen und versorgt ca. 40 000 Einwohner der Stadt mit Trinkwasser.

Januar/Februar: Wohnungs- und Garagendurchsuchungen bei als rechtsextrem bekannten Jugendlichen führen zur Auffindung von Waffen und einer Bombenwerkstatt. Die Hauptverdächtigen, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, können entkommen. Sie bilden den Kern einer neonazistischen terroristischen Vereinigung (Nationalsozialistischer Untergrund; NSU), auf deren Konto bis 2007 zehn Morde sowie Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle gehen.

14. Februar: Das von Stadt und Stadtwerken Energie Jena-Pößneck 1997 ausgelobte Walter-Dexel-Stipendium an Künstler der Region wird zum ersten Male vergeben. Namensgeber ist der vielseitige Maler, Typograf und Werbegrafiker Walter Dexel, der von 1915 bis 1926 in Jena gewirkt hatte.

Mai: Der Jenaer Haushalt wird aufgrund hoher Verschuldung durch den Straßenbahnbau und des „Sparkassenskandals“ nur unter Auflagen des Landesverwaltungsamtes genehmigt.

16. Juni: Lothar Späth lässt die landeseigene Jenoptik GmbH öffentlichkeitswirksam als ersten ehemaligen DDR-Betrieb an der Frankfurter Börse notieren.

16. Juli: Das 1992 in Jena gegründete „Intershop“- Unternehmen (Intershop Communications AG), Anbieter von Software für den Internethandel, geht am Neuen Markt in Frankfurt an die Börse. Das Unternehmen, zeitweilig einer der Gewinner des Neuen Marktes, gerät ab 2001 in die Krise. Nach Erholung, Stabilisierung und Umstrukturierung beschäftigt das Unternehmen 2015 noch 380 Mitarbeiter.

September: Mit Spielzeitbeginn tritt Andrei Boreiko als Nachfolger von Andreas S. Weiser das Amt des Chefdirigent der Jenaer Philharmonie an. Unter Boreikos Leitung (bis 2003) wird das Orchester drei Mal vom Deutschen Musikverleger-Verband für das beste Konzertprogramm des Jahres ausgezeichnet.

30. Oktober: Die Verkehrsfreigabe der neuen "Wiesenbrücke" über die Saale nach Wenigenjena erfolgt.

17. Dezember: In der nach Abbruch des ehemaligen „Interhotels“ am Holzmarkt (1997) neu erbauten „Holz Markt Passage“ eröffnet das Großkino „Cine-Star“ mit ca. 1.500 Sitzplätzen in acht Sälen.

1999

Januar: Das nach Brand und anderen Beschädigungen ruinöse Gebäude des Kulturhauses Neulobeda wird abgerissen.

13. März: Der „Offene Hörfunkkanal Jena“ geht auf Sendung (seit 2016 vereinsgetragenes Bürgerradio mit eigener Redaktion).

15. März: Nach mehrjährigen Querelen hat das Turmhochhauses im Stadtzentrum mit der Saller Gewerbebau GmbH einen neuen Eigentümer gefunden. Der Turmumbau beginnt mit dem Abbruch der alten Fassade, die durch eine neue Vorhangglasfassade ersetzt wird. Auch der Turmsockel wird völlig neu gestaltet. Als neue offizielle Namen des Turmbaues finden „Jentower“ und „Intershop Tower“ Verwendung.

5. Mai: In Neulobeda-Ost wird der Grundstein für das „Klinikum 2000“ der Friedrich-Schiller-Universität gelegt. Auf der schon seit den 1960er Jahre vorgesehenen Fläche entsteht das größte Klinikum Thüringens mit etwa 4.900 Beschäftigten, 15 Kliniken und Instituten sowie weiteren Einrichtungen für Forschung und Lehre.

Mai: Der Abriss von zwei elfgeschossigen Wohngebäuden in Neulobeda-Ost beginnt.

14. Juni: Die CDU gewinnt die Stadtratswahlen mit 24,7% Stimmenanteil. Es folgen SPD (23,1), PDS (21.4), FDP (13,4), Bürger für Jena (9,6) und Grüne (7,9).

23. Juni: Der Flößerbrunnen Detlef Reinemers wird im Neubaugebiet Winzerla wieder aufgestellt. Die 1987 geschaffene Plastik war kurz nach ihrer ersten Aufstellung aus politischen Gründen entfernt worden. Der Flößerbrunnen bildet den Abschluss der im folgenden Jahrzehnt entstehenden „Wasserachse“, eines Ensembles von Kunstwerken, das den Lauf eines Baches von der Quelle bis zur Mündung nachgestaltet.

4. September: Erstmals findet im Rahmen des Literatur- und Museumsfestes der „Zug der Geister“ statt. Als Persönlichkeiten der Jenaer Stadt- und Kulturgeschichte kostümiert, vermitteln die Beteiligten – darunter zahlreiche Jenaer Prominente – ein Bild der geschichtlichen Bedeutung der Stadt. Trotz anfänglich großen Zuspruchs kann sich der „Zug“ nicht dauerhaft etablieren (zuletzt 2008).

7. September: Mit der Eröffnung der neuen Mensa wird die letzte Baulücke am Standort des ehemaligen Zeiss-Hauptwerkes im Zentrum der Stadt geschlossen.

18. September: Das 1993 gegründete Christliche Gymnasium Jena bezieht eine ehemalige, zuletzt von den in DDR stationierten sowjetischen Streitkräften genutzte, umgebaute und später erweiterte Kaserne in Jena-Nord.

November: Nach grundlegender Sanierung wird das Frommannsche Anwesen am Fürstengraben der Universität zur Nutzung übergeben.

21. Jahrhundert

2000

Januar: Ein Bericht über Verstrickungen des in Jena hochgeehrten Kinderarztes Jussuf Ibrahim in Medizinverbrechen an behinderten Kindern in der NS-Zeit setzt die „Ibrahim-Debatte“ in Gang. Die teilweise emotional sehr aufgeheizten, von einer breiten Öffentlichkeit getragenen Diskussionen führen zu einer geteilten Bewertung der Person Ibrahims. Eine von der Universität eingesetzte Kommission (November) bestätigt den Vorwurf einer Beteiligung Ibrahims an der „Kindereuthanasie“. Die Jenaer Kinderklinik legt seinen Namen ab, weitere nach Ibrahim benannte Einrichtungen folgen. Eine offizielle Aberkennung der 1947 verliehenen Ehrenbürgerwürde durch den Stadtrat findet nicht statt, da diese nach dem Tode des Betroffenen ohnehin erlösche.

1. Januar: Die Stadtwerke Jena und Pößneck fusionieren zu den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck GmbH. Es erfolgt der Umzug in den neuen Firmensitz Rudolstädter Straße 39. 2002 erwerben die Stadtewerke 94% der Geschäftsanteile von jenawohnen, der größten Jenaer Wohnungsgesellschaft.

30. Januar: Erstmals wird auf der Strecke Berlin – München über Jena ein Intercity-Express eingesetzt. Haltepunkt in Jena ist ein aus Holzbahnsteigen bestehendes Provisorium in der Nähe des alten Paradiesbahnhofes. Die Diskussionen um einen neuen Intercity-Bahnhof in Jena werden seit Längerem geführt.

März/April: Wasserkraftanlagen am Paradies- und Rasenmühlenwehr nehmen den Betrieb auf.

26. Mai: Mit dem Aufsetzen der neue Renaissance-Turmhaube findet der äußere Wiederaufbau der Stadtkirche ihren abschließenden Höhepunkt. Die vom 1996 gegründeten Jenaer Kirchbauverein e. V. getragenen Restaurierungsarbeiten hatten 1998 begonnen.

28. Mai: Bei der Stichwahl zum Oberbürgermeister setzte sich der Amtsinhaber Peter Röhlinger (FDP) gegen Albrecht Schröter (SPD) durch.

Juli/August: Im Rahmen einer von der Jenoptik AG gestarteten Initiative werden über die Sommerferien alle Jenaer Schulen mit Computertechnik und Internet-Anschlüssen ausgerüstet.

Dezember: Die Staatliche Berufsbildende Schule für Gesundheit und Soziales Jena bezieht in Neulobeda-Ost ein erstes Gebäude eines hier entstehenden neuen Schulcampus‘.

2001

Januar: Das Richtfest für die beiden neue Geschosse für das Restaurant auf dem Intershop-Tower wird gefeiert.

Die ersten Pläne für die Neubebauung des Eichplatzes werden der Öffentlichkeit vorgestellt.

März: Am Felsenkeller beginnt der Abriss der Brauereigebäude der 1994 in Konkurs gegangenen Jenaer Brauerei

26. Juni: Der Jenoptik-Konzern begeht nach insgesamt erfolgreicher Entwicklung den zehnten Jahrestag seiner Gründung als „ostdeutsches Vorzeigeunternehmen“. Festredner ist Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Jenaer Bevölkerung ist mit einem großen Volksfest in die Feierlichkeiten einbezogen.

30. Juni: Das Volksbad wird geschlossen. Das Gebäude dient vorübergehend als Ersatzspielstätte für das Jenaer Theaterhaus.

August: Die 10. Kulturarena schließt mit einem Rekord von 70.000 Besuchern ab.

September: In Jena studieren mit Semesterbeginn rund 20.000 Studenten, davon rund 3.000 an der Fachhochschule.

Der Umzug der Jenaplan-Schule in die sanierte, in die Liste der Jenaer Kulturdenkmäler aufgenommene Südschule an der Tatzendpromenade als neuem Domizil ist weitgehend abschlossen.

7. Dezember: Die Schott-Villa öffnet nach erfolgter Sanierung aus Anlass des 150. Geburtstages von Otto Schott als Museum ihre Pforten für Besucher.

2002

In Jena werden - nach Jahren des Bevölkerungsrückgangs – erstmals wieder über 100.000 (100.067) Einwohner gezählt.

1. Januar: Der Euro wird als Bargeld eingeführt und ersetzt die D-Mark als Zahlungsmittel.

14. Februar: Der 2001 gestiftete Jenaer Preis für Zivilcourage wird erstmals vergeben.

März: Das Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie bezieht sein neues Institutsgebäude am Campus Beutenberg.

2. März: Das Freizeitbad GalaxSea in Winzerla wird eröffnet (Grundsteinlegung am 5. Mai 2000).

19. März: In der Rathausgasse wird ein neuer Gedenkstein für die Opfer des Bombenkrieges 1945 in Jena eingeweiht. Die Aufstellung des Steins geht auf eine Initiative des Steinmetzmeisters Eckart Bock zurück, der diesen gestaltet und sponsert.

13. April: Erstmals findet der „Jenaer Holzmarkt“ statt. Die Kombination von Vorführungen traditioneller, mit dem Holz verbundener Handwerkskunst und Marktevent entwickelt sich in den folgenden Jahren zur Tradition.

5. September: Das in der „Paradiesschule“ beheimatete Staatliche Berufsschulzentrum Wirtschaft & Verwaltung Jena erhält den Namen des Pädagogen Karl Volkmar Stoy.

29. September: In Jena findet der erste ökumenische Stadtkirchentag statt.

November: In der Außennische des Turmes von St. Michael wird eine (moderne) Bronzeplastik des Stadt- und Kirchenpatrons St. Michael aufgestellt. Die ursprünglich hier befindliche spätromanische Holzplastik des hl. Michael befindet sich seit 2014 nach abgeschlossener Sanierung im Kircheninnenraum.

19. Dezember: Der Jenaer Kunstverein feiert sein 100jähriges Bestehen. Seit September des Jahres nutzt er Ausstellungsräume im Roten Turm.

2003

1. Januar: Der Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Jena (KIJ) nimmt den Geschäftsbetrieb auf. Als Unternehmen der Stadt ist er Eigentümer und Betreiber der unbebauten und bebauten kommunalen Flächen, der Schul- und Sportimmobilien sowie der Kultur-, Sozial- und Verwaltungsgebäude in der Stadt.

März: Die Arbeitslosigkeit erreicht – nach zwischenzeitlicher Verbesserung der Situation – mit 14% erneut einen hohen Stand.

März/Mai: Am Campus Beutenberg werden neue Institutsgebäude fertiggestellt und bezogen (Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik; Max-Planck-Institut für Biogeochemie).

11. Juni: Walter Scheler, als einer der Streikführer beim Volksaufstand des 17. Juni 1953 zu 25 Jahren Haft verurteilt und nach siebeneinhalb Jahren haftentlassen, erhält die Ehrenbürgerwürde der Stadt Jena.

17. Juni: In der emotional aufgeladenen „Johannsmeier-Debatte“ um die Geschichte der DDR-Diktatur wird hinter dem Rathaus der Grundstein für ein Denkmal für die Opfer des Kommunismus gelegt. Das von dem ehemaligen DDR-Häftling Karl-Heinz Johannsmeier angeregte und finanziell getragene Denkmalsprojekt kommt nach kontrovers geführten erinnerungskulturellen Debatten wegen inhaltlichen, formalen und ästhetischen Bedenken nicht zur Ausführung.

9. Juli: Das neuerbaute Arbeitsamt in der Stadtrodaer Straße wird seiner Bestimmung übergeben.

15. Oktober: Im neuerbauten Sockel des JenTowers im Stadtzentrum eröffnet das Einkaufszentrum „Neue Mitte“.

2004

23. Februar: Der Umzug der seit 1992 in kommunaler Trägerschaft befindlichen Staatlichen Berufsbildenden Schule für Gesundheit und Soziales Jena (Nachfolgerin der Medizinischen Fachschule an der FSU) in den neuen Schulcampus in Lobeda-Ost ist abgeschlossen.

März: Der im Wesentlichen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammende Palas-Bau der Lobdeburg wird durch eine Stahlkorsett notgesichert.

Juni: Der erste Komplex des neuerbauten Universitätsklinikums in Lobeda mit sieben Kliniken und mehreren Funktionsbereichen mit insgesamt 1.200 Mitarbeitern wird eingeweiht.

Der Denkmalschutzpreis des Landes Thüringen geht an den Ortsverein Laasan für die Restaurierung des vom Beginn des 17. Jahrhunderts stammenden Gemeindehauses.

3. Juni: Das neue Justizzentrum in der Rathenaustraße auf dem ehemaligen Kasernengelände der sowjetischen Streitkräfte wird seiner Bestimmung übergeben.

27. Juni: Wahlsieger bei den Kommunalwahlen ist die PDS mit 24,2% der Wählerstimmen, vor CDU (22,9), SPD (19,0), Bürger für Jena (12,5), Grüne (12,1) und FDP (9,1). Die Wahlbeteiligung ist weiter gesunken und liegt bei 43,8%.

9. August: Etwa 800 Personen beteiligen sich an der ersten „Montags“demonstration gegen die Hartz IV-Gesetze.

21. September: Der Politikwissenschaftler Klaus Dicke wird als neugewählter Rektor in sein Amt, das er bis 2014 ausübt, eingeführt.

Oktober: Die Jenaer Philharmonie startet unter dem neuen Chefdirigenten Nicholas Milton in die Konzertsaison. Milton löst Andrei Boreiko ab.

3. Oktober: Die alte Saalebrücke in Burgau wird wieder für den Rad- und- Fußgängerverkehr freigegeben. Der Wiederaufbau der Brücke in ihrer ursprünglichen Form geht auf das Engagement des 1992 gegründeten „Vereins zur Rettung der Alten Saalebrücke Jena-Burgau“ zurück.

2005

1. Januar: Nach der Entscheidung der Stadt für das so genannte Optionsmodell, d. h. die Hartz IV-Gesetze in eigener Verantwortung umzusetzen, nimmt der Eigenbetrieb „Jenarbeit“ seine Tätigkeit auf.

Der neugegründete städtische Eigenbetrieb JenaKultur vereint alle Kultureinrichtungen der Stadt sowie Tourismus und Stadtmarketing unter einem Dach.

20. März: Mit einem Brunnenfest wird der erneuerte, durch Spenden finanzierte Tierbrunnen in der Oberaue eingeweiht. Der Brunnen bildete seit 1957 einen ursprünglichen Bestandteil des Volksparkes Oberaue.

29. April: Die umfassende Sanierung der Camsdorfer Brücke ist abgeschlossen, sie ermöglicht den zweigleisigen Ausbau der Straßenbahntrasse nach Wenigenjena.

Mai: Die Schott Jenaer Glas GmbH stellt die Produktion von Hauswirtschaftsglas in Jena endgültig ein.

18. Juni: Mit einem Halt des ICE „Jena“ wird der neue ICE-Haltepunkt Jena-Paradies nach zweijähriger Bauzeit in Betrieb genommen.

26. Juni: Roland Ducke, Jenaer Fußballlegende der 1960er Jahre, verstirbt.

4. September: Eine Ausstellung von Skulpturen und Zeichnungen von Auguste Rodin wird in der Städtischen Museen eröffnet. Sie sorgt für einen neuen Besucherrekord im Ausstellungsbetrieb des Hauses (bis Ende Januar 2006 55.00 Besucher).

Oktober: Mit Semesterbeginn werden an der Friedrich-Schiller-Universität über 20.000 Studierende gezählt. Seit 2012 sinken die Besucherzahlen leicht. Zum Wintersemester 2016/17 waren 18.219 Studierende eingeschrieben.

8. Dezember: Die Wohnungsgenossenschaft Carl Zeiss stellt das Bauprojekt „Nordlichter“ vor. Nach Abriss der letzten beiden Kasernen auf dem ehemaligen Militärgelände der sowjetischen Armee in Jena-Nord 2006 entstehen bis 2008 130 Wohnungen in verschiedenen Typen. Das Baugeschehen wird 2015 („Nordlichter II“) bzw. 2018 („Nordlichter III“) fortgeführt.

2006

Januar: Am Wissenschafts- und Innovationscampus Beutenberg wird das Abbe-Zentrum eröffnet. Als zentrales Gebäude beherbergt es die von allen am Campus ansässigen Institutionen gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen wie Mensa, Zweigbibliothek der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek und Hörsaal.

18. März: Ein Bronzeabguss der Skulptur Ergo Bibamus (Freimut Drewello, 1986) findet am Johannisplatz Aufstellung, nachdem das Original wegen Bauarbeiten von seinem alten Standort am Anatomieturm 2000 entfernt werden musste. Die Initiative für die Neuaufstellung geht vom Jenaer Karnevalsverein LNT e. V. aus.

Mai: Der FC Carl Zeiss Jena steigt in die zweite Fußball-Bundesliga auf.

21. Mai: Albrecht Schröter (SPD) setzt sich in der Stichwahl gegen Christoph Schwind (CDU) durch und wird neuer Oberbürgermeister Jenas. Alt-OB Peter Röhlinger, der nicht mehr zur Wahl angetreten war, scheidet nach 16 Jahren aus dem Amt.

Juli: Nach der Übernahme von Jenapharm durch die Bayer AG wird nach der Produktion auch die firmeneigene Forschung am Standort Jena eingestellt. Das Unternehmen konzentriert sich hier in der Folge ausschließlich auf den Vertrieb von Hormonpräparaten für Frauen.

14.-16. Juli: Jena ist Gastgeber des 10. Thüringentages. Die Veranstaltungen unter dem Motto „Rendezvous in Jena“ ziehen rund 300.000 Besucher an.

August: Nach einer Teilsanierung des 1914 eingeweihten Schulgebäudes erfolgt die Wiedereröffnung der „Adolf-Reichwein-Schule“ als Kooperative Gesamtschule. Mit Beginn des 2018/19 wird die Bildungseinrichtung wieder als reines Gymnasium geführt.

11. Oktober: Der Stadtrat beschließt eine stärkere Beteiligung der Bürger an der Erstellung des Haushaltsplanes. Mit dem „Bürgerhaushalt“ können per Zufall ausgewählte Bürger in den folgenden Jahren vor allem über die Verwendung von Teilen der Mehreinnahmen mitbestimmen.

14./15. Oktober: In Jena und Umgebung wird des 200. Jahrestages der Schlacht von Jena und Auerstedt gedacht. Einen Höhepunkt bildet die Nachstellung der Schlacht durch rund 1.600 Akteure vor ca. 32.000 Besuchern. Träger der seit 1996 im Fünfjahresrythmus stattfindenden Reenactments ist die Arbeitsgemeinschaft „Jena 1806“ e. V.

6. November: Das Angergymnasium räumt sein angestammtes Gebäude am Anger und zieht in die Ostschule nach Wenigenjena um. Das ursprüngliche Gebäude wird ab 2007 zum Verwaltungsgebäude der Stadt umgenutzt.

Dezember: Wegen der Beteiligung des VEB Jenapharm am Staatsdoping in der DDR erklärt sich der Rechtsnachfolger Jenapharm GmbH bereit, 1,9 Mio. Euro an den Verband der Dopingopfer zu zahlen.

31. Dezember: Die Studentenwerke Erfurt-Ilmenau und Jena-Weimar fusionieren zum „Studentenwerk Thüringen“ (seit 2006 „Studierendenwerk Thüringen“).

2007

Januar: Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Orchideenregion Jena – Muschelkalkhänge im Mittleren Saaletal“ wird das NSG „Leutratal“ erweitert und erhält den Namen NSG „Leutratal und Cospoth“.

Februar: Ein Neubau schließt die Bebauung an der Südostecke des Marktes. Das Haus nimmt den Standort des historischen Kirstenschen Hauses ein, das 1945 der Bombardierung Jenas zum Opfer fiel. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass hier der Freundschaftsbund Goethes und Schillers 1794 begonnen hatte.

21. März: Jena setzt sich im Wettbewerb um den vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgelobten Preis „Stadt der Wissenschaft“ gegen Potsdam durch. Damit hat die Stadt die Möglichkeit, sich 2008 über ein Jahr in entsprechenden Veranstaltungen zu präsentieren.

23. Mai: In Jena werden die ersten acht „Stolpersteine“ für Opfer der Shoah verlegt. Bis 2015 folgen im Rahmen des Kunstprojektes von Gunter Demnig 36 weiterer Stolpersteinverlegungen.

7. Juli: Die Berggesellschaft Forsthaus e. V. gründet sich, um das „Landschafts- und Kulturerlebnis Jenaer Forst“ zu vermitteln.

17. August: Mit der Aufstellung zweier Plastiken wird die Umgestaltung des Wenigenjenaer Ufers an der Saale im Wesentlichen abgeschlossen. Die Neugestaltung des Wenigenjenaer Ufers ist Ausgangspunkt für Projekte, Saale und Saaleufer in den folgenden Jahren als Erlebnisbereiche zu erschließen („Stadt am Fluss“).

Herbst: Nach mehreren Demonstrationen und Veranstaltungen der NPD und anderer rechtsradikaler Organisationen entsteht das „Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus“ als loser Zusammenschluss demokratisch orientierter Kräfte.

15. September: Die umgebaute und erweiterte ehemalige Gutenberg-Schule in Jena-Nord wird als Montessori-Schule neueröffnet. Grundsätze der Montessori-Pädagogik werden in Jena bereits seit Beginn der 1990er Jahre in einigen Bildungseinrichtungen praktiziert.

November: Die Arbeitslosenquote liegt in Jena seit 1990 erstmals wieder unter 10%. Allerdings handelt es sich bei den neuentstandenen Arbeitsplätzen teilweise um im Rahmen der Hartz IV-Gesetze geschaffene so genannte Mini-Jobs.

Eine erste Fertigungsstätte für Solarmodule der Schott Solar GmbH nimmt in Jena ihren Betrieb auf. Das Engagement im Geschäftsbereich Photovoltaik muss bereits 2013 wieder aufgegeben werden.

16. November: Die in Jena seit 2005 durchgeführte „Lange Nacht der Wissenschaften“ verzeichnet erstmals über 10.000 Besucher.

30. November: Das 2001 geschlossene Volksbad wird nach Umbauarbeiten und zeitweiliger Zwischennutzung als multifunktionaler Veranstaltungs- und Tagungsort wieder eröffnet.

2008

2. Februar: Mit einer Großveranstaltung „Jena leuchtet“ beginnt die Präsentation Jenas als „Stadt der Wissenschaft“ 2008. Über das Jahr folgen ca. 300 Veranstaltungen mit einer halben Millionen Besuchern.

16. April: Nach erneuten kontroversen Diskussionen in der Jenaer Öffentlichkeit entscheidet der Stadtrat gegen den von Karl-Heinz Johannsmeier vorgelegten Entwurf eines Denkmals für die Opfer des Kommunismus. Gleichzeitig soll ein Wettbewerb für die Gestaltung eines solchen Denkmals ausgeschrieben werden.

Mai: Der Frauenfußball Universitätssportverein Jena e. V. (FF USV Jena) steigt in die Bundesliga auf (Abstieg 2018). 2010 erreicht die Mannschaft das Pokalfinale. Die Wurzeln des erfolgreichen Jenaer Frauenfußballs liegen in den frühen 1980er Jahren.

Der FC Carl Zeiss Jena steigt nach zweijähriger Zugehörigkeit zur 2. Fußball-Bundesliga in die 3. Liga ab.

23. Mai: Die Biogasanlage auf dem Gelände der Kläranlage Jena-Zwätzen nimmt den Betrieb auf.

25. September: Mit einer feierlichen ersten Sprengung an der Südröhre beginnen die Arbeiten am Jagdbergtunnel.

30. September: Der traditionsreiche Gustav Fischer Verlag stellt seine Tätigkeit in Jena endgültig ein.

3. Oktober: Der „Stadtspeicher“ (Markt 16), der in seinen ältesten Teilen aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammt, wird nach denkmalpflegerischer Sanierung eröffnet. Das Gebäude beherbergt die Jena Tourist-Information sowie Ausstellungsräume (Galerie) des Jenaer Kunstvereins. Ihm ist marktseitig eine Hologrammfassade des irischen Architekten Ruairi O‘Brien vorgeblendet.

2009

16. Februar: Das 1927 eröffnete Kino „Capitol“ stellt seinen Spielbetrieb ein. Versuche, das Haus weiter als Kulturstätte zu betreiben, bleiben ohne Erfolg. In dem vom Architekturbüro Schreiter & Schlag entworfenen denkmalgeschützten Gebäude am Löbdergraben entstehen in der Folgezeit Wohn- und Gewerberäume.

22. Februar: Die Ausstellung französischer Malerei „Von Manet bis Renoir“ im Stadtmuseum verzeichnet zum Abschluss mit 32.600 Besuchern wiederum einen Rekordbesuch.

5. Mai: Für den zweiten Bauabschnitt des Universitätsklinikums in Neulobeda wird der erste Spatenstich vollzogen.

7. Juni: Wahlsieger bei der Stadtratswahl ist die SPD mit 25,2 Stimmenanteil. Es folgen Linke (20,2), CDU (19,0), FDP (11,0), Bürger für Jena (10,2) und Grüne (10,1). Die Wahlbeteiligung ist gegen 2004 (43,8%) deutlich angestiegen (54,3%)

27. August: Der Durchschlag der etwa 3 km langen Südröhre des Jagdbergtunnels erfolgt ein halbes Jahr vorfristig.

11./12. Sept.: Erstmals findet in Jena der „Tag der Stadtgeschichte“ statt. Die zunächst jährlich, später im Zweijahresrhythmus stattfindenden Veranstaltungen dienen der Diskussion wichtiger stadtgeschichtlicher Ereignisse und Jubiläen mit einer stadtgeschichtlich interessierten Öffentlichkeit.

31. Oktober: Die Villa Rosenthal in der Mälzerstraße wird nach Renovierung als Kulturzentrum der Stadt wiedereröffnet. Die Träger der Clara-und-Eduard-Rosenthal-Stipendien, die die Stadt seitdem an Künstler und Künstlerinnen aus den Bereichen Bildende Kunst sowie Literatur und Stadtschreibung vergibt, haben in der Villa Wohnrecht.

7. November: Eine Installation am Kirstenschen Hause sowie Messingplatten auf dem Straßenpflaster, die den gemeinsamen Weg Goethes und Schillers nachzeichnen, erinnern an die Entstehung des legendären Freundschafts- und Arbeitsbundes.

16. November: Die Wiedereinweihung des nach Jahrzehnten des Verfalls sanierten Denkmals für die militärische Spezialeinheit der Blinker im I. Weltkrieg findet auf dem Landgrafen statt.

16. Dezember: Das letzte Teilstück der Straßenbahn-Trasse Burgau-Bahnhof Göschwitz-Lobeda-West wird geschlossen. Damit kommt der Straßenbahnbau in Jena ab 1993 zu einem vorläufigen Abschluss.

2010

Januar: Die Insolvenz des Traditionsfußballclubs Carl Zeiss wird in letzter Minute abgewendet. Die Stadt leistet mit dem Kauf der Rasenheizung und ihrer Vermietung an den Club dazu einen Beitrag.

März: Der Stadthaushalt weist trotz des Krisenjahres 2009 einen verteilbaren Überschuss von neun Millionen Euro aus.

16. April: Die Bauarbeiten für den „Sonnenhof“ im Zentrum Jenas beginnen. Das Berliner Büro J. Mayer H. Architekten projektiert den Bau von vier Gebäuden mit Büro- und Wohneinheiten in futuristischer Handschrift.

17. Juni: Am ehemaligen Standort der Kreisdienststelle des MfS Am Anger wird ein Denkmal „Zum Gedenken an die politisch Verfolgten in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der DDR zwischen 1945 und 1989“ eingeweiht. Das aus einem von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb als Sieger hervorgegangene, von Sibylle Mania entworfene Monument trägt die Widmung: „All denen, deren Menschenwürde verletzt wurde, den Verfolgten, die gegen kommunistische Diktatur aufrecht für Demokratie und Menschenrechte einstanden. 1945-1989.“

1. September: Nach Jahren des Leerstandes beginnen die Abrissarbeiten am ehemaligen Hortenkaufhaus am Inselplatz. Sie sind bis Jahresende abgeschlossen.

Oktober: Die Sanierungsarbeiten der ehemaligen Glasdeponie des Jenaer Glaswerkes auf dem Schott-Platz finden ein Ende.

8. Nov.: Der neue Jenaer Busbahnhof wird offiziell eingeweiht.

2011

Januar: Die Planungsunterlagen für die Neubebauung des Eichplatzes werden öffentlich ausgelegt.

Februar: Das Bahnhofsgebäude in Göschwitz wird an einen privaten Investor verkauft.

März: Die in Jena ansässige Carl Zeiss Meditec AG gewinnt für die Entwicklung eines Gerätes für die Brustkrebsbehandlung den Deutschen Innovationspreis in der Kategorie mittelständische Unternehmen.

17. Februar: Der Stadtrat fasst einen Beschluss zur Umbenennung des Petersenplatzes in „Jenaplan“. Damit findet die seit Sommer 2009 geführte Debatte um die NS-Verstrickungen des Jenaer Pädagogen Peter Petersen einen weitgehenden Abschluss.

September: Unmittelbar neben dem alten Standort wird das neugebaute Jugendzentrum „Hugo“ (ehemals „Winzerklub“) im Neubaugebiet Winzerla wiedereröffnet. In den 1990er Jahren hatte der Klub nicht zuletzt rechten Gruppen und Kadern als Treffpunkt gedient.

4. November: Die Morde der rechten Terrororganisation „Nationalsozialistischer Untergrund“  werden öffentlich, die drei Haupttäter und mehrere Unterstützer stammen aus Jena. Nach mehrjährigen Untersuchungen geht im Juli 2018 in München der sog. NSU-Prozess mit Schuldsprüchen gegen die Angeklagten zu Ende, viele Fragen um den NSU-Komplex bleiben aber ungeklärt. Inbesondere die JG-Stadtmitte erinnert mit  Gedenkveranstaltungen an die Opfer.

17. November: Oberbürgermeister Albrecht Schröter erhält für sein auch vielfach bei Nazi-Aufmärschen in Jena dokumentiertes Engagement den „Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus“.

2. Dezember: Ein kurzfristig anberaumtes Rockkonzert – unter anderem mit Udo Lindenberg und Peter Maffey – in der Oberaue wird von ca. 50.000 Menschen besucht, die damit ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit setzen.

2012

Januar: Die Sparkasse Jena-Saale-Holzland profitiert von der Krise der Großbanken und bilanziert 2011 als das beste Geschäftsjahr ihrer Geschichte.

Das Schott-Unternehmen kündigt – trotz vorangegangener erheblicher Investitionen – den Ausstieg aus der Solarbranche an.

März: Die Immobilienpreise erreichen in Jena einen Höchststand. Die Stadt rückt hinsichtlich ihrer Höhe deutschlandweit unter die Top-ten auf.

6. Mai: Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD) gewinnt die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters gegen Dietmar Schuchardt (CDU).

8. Mai: Die iranische Menschenrechtlerin und Friedensnobelspreisträgerin Shirin Ebadi erhält den Internationalen Preis für Verständigung und Menschenrechte der Ulrich-Zwiener-Stiftung und Universität Jena.

30. Mai: Die neue Lichtenhainer Brücke in der Oberaue wird eingeweiht.

September: Die offizielle Arbeitslosenquote hat mit 6,6% einen neuen Tiefstand erreicht.

9. November: Der vom Kunitzer Brücken- und Denkmalverein getragene originalgetreue Wiederaufbau der 1945 zerstörten hölzernen Hausbrücke bei Kunitz ist abgeschlossen.

13. Dezember: Der Stadtrat beschließt den Schulnetzplan bis 2015 und gibt grünes Licht für den Bau von zwei neuen Schulen.

15. Dezember: Das Scala-Turm-Hotel in der 27. Etage des Jentower eröffnet als zweithöchstes Hotel Deutschlands.

2013

Januar: Der wegen hygienischer Mängel und Verstößen gegen Tierschutzrechte seit Längerem in der Kritik stehende ehemals städtische Schlachthof Jena muss Insolvenz anmelden und zum 1. August endgültig schließen. Die Gebäudesubstanz wird in der Folgezeit abgebrochen.

23. Januar: Die Staatliche Integrative Grundschule „An der Trießnitz“ (Winzerla) erhält den Jakob-Muth-Preis für die Integration behinderter Schüler.

Anfang Juni: Dauerregen verursacht Saale-Hochwasser mit Überschwemmung der Saale-Auen. Dabei wird das Ernst-Abbe-Stadion vollständig überflutet. In der Folge müssen die Masten der Flutlichtanlage wegen Hochwasserschäden abgebaut werden.

1. September: Eine Ausstellung zum bildkünstlerischen Schaffen Henry van de Veldes erweist sich (bis zum 24. November) erneut als Besuchermagnet für das Stadtmuseum.

14. November: Der Stadtrat gibt grünes Licht für den Bau der „Friedensberg-Terrassen“. Bis 2016 lässt die Jenawohnen GmbH zehn Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 96 Wohnungen bauen. Das Projekt ist bis zuletzt vor allem wegen der Bauhöhe der Häuser umstritten.

27. November: Das Gebäude der Traditionsgaststätte „Zur Sonne“ am Markt mit ältesten Bauteilen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts wird nach denkmalspflegerischer Restaurierung (seit 2007) wieder eingeweiht. Das historische Haus ist zum Löbdergraben hin mit der den modernen Wohngebäuden des „Sonnenhofs“ verbunden. Als Träger von Restaurierung und Neubauten fungierte die Wohnungsgenossenschaft ,Carl Zeiss‘ eG.

29. November: An der Saale im Paradies wird ein neues Schulgebäude eingeweiht. Es beherbergt die Freie Gesamtschule „Universaale“ sowie einen Teil der Schüler der Grundschule „Steinmaleins“ (Lobeda-Altstadt). Träger der nach inklusiven Prinzipien arbeitenden Schulen ist der QuerWege e. V.

9. Dezember: Die „Schiller-Passage“, ein im Dezember 1994 eröffnetes Einkaufszentrum in der Löbstedter Straße, schließt endgültig. Von dem seitdem leerstehenden Gebäude ist nur noch das Parkhaus nutzbar.

2014

5. Januar: Die „Sparkassen-Arena“ in Burgau wird eröffnet. In der Mehrzweckhalle mit 3.000 Plätzen finden die Spiele Basketballmannschaft Science City Jena statt (seit 2016/17 Basketball-Bundesliga), außerdem Konzerte, Stand-up-Comedyshows, Kongresse, Messen und Feiern.

19. Februar: Das lange Zeit als vermisst geltende, Clara Rosenthal zeigende Ölgemälde Raffael Schuster-Woldans wird in Paderborn wieder aufgefunden und kehrt in die Rosenthal-Villa nach Jena zurück.

März: Ein seit 1993 entwickeltes Konzept zur Bebauung des Eichplatzes – die Rückbenennung des Platzes der Kosmonauten war zum 1. April 1991 erfolgt – wird im Rahmen einer Bürgervollbefragung mehrheitlich abgelehnt und daraufhin zurückgezogen. Der bereits gefasste Stadtratsbeschluss "Grundstücksverkauf mit Bauverpflichtung Eichplatz" wird in der Folge aufgehoben. Gegen den Verkauf des Eichplatzes und die Bebauungsplanung hatte es zuvor rege kritische Diskussionen und heftigen Widerstand in der Bürgerschaft gegeben. Bereits 2010 hatte sich die Bürgerinitiative "Mein Eichplatz" gegründet, 2013 forderte die Initiative "Moratorium Eichplatz"  mit einer Unterschriftenaktion ein Innehalten und erneutes Nachdenken zur geplanten Bebauung.  

12. Mai: Der Förderverein Johannisfriedhof Jena e. V. gründet sich. Zweck des Vereins sind Erhalt, Pflege und angemessene Nutzung des Johannisfriedhofs, Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege sowie die wissenschaftliche Erforschung.

25. Mai: Sieger bei den Wahlen zum Stadtrat ist die Linke mit 24,0% Anteil der Wählerstimmen. Es folgen CDU (22,2), SPD (20,8), Grüne (11,4) und Bürger für Jena (10,4).

12. September: Mit der Öffnung des neu gestalteten Bogenfeldes über dem Brautportal findet die fast 20-jährige Sanierung der Jenaer Stadtkirche St. Michael ihren Abschluss.

2. Oktober: In der Löbstedter Straße wird eine Gedenk- und Informationsstele zur Erinnerung an das hier befindliche Außenlager des KZ Buchenwald des Reichsbahnausbesserungswerkes Jena sowie für das in der NS-Zeit der zwangsweisen Unterbringung jüdischer Bürger dienende Waggonlager eingeweiht.

30. Oktober/18. November: Am Jagdbergtunnel erfolgt nach dreimonatigem Probebetrieb für die Rettungskräfte die Verkehrsfreigabe, zunächst für die in Richtung Westen (nach Frankfurt/Main) und später für die in Richtung Osten (nach Dresden) führende Röhre. Der unmittelbar eingeleitete Rückbau und die Renaturierung der nicht mehr benötigten Autobahnstrecken kommt vor allem dem Naturschutzgebiet Leutratal und Cospoth zugute.

2015

Im Rahmen des von der UN-Generalversammlung ausgerufenen „Internationalen Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien“ begeht Jena 2015 als „Jahr des Lichtes“. Vor allem Hochschulen, Wissenschaftsinstitute und Firmen sind beteiligt.

23. Januar: Zum 175. Geburtstag Ernst Abbes wird vor dem Zeiss-Planetarium ein Abbe-Statue als Denkmal eingeweiht.

2. März: Das Richtfest für ein neues Krematorium auf dem Nordfriedhof wird gefeiert (Februar 2016 eingeweiht).

Mai: Im Gewerbegebiet an der A4 wird die erste Stromtankstelle für Elektroautos in Betrieb genommen.

Juni: In Winzerla (Rudolstädter Straße/Damaschkeweg) wird mit dem Bau einer Fußgängerampel im Bereich von gegenüberliegenden Haltestellen des Jenaer Nahverkehrs begonnen. Dem waren zuvor wochenlange hitzige öffentliche Debatten vorausgegangen.

23. September: Der Stadtrat beschließt nach einem sich über mehrere Jahren erstreckenden Diskussionsprozess den Umbau des Ernst-Abbe-Sportfeldes in eine reine Fußballarena. Die Frage nach einer der Jenaer Tradition angemessenen Wettkampfstätte für die Leichtathletik bleibt offen.

18. November: Der Stadtrat befasst sich mit dem Problem steigender Flüchtlingszahlen. Die Zahl der Asylsuchenden hat sich in Jena seit Jahresbeginn von rund 500 auf über 1.500 erhöht. Zum Zeitpunkt leben ein Drittel der Flüchtlinge in Wohnungen, ein Drittel in Gemeinschaftsunterkünften, unter anderem in neuentstandenen Containerdörfern, sowie ein Drittel in Notunterkünften, in erster Linie Sporthallen. Über den Jahreswechsel verschärft sich die Situation weiter, entspannt sich aber bei sinkenden Flüchtlingszahlen im Jahresverlauf 2016. Containerunterkünfte entstehen unter anderem auf dem Gries, in Lobeda-Ost (Carolinenstraße) und Am Stadion.

11. Dezember: Das Gefahrenabwehrzentrum Am Anger 28 wird eingeweiht. Neben Feuerwehren, Rettungs- und Notdiensten nutzt das Finanzdezernat das neue Gebäude.

2016

15. Januar: Der Oberbürgermeister der Stadt und das Dezernat für Familie, Bildung und Soziales laden zum Kommunalen Flüchtlingsgipfel ein, um die weiteren Aufgaben bei der Unterbringung, Betreuung und Integration von Asylsuchenden zu beraten.

20. Januar: Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) führt mit etwa 600 Anhängern ihre erste Kundgebung in Jena durch.

17. April: An der Camsdorfer Brücke wird ein Kreuzstein zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich eingeweiht.

20. April: Einem Fackelzug von etwa 200 Anhängern der rechtsextremen Thügida-Bewegung stehen rund 4.000 Gegendemonstranten entgegen.

19. Mai: Der Stadtrat stimmt der Errichtung des Deutschen Optischen Museums am Standort Jena zu.

11. September: Zum Carl-Zeiss-Tag kommen mehr als 50.000 Besucher ins Stadtzentrum. Zeiss begeht in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag.

4. Oktober: Das für rund zehn Millionen Euro grundlegend sanierte und erweiterte Ernst-Abbe-Gymnasium in Winzerla feiert seine Neueinweihung.

10. November: Jena wird durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ verliehen.

2017

17. April: Nach bestandswahrender Sanierung werden die vorhandenen baulichen Fragmente des Karmelitenklosters aus dem 15./16. Jahrhundert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Mai: Mit dem Umzug der Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Urologie, Augenheilkunde und der Frauenklinik nach Lobeda ist die Verlagerung des Universitätsklinikums an den neuen Standort in Neulobeda-Ost abgeschlossen. Im innerstädtischen Bereich verbleiben lediglich die Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie und für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

4. Juli: Der Senat der Universität lehnt eine Wiederaufstellung der Marx-Büste ab. Das 1992 von seinem Standort am Fürstengraben entfernte Denkmal verbleibt im Depot.

16. September: Am Johannisplatz wird ein von Klaus-Dieter Locke gestaltetes, durch Spenden finanziertes Denkmal für Carl Zeiss eingeweiht.

13. Oktober: Der Zeiss-Konzern kündigt für den Traditionsstandort Jena ein Investitionsprogramm von 300 Millionen Euro an. Das Ziel besteht in der Errichtung eines „integrierten Higt-Tech-Komplexes mit Strahlkraft für die gesamte Region“ auf den zum Teil unbebauten Flächen des Schott-Werkes.

22. November: Der Sieger des Architekturwettbewerbs für den Neubau der Ernst-Abbe-Bibliothek wird bestimmt. Bis 2023 soll im Bereich Engelplatz ein neues Bibliotheksgebäude entstehen, das außerdem den Jenaer Bürgerservice beherbergen soll.

10. Dezember: Mit dem Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn erfolgt die Einstellung der stündlichen Anschlüsse Jenas nach Berlin bzw. München per IC bzw. ICE.

Jahresende: Aufgrund des Sinkens der Zahlen ankommender Flüchtlinge kann deren Unterbringung in Containern eingestellt werden. Die entsprechenden Einrichtungen werden geschlossen.

2018

9. Januar: Der Beate-Uhse-Laden in der Saalstraße schließt nach 27jähriger Tätigkeit in Jena. Der Erotikanbieter zählte zu den ersten altbundesdeutschen Unternehmen, die in der Stadt nach der Wende eine Filiale eröffneten.

Februar: Die Jenawohnen GmbH und das Architekturbüro Junk & Reich werden für das Neubauprojekt „Friedensberg-Terrassen“ mit dem Deutschen Bauherrenpreis ausgezeichnet.

18. April: Der Stadtrat stimmt für den Neubau einer Schwimmhalle.

1. Mai: Aufgrund eines Sommers mit Rekordtemperaturen schließt die an diesem Tag eröffnete Freibadsaison am Ende mit einem Rekordbesuch ab (insgesamt 163.000 Besucher).

29. Mai: Thomas Nitzsche (FDP) setzt sich in der Oberbürgermeister-Stichwahl gegen den Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD) durch.

7. Mai: Die GoetheGalerie zeigt in der jährlichen world press photo-Ausstellung zum zwanzigsten Mal in Folge die besten Presse-Fotos des Jahres.

27. Juni: Das Jenaer Lexikon zur Stadtgeschichte, ein Standardwerk von 260 Historikern, Wissenschaftlern benachbarter Disziplinen und Laienforschern, wird der Öffentlichkeit vorgestellt.

1. Juli: Die Trägerschaft für das Optische Museum Jena geht von der Ernst-Abbe-Stiftung auf die Stiftung Deutsches Optisches Museum (D.O.M.) über.

5. Juli: Die Kulturarena wird mit dem Sommertheater „Titanic“ eröffnet und schließt mit rund 70.000 Besuchern.

31. August: Die neugewählten Dezernenten leisten ihren Amtseid: Christian Gerlitz (Stadtentwicklung und Umwelt), Eberhard Hertzsch (Familie, Bildung und Soziales) und Benjamin Koppe (Finanzen, Sicherheit und Bürgerservice).

18. Oktober: Die neue Saison der Jenaer Philharmonie wird unter dem neuen Chefdirigenten Simon Gaudenz eröffnet. Gaudenz löst Marc Tardue ab, der dem Orchester seit 2012 vorgestanden hatte.

26. Oktober: Auf dem Weg zum Jenziggipfel wird ein kindgerecht gestalteter Lehrpfad über hier ehemals beheimatete Saurier eingeweiht.

28. Oktober: Für 16 Jenaer Opfer der so genannten Polenaktion – die zwangsweise Abschiebung von Juden polnischer Staatsangehörigkeit nach Polen – wird am Gebäude der HypoVereinsbank in der Schillerstraße eine Gedenktafel enthüllt. Initiator ist der Jenaer Arbeitskreis Judentum.

18. Dezember: Der Kulturausschuss beschließt mit Mehrheit, das 2009 sanierte Blinkerdenkmal mit einer Inschrift („1914 den Gefallenen 1918“), einem dem historischen Blinkgerät nachempfundenen Aufsatz sowie einer neuen Informationstafel zu versehen. Damit soll das Denkmal für die Gefallenen der in Jena ausgebildeten Spezialeinheit der Blinker in seiner „Versehrtheit und Geschichtlichkeit“ neu gekennzeichnet werden.

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